Peter Schilliger brachte seine FDP auf Doris Leuthards Energie-Kurs

Abgewählt: Peter Schilliger hat sich im Nationalrat als Energie-Fachmann stark engagiert. Nun bleibt dem abgewählten FDP-Politiker mehr Zeit, die eigenen Batterien aufzuladen.

Lukas Nussbaumer
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Gemeinderat, Kantonsrat, FDP-Kantonalpräsident, Nationalrat, zeitweise im Doppelpack. Peter Schilliger hat als Politiker ein enormes Pensum geleistet – neben seiner Tätigkeit als Unternehmer und den Mitgliedschaften in Verbänden und Vereinen (siehe Kasten am Ende des Textes). Nun fällt ein – mindestens – Halbtages-Job weg: Der 60-jährige Udligenswiler schaffte die Wiederwahl in den Nationalrat am 20. Oktober nicht, weil seine Partei überraschend ihren zweiten Sitz verlor.

Der abgewählte Nationalrat Peter Schilliger (FDP) gibt am 20. Oktober 2019 im Luzerner Regierungsgebäude Interviews.

Der abgewählte Nationalrat Peter Schilliger (FDP) gibt am 20. Oktober 2019 im Luzerner Regierungsgebäude Interviews.

Philipp Schmidli

Der noch bis im Mai wegen einer Sehnenoperation an der Schulter rekonvaleszente, begeisterte Tennisspieler freut sich auf die neu gewonnene Freiheit. Darauf, mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können. Auf Reisen in wenig bekannte Länder wie Armenien oder Georgien, auf mehr Sport.

Definitiver Abschied von der Politik? Ein Türspalt bleibt offen

Der Mann, der von sich sagt, stets chancenorientiert durchs Leben zu gehen, wird die Bundespolitik aber auch vermissen. «Es war befriedigend, Einfluss nehmen zu können und dadurch etwas bewirkt zu haben.» Schilliger denkt an seine Rolle in der Energiepolitik. Er brachte erst seine Fraktion, dann die FDP Schweiz und schliesslich auch den Schweizerischen Gewerbeverband dazu, das Energiegesetz aus der Küche der damaligen CVP-Bundesrätin Doris Leuthard mitzutragen. Ohne Schilligers Überzeugungskraft wäre das Gesetz an der Urne Ende Mai 2017 vielleicht gescheitert. Es hätte aber zumindest keinen Ja-Stimmen-Anteil von fast 60 Prozent gegeben.

Die Begeisterung an der Politik, am Argumentieren, am Schmieden von Kompromissen, ist dem wegen seiner direkten Art nicht nur geschätzten Schilliger weiterhin anzumerken. Er sagt denn auch nicht, das Ausscheiden aus dem Nationalrat sei gleichzeitig sein definitiver Abschied von der Politik.

Peter Schilliger leistet am 10. September 2012 den Eid als Nationalrat. Er rückte für den verstorbenen Otto Ineichen nach.

Peter Schilliger leistet am 10. September 2012 den Eid als Nationalrat. Er rückte für den verstorbenen Otto Ineichen nach.

Keystone/Lukas Lehmann

Analytisch denkend und selbstkritisch

Dass es am 20. Oktober mit der Wiederwahl nicht geklappt hat, wurmt den Ur-Udligenswiler noch immer etwas. Er nimmt das schlechte Resultat seiner Partei auch auf seine Kappe:

«Es ist uns und mir nicht gelungen, die Inhalte der FDP an den Mann und die Frau zu bringen.»

Es ist eine Aussage, die gut zum analytisch veranlagten Schilliger passt, genauso seine unaufgeregte Art, zu politisieren. Der überzeugte Freisinnige hat weder im Nationalrat noch vorher im Kantonsrat versucht, mit einer Flut von Motionen, Postulaten oder Anfragen Aufmerksamkeit zu erlangen. In Bern hat Schilliger 34 Vorstösse verfasst – kein ausgesprochen tiefer Wert, aber auch kein hoher.

Bundesbetriebe sollen ihre Monopolsituation nicht ausnützen

Neun Vorstösse sind noch hängig – und einer liegt ihm als Kämpfer für das freie Unternehmertum besonders am Herzen: Eine parlamentarische Initiative mit dem Titel «Wettbewerb mit gleich langen Spiessen». Schilliger verlangt darin gesetzliche Bestimmungen für Betriebe, an denen der Bund, die Kantone oder Gemeinden finanziell beteiligt sind. Ziel: Es soll vermieden werden, dass diese Unternehmen auf dem Markt Wettbewerbsvorteile erzielen und so von ihrer Monopolsituation profitieren. Im Rat wurde die Initiative noch nicht behandelt, wohl aber in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben. Sie leistete seinem Vorstoss mit 15 zu 10 Stimmen Folge.

Blickt Schilliger, der gerne jasst, auf seine sieben Jahre als Nationalrat zurück, kommen ihm aber nicht nur Wahlen und Sachgeschäfte in den Sinn. Er erinnert sich auch gerne an «viele gefreute Beziehungen mit anderen bürgerlichen Politikern», an die Turniere mit Tenniskollegen oder an eine Reise zum deutschen Bundestag. Einen neuen Freundeskreis hat sich Schilliger in Bern jedoch nicht aufgebaut. «Ich habe immer noch die gleichen Luzerner Freunde, die ich früher schon hatte.»

Breit vernetzt

Karriere in Politik und Wirtschaft

Peter Schilliger ist 60-jährig und wohnt in Udligenswil, wo er für die FDP 1991 als Gemeinderat in die Politik einstieg. Ab 2000 und bis 2011 war der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern Gemeindepräsident seiner Wohngemeinde, zwischen 2003 und 2012 Kantonsrat. Von 2008 bis 2015 leitete der Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident der über 100 Mitarbeiter beschäftigenden Herzog Haustechnik die FDP des Kantons Luzern.

2012 rückte er für den verstorbenen Otto Ineichen in den Nationalrat nach. Schilliger gehört mehreren Verwaltungsräten und Verbänden an und wurde eben als Spitalrat des Luzerner Kantonsspitals wiedergewählt. (nus)

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