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Interview

Pedalen, Reparieren, Schlafen – das Angebot für Mountainbiker in der Zentralschweiz soll ausgebaut werden

Fünf Kantone wollen die Zentralschweiz zu einem Bike-Paradies machen und haben dazu ein gemeinsames Projekt lanciert. Was es damit auf sich hat, erklärt der Projektkoordinator Thomy Vetterli im Interview.
Sandra Peter
Ein Biker fährt entlang des Weges bei der Spycherflue auf der Route der Vier-Seen-Wanderung zwischen Engelberg und Melchsee-Frutt. (Bild: Keystone/Gaetan Bally, 20. Juli 2015))

Ein Biker fährt entlang des Weges bei der Spycherflue auf der Route der Vier-Seen-Wanderung zwischen Engelberg und Melchsee-Frutt. (Bild: Keystone/Gaetan Bally, 20. Juli 2015))

Die fünf Kantone Luzern, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Uri und deren Tourismusorganisationen haben gemeinsam das Projekt «Mountainbike Zentralschweiz» gestartet. Dieses hat zum Ziel, die Zentralschweiz zu einer der attraktivsten und vielseitigsten Bike-Regionen der Schweiz zu machen und dadurch die Wertschöpfung zu erhöhen. Das zweijährige Projekt wird mit Geldern aus der Neuen Regionalpolitik (NRP) finanziert. Seit Juli ist Thomy Vetterli* in einem 100-Prozent-Pensum als Projektkoordinator dafür im Einsatz.

Thomy Vetterli (Bild: PD)

Thomy Vetterli (Bild: PD)

Thomy Vetterli, was beinhaltet das Projekt «Mountainbike Zentralschweiz» genau?

Thomy Vetterli: «Das Projekt umfasst verschiedene Ebenen. Auf der politischen Ebene ist es wichtig, dass das Projekt in allen Kantonen über alle Ämter und Fachstellen hinweg vernetzt wird, damit eine nachhaltige Infrastruktur aufgebaut werden kann. Das geht später bis hin zu allfälligen Anpassungen in Richtplänen und Gesetzesänderungen. Da stehen die verschiedenen Kantone und Regionen aktuell auf sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen, Engelberg und Andermatt geben beispielsweise Gas, andere stecken noch ganz am Anfang».

Wie sieht es mit den anderen Ebenen aus?

Vetterli: «Auch die touristischen Partner und Organisationen müssen zusammenarbeiten und ihre Angebote bündeln. Heute haben die einzelnen Orte in der Zentralschweiz für Biker Angebote für ein bis zwei Tage, sie sind untereinander kaum vernetzt. Auf der Vermarktungs-Ebene soll die Region dann als Ganzes beworben und wahrgenommen werden».

Wie viel Geld steht für das zweijährige Projekt zur Verfügung?

Vetterli: «Insgesamt sind dafür rund 500'000 Franken vorgesehen, inklusive meinem Lohn. Die finanziellen Mittel setzen sich zusammen aus zwei Dritteln NRP-Geldern der Kantone und des Bundes sowie einem Drittel Eigenleistungen der Tourismusverbände und –regionen».

Wie soll die Zentralschweiz von diesem Projekt profitieren?

Vetterli: «Die lokale Wertschöpfung soll gesteigert werden, nicht linear zum aktuellen Markt, sondern etwas darüber hinaus. Die Biker sollen länger als ein Wochenende in der Zentralschweiz bleiben. Ein Gast soll eine Woche in die Ferien kommen und erlebnisreiche Bike-Tage verbringen können. Ein Tagesgast gibt gemäss einer Wertschöpfungsstudie etwa 100 Franken aus, Gäste die zwei oder mehr Tage bleiben, bringen pro Tag bis zu 220 Franken. Ziel ist es, ein attraktives Angebot für Biker zu etablieren, das ideal aufeinander abgestimmt ist, von der Hotellerie über Bike-Guides bis hin zu Bike-Shops und Transportbahnen».

Es gibt jedoch Bahnen, die bewusst keine Bikes transportieren, weil sie keine Biker auf den Wanderwegen möchten und Landbesitzer, die keine Biker auf ihrem Grund wünschen.

