PERLEN: Renergia: Das Feuer brennt

Seit Mittwoch lodert das Feuer in den Verbrennungsöfen der Renergia. Ab nun fahren täglich bis zu 80 Güsel-LKW nach Perlen. Das kostet nur halb so viel wie die Anlieferung per Bahn.

Drucken
Teilen
Sie zündeten gestern das Renergia-Feuer (oben von links): Ruedi Kummer (Gesamtprojektleiter), Franz-Xaver Muheim (Verwaltungsratspräsident Renergia AG), Martin Zumstein (Geschäftsleiter Real) und Jürg Meyer (Initiator der Renergia). (Bild: Boris Bürgisser)

Sie zündeten gestern das Renergia-Feuer (oben von links): Ruedi Kummer (Gesamtprojektleiter), Franz-Xaver Muheim (Verwaltungsratspräsident Renergia AG), Martin Zumstein (Geschäftsleiter Real) und Jürg Meyer (Initiator der Renergia). (Bild: Boris Bürgisser)

Sie zündeten am 7. Januar 2015 das Renergia-Feuer (von links): Ruedi Kummer (Gesamtprojektleiter), Franz-Xaver Muheim (Verwaltungsratspräsident Renergia AG), Martin Zumstein (Geschäftsleiter Real) und Jürg Meyer (Initiator der Renergia). (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
54 Bilder
Pro Jahr werden 200'000 Tonnen Güsel aus der Zentralschweiz angeliefert. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Ein Lastwagen lädt den Abfall ab. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Der Kran bringt den Abfall zum Verbrennungsofen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Abfall liegt zum Brennen bereit. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die Kommandozentrale in der neuen Kehrrichtverbrennungsanlage. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die ersten Lastwagen fahren vor. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Ein Lastwagen bei der Anfahrt. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Dezember 2014: Im September 2012 erfolgte der Spatenstich - jetzt ist die neue Abfallverbrennungsanlage betriebsbereit. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. Luftkondensatoren auf dem Dach der Anlage. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. Abfallanlieferung: Zu Testzwecken wurde vor Weihnachten bereits Abfall angeliefert. (Bild: Nadia Schärli)
Die fertig erstellte neue Kehrichtverbrennungsanlage im Dezember 2014. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. Der Kommandoraum. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. (Bild: Nadia Schärli)
Bild: Quelle: Renergia / Grafik: Martin Ludwig
Blick auf die KVA Renergia in Perlen am 22. Oktober 2014. (Bild: René Meier)
Der Fassadenbau ist einer der letzten Schritte vor der Inbetriebnahme. (Bild: Philipp Zurfluh)
Blick auf das Dach der Anlage. (Bild: Philipp Zurfluh)
Über diese roten Rohre wird der erzeugte Dampf in die Papierfabrik geliefert. (Bild: Philipp Zurfluh)
Die Aussenansicht des Kommandoraums. (Bild: Philipp Zurfluh)
Vom Kommandoraum wird der Ablauf der Kehrichtverbrennung gesteuert. (Bild: Philipp Zurfluh)
Mit dem Kehrichtkrahn wird der Abfall transportiert. (Bild: Philipp Zurfluh)
Blick auf die KVA Renergia in Perlen. (Bild: René Meier)
Dezember 2013 (Bild: Dominik Wunderli)
Dezember 2013 (Bild: Dominik Wunderli)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013: Einbau der Teile für den Verbrennungsofen (Bild: PD)
Dezember 2013: KVA in der Abenddämmerung (Bild: PD)
Dezember 2013: Einbau der Verfahrenstechnik (Bild: PD)
Dezember 2013: Einheben von Kesselteilen (Bild: PD)
Dezember 2013: Komponenten der Rauchgasreinigung werden eingehoben. (Bild: PD)
Für das Jahr 2014 stehen nun die weitere Montage der Verfahrenstechnik, der Stahlbau sowie die Fertigstellung des Dachs und der Fassaden auf dem Programm. (Bild: PD)
September 2013: Rundgang durch die Baustelle der KVA. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
13.9.2012: Spatenstich für die neue Kehrrichtverbrennungsanlage. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Längsschnitt der Verfahrenstechnik. (Bild: PD)
Bild: PD

