Personalsorgen beim Forensischen Dienst: Luzerner Psychiatrie verliert vier Ärzte

Beim Forensischen Dienst in Kriens stehen die Zeichen auf Umbruch: Das ganze Ärzteteam verlässt die Praxis.

Evelyne Fischer
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Der Forensische Dienst der Luzerner Psychiatrie (Lups) ist derzeit mit vielen Personalabgängen konfrontiert: Bei der Praxis in Kriens sind zwei Arztstellen vakant und per Ende März werden zwei weitere frei. Insgesamt ist der Forensische Dienst mit 7,4 Vollzeitstellen bestückt, davon vier Ärzte, zwei Psychologen. Die Forensik unterstützt Justizbehörden bei der Beurteilung von psychisch kranken Straftätern und übernimmt deren Behandlung und Betreuung.

Forensiker Shlemen Hanno öffnet im April eine Gemeinschaftspraxis in der Stadt Luzern.

Forensiker Shlemen Hanno öffnet im April eine Gemeinschaftspraxis in der Stadt Luzern.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Mai 2016)

Der leitende Arzt, Shlemen Hanno, hat im September seine Kündigung eingereicht und eröffnet per April eine eigene Gemeinschaftspraxis in der Stadt Luzern. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Hanno:

«Der Schritt in die Selbstständigkeit hat mich gereizt.» 

Ihm zur Seite stehen wird Romilda Nellen, derzeitige Oberärztin seines Teams. Unterstützt wird dieses an mindestens einem Tag von einem Facharzt für Psychiatrie, der zuvor auch in Kriens in einem Teilzeitpensum beschäftigt war. «Dieser Kollege hat nach Bekanntgabe meines Weggangs ebenfalls gekündigt.»

Der andere Kollege, ein Arzt auf dem Weg zur Facharztweiterbildung, pendelte laut Hanno aus dem Raum Zürich nach Kriens und wollte aufgrund der Ausbildung in ein allgemeinpsychiatrisches Ambulatorium wechseln.

Als Gutachter für Luzerner Justiz tätig

Shlemen Hanno ist im Auftrag der Luzerner Staatsanwaltschaft und der Gerichte als Gutachter tätig. Er sagt:

«Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft von den Justizbehörden berücksichtigt werden.»

Romilda Nellen und er hätten «weiterhin grosse Freude an unserer Tätigkeit und stehen der Region fachlich zur Verfügung». Eine weitere Zusammenarbeit mit der Luzerner Psychiatrie könne er sich zurzeit «ausschliesslich als selbstständiger, unabhängiger, forensischer Psychiater» vorstellen. Er verlasse die Luzerner Psychiatrie aber «mit guten Gefühlen».

Die Luzerner Psychiatrie nennt den Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung als Grund für die Kündigungen. Unstimmigkeiten habe es keine gegeben. Die Abgänge führen nun zu einem Personalengpass. Weshalb gelang es trotz reichlich Vorlauf nicht, die Stellen zu besetzen? «Der Fachkräftemangel in der institutionellen Psychiatrie ist ein allgemeines Problem», sagt Thomas Lemp, Leiter der Human Resources bei der Lups. In einem Spezialbereich wie der Forensik akzentuiere sich dies besonders.

Psychiatrie engagiert externen Partner

Zur Überbrückung führte die Luzerner Psychiatrie Gespräche mit der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Laut Thomas Lemp wurde per 1. April eine Vereinbarung für eine Kooperation abgeschlossen.

Lemp betont, innerhalb der Luzerner Psychiatrie sei die Forensik ein eigener, spezialisierter Bereich und tangiere die allgemeinpsychiatrische Grundversorgung nicht. «Auch der heutige Standort im Schappe-Center bleibt erhalten. Das Mietverhältnis wird in unveränderter Form weitergeführt.»

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