PERLEN: Boom im Rontal geht weiter

Im Industriegebiet Perlen sollen 600 neue Arbeitsplätze entstehen. Doch im Rontal sorgt man sich: Kann die Autobahn mit der Entwicklung mithalten?

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So soll die Wohn- und Geschäftsüberbauung Reussperle dereinst aussehen. Der Baustart ist im Laufe des Jahres 2016 geplant. (Bild: Visualisierung PD)

So soll die Wohn- und Geschäftsüberbauung Reussperle dereinst aussehen. Der Baustart ist im Laufe des Jahres 2016 geplant. (Bild: Visualisierung PD)

Wer «Perlen» sagt, meint heute oft die in Perlen ansässige Papierfabrik. Doch das Gebiet an der Reuss befindet sich im Umbruch: Es steht heute auch für die Kehrichtverbrennungsanlage Renergia, die Anfang Jahr eröffnet wurde. Im Herbst wird der Grossverteiler Aldi seine neue, 157 300 Quadratmeter grosse Verteilzentrale in Betrieb nehmen. Der Autoimporteur Amag will bis frühestens Winter 2016/17 ein neues Garagen- und Fahrzeugcenter auf 22 300 Quadratmetern errichten und das Medizinaltechnikunternehmen Medela eine Produktionsstätte auf 52 600 Quadratmetern. Deren Planung liegt aber momentan auf Eis.

Gebiet gewinnt an Ausstrahlung

«Seit 2010 sind 200 neue Arbeitsplätze im Entwicklungsgebiet Perlen entstanden, 600 dürften in den nächsten Jahren hinzukommen», freut sich der Buchrainer Finanzchef Patrick Bieri (FDP). Dank der Konzerne gewinne das Entwicklungsgebiet an Ausstrahlung. Hinzu kämen kleinere und mittlere Betriebe. «Zählte das Gebiet 2008 7 Betriebe, so sind es heute 25», sagt Bieri. Die wirtschaftliche Entwicklung gehe mit einem Wohnungswachstum einher. So will die Immobilienfirma Alfred Müller AG mit der Überbauung Reussperle 67 Mietwohnungen und 8000 Quadratmeter Dienstleistungsfläche realisieren. Der Baustart für die erste Etappe soll 2016 erfolgen. Auch die Suva plant sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 100 Miet- und Eigentumswohnungen.

Ein wichtiger Grund für die rasante Entwicklung ist der Autobahnanschluss Buchrain, der 2011 eröffnet wurde. Doch mit dem Anschluss kamen neue Probleme. So gibt es zwischen Buchrain und der Verzweigung Rotsee an Werktagen praktisch allabendlich Stau und überdurchschnittlich viele Auffahrunfälle. Hinzu kommen Kapazitätsprobleme. Der Anschluss musste bereits zwei Jahre nach Eröffnung für 2 Millionen Franken ausgebaut werden, weil das Verkehrsaufkommen die Erwartungen überstieg. Doch die Verkehrsbelastung nimmt im boomenden Rontal weiter zu. Geri Fischer, Präsident des Gewerbevereins Buchrain-Perlen, meint: «Der Verkehr wird für die Bevölkerung und die Unternehmer immer mehr zum Problem.» Heute gebe es Richtung Luzern oft kein Durchkommen. «Früher war es der Gubrist, heute sind wir in Buchrain ebenso häufig in den Schlagzeilen.»

Fahrten ausserhalb der Stosszeiten

Gemeinderat Bieri meint: «Das Hauptproblem sind die Stosszeiten, diese gilt es zu entschärfen.» Die Lastwagen der KVA und von Aldi würden beispielsweise ausserhalb dieser Zeiten fahren. So hat die KVA lange Öffnungszeiten von 5 bis 22 Uhr. Ruedi Kummer, Geschäftsleiter der Renergia, sagt: «Unsere Lieferanten können die Stosszeiten vermeiden.» Dies funktioniere «relativ gut».

Die neuen Konzerne müssen ihren Mitarbeitern zudem ÖV-Vergünstigungen gewähren und den ÖV-Ausbau mitfinanzieren. «Der Gemeinderat setzt sich seit Jahren für die Verlängerung der Buslinie Luzern–Perlen nach Gisikon-Root Bahnhof ein», sagt Bieri. Sobald der erste Gestaltungsplan der Amag, der Medela oder der Überbauung Fahr realisiert sei, werde die neue Linie installiert.

Maximal 30 Wohnungen pro Jahr

Als weitere Verkehrsmassnahmen sieht der Gemeinderat reduzierte Parkiermöglichkeiten und eine Steuerung des Wohnungswachstums (maximal 30 bewilligte Wohnungen pro Jahr) vor. «Der Gemeinderat ist sich des Zielkonflikts Verkehr/Ansiedlungen voll bewusst», sagt Bieri. «Aber eine praktisch reine Wohngemeinde in der Agglomeration ist ohne wirtschaftliche Entwicklung nicht überlebensfähig.» Mitten durch Perlen führt die Gemeindegrenze zwischen Buchrain und Root. So stehen die Papierfabrik, die KVA und die im Bau befindliche Aldi-Zentrale auf Rooter Boden, während die Bauvorhaben von Amag, Suva und Medela auf dem Gemeindegebiet von Buchrain realisiert werden. In der Vergangenheit war man sich bezüglich der Verkehrsführung nicht immer einig. Die Hauptlast trägt heute Buchrain mit dem Autobahn­anschluss, ohne den die starke bauliche Entwicklung im Rontal vom Kanton nicht bewilligt worden wäre.

Heinz Schumacher, Gemeindepräsident von Root (FDP), sagt, seine Gemeinde sei dank des Anschlusses Buchrain vom schweren Verkehr aus Perlen befreit worden. Aber die Verkehrsüberlastung beim Anschluss Buchrain bereite auch ihm Sorgen. «Uns liegt daher viel an einer guten Zusammenarbeit mit Buchrain.»

Simon Bordier