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PERSONALMANGEL: Hoffnung liegt beim Pflegenachwuchs

Die Zahl der Lehrlinge im Pflegeberuf steigt stetig. Kann der anhaltende Trend den Mangel an diplomierten Pflegefachkräften entschärfen?
Yasmin Kunz
Cincia Bolzern betreut Seniorin Trudi Meier im Luzerner Betagtenzentrum Viva Dreilinden. Bolzern absolviert eine Lehre zur Fachfrau Gesundheit. (Bild Pius Amrein)

Cincia Bolzern betreut Seniorin Trudi Meier im Luzerner Betagtenzentrum Viva Dreilinden. Bolzern absolviert eine Lehre zur Fachfrau Gesundheit. (Bild Pius Amrein)

Yasmin Kunz

Der Mangel an diplomiertem Pflegepersonal – insbesondere in Alters- und Pflegeheimen – spitzt sich zu. Das wirkt sich negativ auf die Arbeitsqualität aus und kann auch für die Pflegebedürftigen verheerende Folgen haben, etwa wenn sie dadurch falsche Medikamente erhalten (Ausgabe von gestern). Ein anderes, erfreuliches Bild zeigt sich gemäss den neusten Zahlen von Statistik Luzern (Lustat) beim Nachwuchs für die dreijährige Berufslehre Fachfrau/-mann Gesundheit, kurz FaGe. Im Jahr 2010 haben im Kanton Luzern 193 Jugendliche die FaGe-Lehre in einem Spital, einer Spitex oder einem Alters- und Pflegeheim gestartet. Im vergangenen Jahr waren es 278 – ein Anstieg von etwas mehr als 30 Prozent (siehe Grafik).

Jährlich eine Klasse zusätzlich

Angelica Ferroni, Rektorin des Berufsbildungszentrums für Gesundheit und Soziales (BBZG), sagt, dass man praktisch jedes Jahr eine Klasse, manchmal gar zwei Klassen zusätzlich führen müsse. Sie ist erfreut über die steigende Zahl der Lehrlinge: «Anfänglich wurde diese Lehre harsch kritisiert. Dass sie jetzt nach mehr als zehn Jahren schweizweit auf Platz drei der beliebtesten Berufslehren steht, bestätigt, dass das duale System auch im Pflegebereich sinnvoll ist.» Die Lehre zur Fachangestellten Gesundheit gibt es seit 2002. Ob diese Lehre immer die erste Wahl von Schulabgängern ist, kann Ferroni nicht beurteilen. Aber: «Wir haben sehr wenig Aussteiger. Das würde dafür sprechen, dass die meisten diese Lehre machen wollen.»

Auch Tobias Lengen, Geschäftsführer der Zentralschweizer Interessengemeinschaft Gesundheitsberufe (Zigg), erinnert sich an die anfängliche Skepsis gegenüber der FaGe-Berufslehre. «Es wurde, vor allem aus eigenen Reihen, kritisiert, dass Lernende zu jung seien für den Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen.» Mittlerweile sei diese Lehre aber eine Erfolgsstory. Gründe für die Beliebtheit gibt es laut Lengen mehrere: «Ausgebildete Fachangestellte Gesundheit sind gesuchte Arbeitnehmer, haben gute Weiterbildungsmöglichkeiten und arbeiten mit und an dem Menschen – viele Jugendliche legen heute Wert auf eine sinnvolle Tätigkeit.» Ausserdem biete man seit 2011 auch eine Attestlehre Assistent/-in Gesundheit und Soziales an. «Auch da steigen die Zahlen der Lernenden jährlich an», so Lengen. Entschieden sich im Jahr 2012 in den sechs Zentralschweizer Kantonen noch 51 Lernende für die Ausbildung, gab es 2015 bereits 87 Neueintritte. Nach erfolgreichem Abschluss der Attestlehre können Lernende ins zweite Jahr der FaGe-Grundbildung wechseln.