Sie zündeten am 7. Januar 2015 das Renergia-Feuer (von links): Ruedi Kummer (Gesamtprojektleiter), Franz-Xaver Muheim (Verwaltungsratspräsident Renergia AG), Martin Zumstein (Geschäftsleiter Real) und Jürg Meyer (Initiator der Renergia). (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Der ehemalige Platz des Kranführer in der Kehrrichtverbrennungsanlage im Ibach. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
9 Bilder
Kaminfeger Manuel Bürkli reinigt den bereits abgestellten Ofen mit dem Hochdruckreiniger. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die alte Kommandozentrale in der Kehrrichtverbrennungsanlage Ibach. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Kaminfeger Dirk Feierabend reinigt den bereits abgestellten Ofen. In der KVA Ibach gegen bald das Feuer ganz aus. Noch sind von den drei Verbrennungsöfen zwei in Betrieb. Neuer Abfall wird keiner mehr angeliefert. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die KVA Ibach im Jahr 2010. (Bild: zvg / Aura)
Die KVA Ibach im Jahr 1970. (Bild: zvg / Hans Luternauer)
Die Kehrrichtverbrennungsanlage Ibach stellt den Betrieb ein. (Bild: zvg / Aura)
Die Kamine der Verbrennungsanlage Ibach. (Archivbild Pius Amrein / Neue LZ)
Die Kehrrichtverbrennungsanlage Ibach, im Hintergrund wird an der heutigen A2 gebaut. (Bild: Hanspeter Luternauer)

Der ehemalige Platz des Kranführer in der Kehrrichtverbrennungsanlage im Ibach. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Jetzt ist es so weit: Gestern um 10 Uhr wurde das Feuer in der neuen Abfallverbrennungsanlage Renergia in Perlen angezündet. Damit ist der Startschuss für die Inbetriebnahme gefallen. Im September 2012 wurde mit dem Bau gestartet, nun läuft die Anlage. «Es ist unglaublich, in welcher Zeit dieser Bau möglich war», bilanziert ein stolzer Jürg Meyer, ehemaliger Geschäftsleiter des Abfallverbands Real und eigentlicher Gründungsvater der Renergia.

320 Millionen Franken teurer Bau

Der Bau in Perlen ist 190 Meter lang, 60 Meter breit und 45 Meter hoch. 320 Millionen Franken hat er gekostet. Die Renergia ist nicht nur eine Kehrichtverbrennungsanlage, sondern auch ein Kraftwerk. Durch die Verbrennung des Abfalls wird Dampf produziert, der eine Turbine antreibt. Der angeschlossene Generator erzeugt ungefähr 155 Gigawattstunden Strom pro Jahr (siehe Grafik). Das ist genug, um den Bedarf von rund 38 000 Haushalten zu decken. Die bei der Verbrennung entstehende Wärme wird ausserdem zur benachbarten Papierfabrik geliefert. Diese kann damit jährlich rund 40 Millionen Liter Heizöl einsparen. Die Kehrichtverbrennungsanlage ist ein Gemeinschaftsprojekt der acht Zentralschweizer Abfallverbände: Dabei sind die drei Verbände im Kanton Luzern sowie je ein Verband der fünf anderen Zentralschweizer Kantone. Nicht mit dabei ist ein Teil des Kantons Schwyz: Die Ausserschwyzer Gemeinden entsorgen ihren Abfall auch künftig im Kanton Glarus.

