Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Warum Perlen für Dubai ein Vorbild ist

Die Verantwortlichen der Renergia «schleusen» nonstop Behörden-Delegationen aus aller Welt durch ihre Verbrennungsanlage in Perlen, die auch ein Kraftwerk ist. Manche interessieren sich allerdings für etwas ganz anderes.
Roman Hodel
Renergia-Geschäftsleiter Ruedi Kummer blickt in den Ofen der Renergia. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)

Renergia-Geschäftsleiter Ruedi Kummer blickt in den Ofen der Renergia. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)

Sie sieht von weitem ein bisschen wie ein futuristischer Ozeandampfer aus, durch ihre Form und die beiden Kamine in der Mitte: Die Kehrichtverbrennungsanlage der Renergia Zentralschweiz AG in Perlen. Hier wird der Güsel aus der ganzen Zentralschweiz verbrannt – im Gegenzug versorgt die Anlage, die auch ein Kraftwerk ist, die benachbarte «Perlen Papier» mit Dampf für deren Papierproduktion, liefert Warmwasser für das Fernwärmenetz und produziert Strom für Tausende Haushalte.

Dreieinhalb Jahre nach der Betriebsaufnahme ist die Anlage «eine Erfolgsgeschichte», wie Renergia-Geschäftsleiter Ruedi Kummer am Montag auf einem Rundgang sagte. So sehr, dass man «nonstop» Delegationen aus aller Welt durch die Kommandozentrale, am Bunker und an den Öfen vorbeischleust. Gerade in Grossstädten stossen Deponien, die mitunter so gross sind wie der Bodensee, an ihre Grenzen.

Ein Iraner wollte die Anlage 1:1 kaufen

In Moskau, Sidney, Istanbul oder Dubai werden nun Anlagen gebaut, die laut Kummer «plus minus» dem Renergia-Konzept entsprechen. Moskau beispielsweise realisiert gleich fünf Anlagen mit einer Jahreskapazität von je 850000 Tonnen verbranntem Abfall. Oder Dubai gar eine auf 1,8 Millionen Tonnen ausgelegte Anlage. Zum Vergleich: Die Renergia Perlen verfügt über eine Kapazität von 240000 Tonnen. «Selbstverständlich wird jene in Dubai kein Fernwärmenetz speisen», sagte Kummer schmunzelnd mit einem Blick auf die dortigen Temperaturen. «Dafür wird sie viel Strom produzieren.»

Die Kehrichtverbrennungsanlage Renergia. (Keystone, Urs Flüeler / Perlen, 28. Mai 2018)
Hier liefert ein Lastwagen den Güsel an. (Keystone, Urs Flüeler / Perlen, 28. Mai 2018)
Blick in den Kommandoraum - er ist 24 Stunden besetzt, denn der Betrieb läuft rund um die Uhr. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)
Erste Station des Abfalls ist der Bunker, wo mehrere Kräne im Einsatz sind. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)
Auch über dem Bunker wimmelt es nochmals von Bildschirmen. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)
Renergia-Geschäftsleiter Ruedi Kummer blickt durch ein Fenster in den Ofen. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)
Hier wird dem Güsel der Garaus gemacht. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018))
Allerdings: Im Ofen wird nicht alles verbrannt. Die auffälligsten Stücke hat die Renergia für Besucherrundgänge gesammelt und ausserhalb des Gebäudes drapiert. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)
Im Maschinenhaus produzieren Turbinen Strom. (Bild: Roger Grütter / Perlen, 28. Mai 2018)
9 Bilder

Hier werden jährlich 240000 Tonnen Güsel verbrannt

Unterschiede gibt es bei den Besichtigungen aus dem Ausland schon. Manche Delegationen kämen gleich mit dem Umweltminister. «Andere hingegen interessieren sich mehr fürs Shoppen danach in Luzern», sagt Kummer. Und dann gibt es jene, die gleich Nägel mit Köpfen machen wollen. «Ein Iraner wollte sogar unsere Anlage kaufen.» Der Renergia-Geschäftsleiter musste ihn vertrösten – und an die bei der Planung der Renergia involvierten Büros vermitteln. «Ich selber habe ja keine Pläne.»

322 Gigawattstunden thermische Energie hat Renergia 2017 erzeugt. Dadurch wurden 35'400 Tonnen Heizöl eingespart.

Beachtung findet die Renergia aber nicht nur im Ausland: Pro Tag gibt es vier bis fünf Führungen – von Vereinen bis zu Schulklassen. «Wir mussten extra jemanden anstellen, der dies alles organisiert», sagt Kummer.

Vor allem schlägt sich der Erfolg der Renergia in Zahlen nieder: Mit 240000 Tonnen verbranntem Abfall war die Anlage im vergangenen Jahr bereits erstmals voll ausgelastet und am «technischen Limit» wie Kummer sagte. «Dass es so abgeht, war nicht zu erwarten.»

Kurzlebige Billig-Produkte lassen Abfallberg wachsen

Erklärungen dafür hat Kummer mehrere: «Ein Megatrend sind kurzlebige, billige Produkte von Schuhen über Möbel bis zu Spielzeugen – sie sorgen für mehr Abfall.» Dazu zählen selbst ausrangierte Haushaltgeräte, die zwar in die Verkaufsstellen zurückgebracht werden. Aber: «Nachdem die rezyklierbaren Teile ausgebaut sind, landen solche Sachen doch bei uns, weil sie hauptsächlich aus Plastik bestehen», sagte Kummer. Ein weiterer Abfallmengentreiber sei zudem das Bevölkerungswachstum durch die Zuwanderung.

169 Gigawattstunden Strom. hat Renergia 2017 produziert. Das reicht für zirka 38'000 Haushalte.

Auf Kurs ist die Renergia überdies mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes, das von EWL Luzern vermarktet wird. Ab Herbst 2018 soll eine neue, neun Kilometer lange Leitung mehrere Quartiere in Emmen und in der Stadt Luzern mit Fernwärme versorgen. Bereits angeschlossen sind diverse Quartiere in Root und Ebikon. Kummer: «Allerdings ist der Verkauf von Fernwärme zurzeit schwierig, weil der Öl- und Gaspreis tief ist.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.