Vetterli: «Ziel des Projektes muss es auch sein, Konflikte zwischen Wanderern und Bikern zu entschärfen. Wir haben in der Zentralschweiz ein wunderschönes "Problem"; wir haben Bergbahnen die erfolgreich sind ohne Biker. Eine "Keine-Biker-Strategie" wird in Zukunft aber kaum mehr funktionieren. Denn das Bike-Bedürfnis ist da. Ziel ist ein Nebeneinander, nicht ein Gegeneinander».

Wird es also auch neue Mountainbike-Trails geben?

Vetterli: «Ja, das bestehende Netz von "Schweiz Mobil" soll sinnvoll ergänzt werden. Wobei hier der Grundsatz "Qualität vor Quantität" gilt. Es kann nicht sein, dass die ganze Zentralschweiz umgegraben oder mit einem Schilderwald versehen wird».

Welche Biker sollen angesprochen werden?

Vetterli: «Schweizer und Zentralschweizer Biker aller Art sollen ihre Freizeit bei uns verbringen. So ein vielseitiges Fleckchen wie wir haben, gibt es sonst kaum auf kleinem Raum. Es gibt etwa flachere Gebiete für Kilometer-Bolzer in Luzern, steiles Gelände für Downhill-Biker oder auch Pump Tracks in Schüpfheim, Giswil oder Schattdorf für Familien».

Gibt es Regionen, von denen man sich etwas abschauen kann?

Vetterli: «Graubünden arbeitet als Kanton gut zusammen, damit die Biker möglichst lange bleiben. Es ist aber schwierig, andere Destinationen mit der Zentralschweiz zu vergleichen. Bei uns sind es fünf Kantone und wir haben eine höhere Bevölkerungsdichte. Kein Konzept lässt sich 1:1 übernehmen. Auch in Kanada und Skandinavien gibt es gute Angebote. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, aber überlegen, was bei uns sinnvoll ist».

Was wird aus Ihrer Sicht die grösste Herausforderung?

Vetterli: «Die grösste Herausforderung wird voraussichtlich die politische Komponente. Alle Kantone, die am Projekt mitmachen, müssen ähnliche Strategien verfolgen, etwa weg von vereinsgeführten Wegen hin zu akzeptierten Netzen wie beispielsweise jenes von Schweiz Mobil. Konflikte, wie sie zwischen Wanderern und Bikern bestehen, lassen sich zwar nicht immer lösen, aber entschärfen. Dies wird für mich persönlich die schönste Arbeit: Mit Interessengruppen zusammensitzen und klären, wo und wie man nebeneinander vorbeikommt und wo es miteinander geht. Bis wir da ankommen, ist es politisch aber noch ein weiter Weg. Das erste positive Signal haben die Kantone nun gesendet, indem sie die Gelder der Neuen Regionalpolitik in ein gemeinsames Projekt investieren».

Was geschieht nach zwei Jahren, wenn das Projekt ausläuft?

Vetterli: «In den zwei Jahren haben wir dann hoffentlich viel initiiert und auf den Weg gebracht. Eine Fachstelle aufzubauen, Richtplanänderungen oder gesetzliche Verankerungen zu diskutieren, wird in dieser Zeit aber kaum möglich sein. Wir versuchen mit dem Projekt eine nachhaltige Basis zu schaffen. Ziel ist, dass die Gemeinden, Kantone und Organisationen das Projekt gemeinsam weiterführen. Dies ist auch mein persönliches Ziel. Inwiefern sich Kantone und Regionen nachher noch beteiligen, wird sich aber erst noch zeigen».

Wo steigen Sie selber am liebsten aufs Bike?

Vetterli: «Ich gehe meist der Nähe nach, freue mich aber auch, Neues kennen zu lernen».

*Thomy Vetterli (45) wohnt in Wolfenschiessen und ist dort Vize-Präsident im Gemeinderat. Er hat mitgeholfen, die Bike-Strategie Engelberg aufzubauen und war als Projektmanager in der Privatwirtschaft tätig. Seit Juli ist er Produktmanager für «Mountainbike Zentralschweiz».

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