«Ganze Zentralschweiz im Boot»

Bisher wurde der Abfall aus Zug in Winterthur, derjenige des Kantons Schwyz in Glarus und derjenige aus dem Kanton Uri in Horgen ZH verbrannt. Der Kehricht aus der Luzerner Landschaft wurde bis anhin ebenso wie derjenige aus Ob- und Nidwalden in Oftringen AG verbrannt. «Die grosse Leistung ist neben dem Bau, dass wir es geschafft haben, die ganze Zentralschweiz mit ins Boot zu holen», sagt Real-Geschäftsleiter Martin Zumstein. Bereits seit Dezember wird der Abfall aus der Region Luzern und dem Entlebuch nach Perlen geliefert. Der Abfall aus den anderen Abfallverbänden kommt in den nächsten Monaten sukzessive hinzu. Heute soll übrigens die KVA Ibach ganz abgeschaltet werden. Dort wurde der Abfall aus der Region Luzern und dem Entlebuch bisher verbrannt.

LKW fahren direkt nach Perlen

Wie wird der Abfall aus allen Teilen der Zentralschweiz nun angeliefert? Trotz Bahnanschluss nicht mit dem Zug, sagt Zumstein. «Für die kurzen Strecken wäre der grössere Aufwand weder ökologisch noch ökonomisch zu rechtfertigen.» Ähnlich klingt es beim Zuger Verband Zeba, der den Abfall bisher per Bahn nach Winterthur transportierte. Hans Ulrich Schwarzenbach, Geschäftsführer der Zeba, sagt: «Per Zug wäre der Transport nach Perlen wegen des Aufwands etwa doppelt so teuer.» Daher fahren bei Volllastbetrieb täglich 60 bis 80 Lastwagen in die Renergia. Meist handelt es sich hierbei um die gewöhnlichen Abfallwagen, die direkt von der Sammeltour kommen. Der Abfall aus den Einzugsgebieten der Real (Region Luzern), der Gall (Region Luzern-Landschaft) und aus Zug wird auf direktem Weg mit den Güselwagen zur Renergia gebracht. «In dieser kurzen Distanz ist es effizienter, wenn die Abfallwagen direkt zu der Renergia fahren», sagt Zumstein. Einzig der Abfall aus dem Entlebuch, aus Uri, Schwyz und Teilen von Ob- und Nidwalden wird zuerst in Depots gelagert und dann in grösseren Lastwagen nach Perlen transportiert. Nachteile gebe es für die Verbände fast keine, findet Renergia-Gesamtprojektleiter Ruedi Kummer. «Andernfalls hätten wir das Projekt den Verbänden nicht verkaufen können.»

Die Verbände sind jetzt Eigentümer

Allerdings mussten die acht Verbände zusammen mit der Papierfabrik das Aktienkapital von insgesamt 100 Millionen Franken aufbringen. Dafür sind die Abfallverbände nun Eigentümer der Anlage. Zudem profitieren die Konsumenten teils von tieferen Abfallgebühren (siehe Kasten oben). Dank der hohen Abfallmengen könnten Kosten gespart werden, begründet Martin Zumstein. Durch die Nutzung der Energie würden zudem weitere Einnahmen generiert, so Zumstein.

Gebühren sinken

Die Kosten für die acht Zentralschweizer Abfallverbände sinken durch die neue Anlage. Einige geben die Einsparung an die Konsumenten weiter.

  • Luzern Landschaft: 2016 sollen die Preise gesenkt werden. Das soll an der Delegiertenversammlung der Gall beantragt werden. Aktuell kostet ein 35-Liter-Sack 1.85 Franken.
  • Zug: Ab 2016 wird der 35-Liter-Sack noch 2.50 Franken kosten, bisher zahlte man 2.90 Franken.
  • Region Innerschwyz: Bereits seit dem 1. Januar 2015 kostet ein 35-Liter-Sack statt 2.17 Franken noch 2 Franken.
  • In der Region Luzern (Real-Gemeinden) bleiben die Gebühren vorerst gleich, da sie bereits tief sind. Ein 35-Liter-Sack kostet somit immer noch 1.70 Franken.

Raphael Gutzwiler

So funktioniert die Renergia in Perlen. (Bild: Grafik Neue LZ)

So funktioniert die Renergia in Perlen. (Bild: Grafik Neue LZ)