Projektabschluss
Engagement für das Zusammenleben: Zwölf Luzerner Gemeinden machten gemeinsame Sache

Gemeinden der Region Sursee-Mittelland wurden in unterschiedlichsten Bereichen aktiv, um das Gemeindeleben zu stärken. Das Projekt «Periurban» zieht nach fünf Jahren Bilanz.

Salome Erni
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Das schnelle Wachstum in der Region Sursee ist eine grosse Herausforderung für die dortigen Gemeinden. Das weiss Fanny Nüssli bestens. Sie ist Teilprojektleiterin des Projekts «Landschaf(f)t Zusammenleben». Auf Anfrage sagt sie: «Ganze Quartiere und neue Ortsteile werden gebaut. Dies löst bei der ansässigen Bevölkerung Befürchtungen aus.» In der Stadt gibt es gemäss Nüssli professionelle Angebote für die Gestaltung des Zusammenlebens, auf dem Land sei dies vor allem Sache des zivilgesellschaftlichen Engagements.

Nüssli sagt, es sei wichtig, dass sich deshalb möglichst viele – auch neu Zugezogene – am Gemeindeleben beteiligen. Aus diesem Grund entschloss sich die Geschäftsstelle Sursee-Mittelland des Regionalen Entwicklungsträgers (RET) für die Teilnahme an «Periurban». Dieses Projekt der Eidgenössischen Migrationskommission (EKM) soll Gemeinden im ländlichen Raum bei der Integrationsförderung sowohl finanziell als auch mit einem Netzwerk unterstützen.

Finanzielle Unterstützung für Projekte

Der Integrationsgarten in Triengen war ein Projekt, das im Zusammenhang mit «Periurban» entstand.

Der Integrationsgarten in Triengen war ein Projekt, das im Zusammenhang mit «Periurban» entstand.

Bild: PD/Samuel Erni

In diesem Rahmen kam das Projekt «Landschaf(f)t Zusammenleben» in Gang und fand nach fünf Jahren am Mittwoch in Sursee mit einer Präsentation seinen Abschluss. Das Ziel war, das Zusammenleben in den zwölf beteiligten Gemeinden Triengen, Büron, Geuensee, Schenkon, Oberkirch, Knutwil, Nottwil, Mauensee, Beromünster, Sursee, Wauwil und Nebikon zu fördern.

So setzten sich einmal jährlich die Freiwilligen und Organisationen in den Gemeinden, «die aktiven Kräfte», wie sich Nüssli ausdrückt, gemeinsam mit Behördenvertretern aus der ganzen Region für einen Erfahrungsaustausch an den Tisch. Die finanziellen Mittel für die lancierten Projekte stammten zur Hälfte vom Bund, zu einem Viertel vom Kanton und zu einem Viertel vom RET und den Gemeinden.

Gemeinsam radeln in Büron

Büron war eine der beteiligten Gemeinden und engagierte sich in den Teilbereichen Integration und Freiwilligenarbeit. Der involvierte Gemeinderat Giovanni De Rosa (FDP) zieht ein durchzogenes Fazit. Auf der einen Seite habe die Gemeinde Büron zuvor kaum über Strukturen zur Integration verfügt und dadurch sehr vom Austausch mit den anderen Gemeinden profitiert. Von Freiwilligen seien mit der Unterstützung von «Periurban» wertvolle Projekte initiiert worden. «Highlights waren die Durchführung des Velokurses für Flüchtlinge und Migranten sowie ein interkulturelles Kochprojekt», sagt De Rosa rückblickend.

Die Velogruppe aus Büron war ein Projekt im Rahmen von «Periurban».

Die Velogruppe aus Büron war ein Projekt im Rahmen von «Periurban».

Bild: PD

Andererseits habe Büron mit Startschwierigkeiten beim Motivieren von Freiwilligen gekämpft, so De Rosa. Doch obwohl nach zwei Aufrufen immer mehr Projektgruppen zusammenfanden und das Engagement Fahrt aufnahm, waren die Hindernisse nicht überwunden. So sei es schwierig gewesen, Migrantinnen und Migranten zum Mitmachen zu bewegen. Nach und nach seien die zuvor enthusiastischen Gruppen dann wegen mangelnder Nachfrage wieder auseinandergegangen. Einige gäbe es zwar noch, aber die seien gemäss De Rosa im «Stand-by-Modus». Längerfristig profitiere Büron also weniger von den Projekten selbst als von den Netzwerken und Erfahrungen, die dabei entstanden, so der Gemeinderat.

Mehr Knutwiler Freiwillige während der Pandemie

Auch die Nachbargemeinde Knutwil nahm am Programm teil. Sozialvorsteherin Martha Roos (CVP) erzählt, dass die Freiwilligenarbeit besonders während der Pandemie an Dynamik aufnahm, denn ihre Gemeinde fokussierte sich innerhalb von «Landschaf(f)t Zusammenleben» besonders auf ältere Menschen.

Für Roos war «Periurban» ein Erfolg, denn dadurch habe die Freiwilligenarbeit auch in der Politik mehr Beachtung gefunden. Ausserdem entstand in diesem Rahmen gemeinsam mit der Stadt Sursee jüngst eine Plattform, um Freiwillige miteinander zu vernetzen. Denn Roos stellte fest: «Die Menschen wollen sich nicht mehr binden und in einem Verein mitwirken. Eine solche Plattform kommt dem Wunsch nach flexiblem und kurzfristigem Engagement eher nach.»

In Beromünster werden Projekte weitergeführt

Infotafeln bei den Grillstellen sollen in Beromünster die Verbindung zwischen den Ortsteilen stärken.

Infotafeln bei den Grillstellen sollen in Beromünster die Verbindung zwischen den Ortsteilen stärken.

Bild: Felix Mathias

Die fusionierte Gemeinde Beromünster investierte in die «gelebte Kultur». Mit öffentlichen Grillstellen in allen vier Ortsteilen, sogenannten Begegnungsplätzen, solle das Verbindende gestärkt werden, so Jörg Baumann vom Ortsmarketing Beromünster. Weiter wurde die Gemeinde mit frühsprachlicher Förderung aktiv, einige der Projekte kommen erst noch ins Rollen, so beispielsweise eine Kulturkommission. Ob sich «Periurban» nachhaltig auswirken wird? «Absolut!», ist sich Baumann sicher.

Um dies auch auf regionaler Ebene zu bewirken, überführt der RET das Projekt «Landschaf(f)t Zusammenleben» nach Beendigung von «Periurban» in eine Kommission für Gesellschaft und Zusammenleben. Diese wird unter der Führung von Priska Häfliger, Sozialvorsteherin von Mauensee und CVP-Kantonsrätin, im November ihre Arbeit aufnehmen.

Das abgeschlossene Projekt «Landschaf(f)t Zusammenleben» stellt sich im Video vor.

Video: PD