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PETERSKAPELLE: Katholisches Prestigeprojekt stockt

Die katholische Kirche sucht erfolglos einen Leiter für die geplante City-Pastoral. Am Alleingang hält sie fest – obwohl die Reformierten für eine Zusammenarbeit Hand boten.
Remo Wiegand
In der Peterskapelle will die katholische Kirche eine sogenannte City-Pastoral einrichten. Doch das Projekt stockt. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

In der Peterskapelle will die katholische Kirche eine sogenannte City-Pastoral einrichten. Doch das Projekt stockt. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Die Peterskapelle, das denkmalgeschützte und baufällige Gotteshäuschen in der Altstadt, soll bis 2018 zu einem kulturell-spirituellen Zentrum Luzerns werden. Die City-Pastoral, wie das Projekt auf Anglo-Lateinisch heisst, ist ein Schwerpunkt, den sich die katholische Kirche bis 2020 auf die Fahne geschrieben hat. Bereits voll im Gang ist der Architekturwettbewerb zur Umgestaltung der Kapelle. Zugleich läuft die Suche nach dem Personal, das «neue Formen der kirchlichen Präsenz entwickeln» soll. Beachtliche 200 Stellenprozente sind für das City-Pastoral-Team vorgesehen, das zusammen Kompetenzen von Projektmanagement bis zu priesterlichen Diensten abdecken soll. Die Suche konzentrierte sich seit November letzten Jahres vorerst auf einen Theologen oder eine Theologin als Leitungsperson. Das ernüchternde Resultat: vier bis fünf lose Kontakte, drei offizielle Bewerbungsgespräche. Absagen hüben und drüben.

Hohe Anforderungen

Wie kommt das? Ist heute nicht einmal mehr eine kirchliche Stelle attraktiv, die Leitungskompetenz, viel kreativen Gestaltungsspielraum und wenig pastorale Pflichterfüllung verspricht? «Die Stelle fordert viel. Es braucht Offenheit für Neues und eine grosse Vielseitigkeit», erklärt Hansruedi Kleiber, Leiter des Luzerner Pastoralraums. «Es gibt nur wenige, die diesem Profil entsprechen.» Trotz der bisherigen Enttäuschung will er die Suche ohne Hektik und ohne Änderung der Suchkriterien fortsetzen. Kleiber und Kollegen aus der Kirchenleitung treten derzeit direkt an mögliche Kandidaten heran.

«Informiert, nicht involviert»

Dennoch stellen sich weitere Fragen: Ist die Stelle nicht doch überladen? Müsste nicht zumindest deren Anforderungsprofil überdacht werden? Themen, die in der Kirche zu reden geben. So fragt sich ein Kirchenparlamentarier, ob die Leitungsperson einer kulturnahen Stadtkirche überhaupt Theologe sein müsse. Unbedingt, meint Kleiber. «Wir suchen nicht einfach einen Eventmanager. Die Stelle verlangt auch seelsorgerliche Kompetenz.» Skeptisch macht ihn auch die Idee, die Leitung der City-Pastoral einem reformierten Theologen zu übergeben, wiewohl das Stelleninserat ökumenische Offenheit markiert. Kleiber befürchtet, dass der Bischof daran wenig Freude hätte, der dem Luzerner Pastoralraum sonst viel Freiraum lässt.

Apropos Ökumene: Es erstaunt grundsätzlich, dass die City-Pastoral ein rein katholisches Projekt geblieben ist (siehe Kasten). Die reformierte Matthäuskirche, einen Steinwurf von der Peterskapelle entfernt, präsentiert sich bereits seit zehn Jahren als City-Kirche und spricht mit Theatergottesdiensten oder mittäglichen Atempausen ein unkonventionell-urbanes Publikum an. «Wir waren immer gut informiert über das katholische City-Pastoral-Projekt», sagt Eva Brandin, Pfarrerin an der Matthäuskirche. «Involviert wurden wir aber nicht.» Brandin bedauert dies, hätte sich persönlich ein gemeinsames City-Kirchen-Projekt gewünscht. Zugleich sei im Kirchenvolk derzeit kein tieferes Bedürfnis für einen grösseren ökumenischen Wurf vorhanden: «Ich stelle eine gewisse Stagnation fest», berichtet die Pfarrerin – und meint dies nicht nur negativ: «Man hat sich so daran gewöhnt, Veranstaltungen der verschiedenen Konfessionen zu besuchen, dass man wie nicht mehr weiss, was ein ökumenisches Extra-Engagement bringen soll.»

Komplizierte Ökumene

Die Selbstverständlichkeit der konsumierten Ökumene kontrastiert mit einem Trend zu konfessionellen Solo-Angeboten. In Zeiten knapper werdender Finanzen scheint es für die Kirchen umso wichtiger, sich mit Vorzeigeprojekten zu profilieren. «Wir wollen als katholische Kirche eine eigene City-Pastoral», gibt Kleiber ohne Umschweife zu. «Das ist auch eine Profilfrage.» Andernorts wie bei der Hochschulseelsorge oder der Zwitscherbar bei der Lukaskirche arbeite man gut ökumenisch zusammen, obwohl die Reibungsflächen nicht kleiner geworden seien. Kleiber: «Die unterschiedliche Grösse der Kirchen ist ein Problem. Oft fehlt es den Reformierten an nötigen Ressourcen.» Diese wiederum spielen den Ball zurück: «Es war ein Entscheid der katholischen Kirche», bekräftigt Eva Brandin, die feststellte, wie stark das Grossprojekt schon innerkatholisch Spannungen ausgesetzt war. «Man wollte die Peterskapelle wohl nicht noch mit weiteren Konflikten beladen.» Jesuit Hansruedi Kleiber bestätigt, dass es schwierig war, traditionelle und zeitgeistige Kräfte auf ein gemeinsames Projekt einzuschwören. Das hätte sich nicht zuletzt gezeigt, als man die Kirchenbänke der Peterskapelle für eine flexible Nutzung herausnehmen wollte. Eine konservative Gruppierung sträubt sich bis heute dagegen.

Projekte miteinander absprechen

Einstweilen probt die katholische Kirche bei der Peterskapelle also den Alleingang. Auch wenn er im Moment ins Stocken geraten ist, glaubt Brandin, dass die katholischen Kollegen die Stelle noch werden besetzen können. Könnte sie sich denn nicht gar selber vorstellen, sich zu bewerben? Quasi als leibhaftige Brücke zur reformierten Matthäuskirche? Brandin verneint lächelnd. Sie begnügt sich vorerst mit dem pragmatischen Wunsch, dass die beiden City-Kirchen ihre Programme gut miteinander absprechen. Und hofft dann gleichwohl darüber hinaus: «Vielleicht kommen wir irgendwann ja doch noch zusammen.»

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