PENSION: Bald kann er auf der Rigi Ferien machen

Peter Pfenniger wird 2016 als Direktor der Rigi Bahnen AG abtreten. Der 62-jährige Goldauer spricht über Prinzipien, schlechtes Wetter und unsinnige Kosten.

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Peter Pfenniger (62) auf dem Weg nach Rigi Kulm. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))

Peter Pfenniger (62) auf dem Weg nach Rigi Kulm. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))

Stephan Santschi

Peter Pfenniger, wann haben Sie Ihren letzten Arbeitstag?

Peter Pfenniger: Als Direktor voraussichtlich im dritten Quartal 2016. Das hängt davon ab, wann die Nachfolge geregelt ist, weil es noch zu einer kurzen Übergangsphase kommen wird. Danach werde ich möglicherweise weiterhin in gewisse Projekte eingebunden sein. Ich möchte mich schrittweise zurückziehen.

Ist das Ende Ihrer Zeit als Direktor nach 14 Jahren schon präsent?

Pfenniger: Ja, durchaus. Wie gestalte ich die Übergabe? Was hält meine Frau davon, dass ich öfters zu Hause sein werde? Mit solchen Fragen befasse ich mich.

Was hält denn Ihre Frau davon?

Pfenniger: Sie findet es gut. Wir sind ja schon seit 39 Jahren verheiratet. Ich freue mich auf mehr Zeit mit der Familie, mit den vier Enkelkindern. Als CEO der Rigi-Bahnen habe ich permanent Termine.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag denn aus?

Pfenniger: Pro Woche arbeite ich 50 bis 65 Stunden, mit vier, fünf Terminen pro Tag. Dazu zählen immer öfter auch Anlässe, an denen ich Repräsentationspflichten wahrnehme. Der Kampf mit der Regulierung beschäftigt uns stark, er verhindert zunehmend die kreative Arbeit.

Was sprechen Sie konkret an?

Pfenniger: Es gibt immer mehr Gesetze, Regulierungen und Auflagen zur Sicherheit, die zu absurden Einschränkungen und unsinnigen Kosten führen. Das Bundesamt für Verkehr scannt unsere Abteilungen jährlich, früher geschah dies im Mehrjahrestakt. Der administrative Aufwand ist grenzwertig hoch, fast jeder Arbeitsschritt muss dokumentiert werden.

Wie wurde eigentlich aus einem Lehrling der Elektronikgerätemechanik Jahre später der CEO der Rigi-Bahnen?

Pfenniger: Indem er Elektrotechnik studierte und ein Nachdiplomstudium in Unternehmensführung absolvierte. Nach drei Jahren in der Rüstungs- und sieben Jahren in der Textilmaschinenindustrie kam ich auf Bitten eines Freundes als technischer Leiter zu den Rigi-Bahnen. Ich blieb hängen, nunmehr seit 29 Jahren. Das Unternehmen war kein gemachtes Nest, das war interessant. So entwickelte ich 1999 mit einem Industriepartner ein Patent für eine Zahnstangenweiche, die heute erfolgreich in Betrieb ist.

Sie kamen also von der technischen Seite in Ihre jetzige Führungsfunktion.

Pfenniger: Ja, und das ist mir zuweilen vorgeworfen worden. Dass ich zu wenig Finanz-Know-how mitbringe.

Was halten Sie davon?

Pfenniger: Damit kann ich gut leben, weil die Rigi-Bahnen finanziell noch nie so stark waren wie heute. Learning by doing hat bei mir einen grossen Stellenwert. Wissen eignete ich mir auch durch Literatur und jahrelange Erfahrung an.

Welche Art Chef sind Sie?

Pfenniger: (schmunzelt) Ich bin keiner, der die Angestellten während des ganzen Tages begleitet. Sie müssen ihre Arbeiten möglichst selbstständig ausführen, ich mag nicht zu stark führen. Dazu wäre ich zu wenig konsequent, zu wenig hart. Wenn ein Mitarbeiter mal einen Fehler macht, bin ich tolerant.

Spürten Sie früh, dass Sie das Zeug für eine Führungsfunktion haben?

Pfenniger: Wenn fünf Leute in einem Raum sind, heisst es am Ende: mach du! Das war immer so. Vielleicht kann ich nicht Nein sagen (lacht), ich sehe mich grundsätzlich aber als Macher. Ich brauche keine 110-prozentige Sicherheit, um etwas durchzuziehen, mir reichen 80 Prozent. Ich bekomme Vögel, wenn an einer Sitzung während einer Minute keiner mehr etwas sagt. Dann kann ich emotional und ungeduldig werden.

Erläutern Sie das genauer, bitte.

Pfenniger: Mir passt es nicht, wenn man nicht vorwärtskommt. Auf der Suche nach Lösungen habe ich folgendes Prinzip: Was würde ich tun, wenn da nur eine grüne Wiese wäre? Wenn es die Rigi-Bahnen noch nicht gäbe? Ich lasse mich nicht schon in der Theorie von bestehenden Umständen verbiegen.

Wie kann das in der Praxis aussehen?

Pfenniger: Wir waren lange nur auf die Kosten fokussiert, das war natürlich auch wichtig. Allerdings waren wir immer zu ertragsschwach. Meinem Kollegen Bruno Sturzenegger und mir gelang es, dem Verwaltungsrat den Beitritt zum Generalabonnement schmackhaft zu machen – seit 2010 gilt es auf unseren Bahnen. Das war ein sehr grosses Risiko. Nun zeigt sich: Das GA sorgt dank Geldern aus dem GA-Verteiltopf für einen Schub auf der Ertragsseite, für viel positives Feedback bei den Kunden. Eine Frau sagte mir, sie könnte mich dafür umarmen.

Was antworteten Sie?

Pfenniger: Nur zu! (lacht)

Worauf sind Sie sonst noch stolz?

Pfenniger: Auf den Mut, den asiatischen Markt zu bearbeiten. Seit einem Jahr zieht es mit der Kundschaft aus China und Korea richtig an. Diese Reisegruppen gehen auch auf die Rigi, wenn das Wetter nicht schön ist – im Gegensatz zum Schweizer. Darum geht es in meiner Arbeit, denn bei Sonnenschein ist die Rigi ein Selbstläufer. Wichtig war auch die Einführung des Stundentaktes im Fahrplan Vitznau–Rigi sowie die Gründung der Rigi Plus AG, in welcher wir alle wichtigen Player auf der Rigi vereinen.

Welche strategischen Ziele prägen die Zukunft der Rigi-Bahnen?

Pfenniger: Bisher lag der Fokus auf dem Bahnbetrieb. Nun müssen wir zu einem gästeorientierten Tourismusunternehmen werden. Es stehen Investitionen für neue Angebote und Infrastruktur im Bereich von 100 Millionen Franken an. Merchandising, Restauration, Hotellerie – hier haben wir grosses Potenzial.

Und welche Ziele haben Sie privat?

Pfenniger: Mehr Zeit für die Familie haben. Im Ferienhaus auf der Rigi, zum Beispiel. Und häufiger aufs Mountainbike steigen.