Bonus-Malus-System funktioniert

Seit Anfang 2014 müssen Betriebe wie Spitex-Organisationen und Alters- und Pflegeheime, die weniger Nachwuchs ausbilden, als sie selber brauchen, eine Strafe bezahlen. Jene, die ihr Ausbildungssoll übertreffen, erhalten Geld. Lengen bestätigt, dass das am 1. Januar 2014 von Kanton und Gemeinden eingeführte Bonus-Malus-System wohl ebenfalls dazu beigetragen hat, dass die Zahl der Lehrlinge im Gesundheitswesen weiter zugenommen hat. Zu mehr Popularität haben dem Beruf zudem die Berufsmeisterschaften Swiss- und World-Skills verholfen. Rektorin Ferroni sagt: «An diesen Meisterschaften sieht man den facettenreichen Alltag, der ein Beruf in der Pflege mit sich bringt.»

Zwei Drittel wollen auch Diplom

An Lehrabgängern in der Gesundheitsbranche fehlt es also nicht. Die Schwierigkeit liegt bei den Abgängern der Höheren Fachschule (HF). Gemäss Tobias Lengen vom Zigg dürfte sich die Situation bald entschärfen. Grund: Rund zwei Drittel der FaGe machen die zweijährige HF-Weiterbildung zur diplomierten Pflegefachfrau/-mann. Die steigenden Zahlen der Berufslehrabgänger dürften sich demnach bald auch bei den HF-Absolventen widerspiegeln.

Um den Mangel an diplomiertem Pflegefachpersonal zu entschärfen, stünden auch die Arbeitgeber in der Pflicht, sagt Roger Wicki, Präsident des Luzerner Verbands Curaviva für Heime und Institutionen: «Die Arbeitgeber müssen attraktive Arbeitsplätze schaffen.» Damit meint er das Arbeitsklima, gute Rahmenbedingungen sowie Entwicklungsmöglichkeiten. Weiter sei es wichtig, «dass die Aufgaben, Verantwortungen und Kompetenzen der Pflegefachkräfte klar geregelt sind». Ausserdem habe man auch punkto Lohn etwas Spielraum. Wicki erklärt: «Gemäss Lohnempfehlung des Arbeitgeberverbandes Zigg erhält eine FaGe-Abgängerin, sei es im Spital, bei der Spitex und im Pflegeheim, zwischen 4000 und 4300 Franken.» Eine HF-Abgängerin verdient zu Beginn monatlich zwischen 5000 und 5350 Franken.

Martin Wyss, Geschäftsstellenleiter vom Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), schreibt als Reaktion auf unsere gestrige Berichterstattung: «Der Kern für das Problem des Fachkräftemangels liegt bei den schlechten Rahmenbedingungen und den zu tiefen Löhnen.» Weiter erklärt Wyss auf Anfrage, dass der Personalmangel bei Diplomierten mit mehr Berufslehre-Absolventen nicht gelöst sei. «Wir müssen vor allen die Berufsverweildauer verlängern können.» Er macht ein Beispiel: «Wenn jede Berufskraft im Durchschnitt statt sieben acht Jahre im Beruf bleibt, muss man über 10 Prozent weniger Nachwuchs rekrutieren.» Er schlägt deshalb neben den längst fälligen Lohnanpassungen vor, die Arbeitszeiten planbarer zu gestalten und betriebsinterne Krippen zu bieten, «damit Familie und Beruf besser vereinbart werden können». Denn so würden auch Frauen – die das Gros der Berufsgruppe ausmachen – länger in dem Beruf arbeiten.

Es braucht mehr Männer

Sowohl Tobias Lengen vom Zigg als auch Curaviva-Präsident Roger Wicki sehen in der Verweildauer das Hauptproblem. Wicki sagt: «Es muss gelingen, mehr Männer für den Pflegeberuf zu gewinnen. Sie bringen eine andere Dynamik ins Team und könnten auch für männliche Heimbewohner eine wichtige Beziehungsperson sein.» Darüber hinaus würden in der Regel keine längeren Berufspausen gemacht.

Laut Tobias Lengen hat der geringe Männeranteil in der Pflege damit zu tun, dass das Image des Berufs weiter ausbaufähig sei. «Es gibt auch fast keine männlichen Vorbilder.» An Ausstellungen wie etwa der Berufsbildungsmesse Zebi müsse der Beruf auch den Männern schmackhaft gemacht werden.

Bild: Quelle Lustat Statistik Luzern

Bild: Quelle Lustat Statistik Luzern

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