Interview

Er hat an der Lozärner Fasnacht einen Job auf Lebzeiten

Der Luzerner Peti Federer (50) ist Medienchef des Lozärner Fasnachtskomitees LFK, Umzugs-TV-Moderator und GordonBlööö-Baba.

Roger Rüegger
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An der Luzerner Fasnacht hat er einen Job auf Lebzeiten: Peti Federer.

An der Luzerner Fasnacht hat er einen Job auf Lebzeiten: Peti Federer.

Bild: Eveline Beerkircher

Wann hat Ihnen zuletzt jemand «d Chottle potzt»?

Peti Federer: Oh, was für eine Frage. Vielleicht hat mich jemand gemassregelt, ohne dass ich dies so empfunden habe. Ich kann mich nicht erinnern, weil ich gegenüber Kritik ziemlich entspannt bin.

Wer an der Fasnacht so stark engagiert ist wie Sie, könnte von seiner Gattin hin und wieder daran erinnert werden, wo das zu Hause ist. Wie handhaben Sie das Thema?

Völlig entspannt. Ich bin seit 32. Jahren bei der Guuggenmusik Chottlebotzer, meine Frau seit 25 Jahren. Sie war sogar einige Jahre Präsidentin und ist noch immer Nähchefin. An der Fasnacht haben wir ein Hotelzimmer in der Stadt.

Ihr wohnt doch in der Stadt?

Das Zimmer ist noch etwas näher beim Geschehen.

Sie sind bei den Chottlebotzer und haben den Vorsitz der GordonBlöö-Zunft. Bei Ihnen steht Fleisch recht oft auf der Menükarte. Wie stehts so mit Gnagi?

Einem feinen Gnagi bin ich nie abgeneigt.

Schmecken Ihnen die der Gnagi-Zunft auch?

Das Gnagi-Essen ist immer zehn Tage vor dem Schmudo. Dann findet jedoch der Bot unserer Zunft zu GordonBlööö im Doorzögli statt. Ich als Baba, beziehungsweise Zunftmeister, habe da Verpflichtungen.

So ein Pech. Ist da nicht etwas vorgefallen?

Nichts Erwähnenswertes. Das Umzugskomitee der Zunft zu Safran hatte damals keine Plätze fürs Gnagi-Essen, weil diese online im Nu ausverkauft waren. Da wir sonst immer dabei waren, organisierten wir eben selber einen lustigen Abend. Heuer findet der übrigens bereits zum zehnten Mal statt.

Sie sind GordonBlööö-Baba auf Lebzeiten. Ist das eine Auszeichnung oder Strafe?

Sagen wir, eine ehrenvolle Aufgabe. Diese bedingt, dass man schmerzfrei ist. Ich werde jedes Jahr zur Kasse gebeten und muss mich zum Deppen machen. Einmal war Bodypainting das Thema einer Produktion.

Oh! Wüste Bilder erscheinen vor dem geistigen Auge. Lassen Sie uns doch von Ihrem Job als Co-Moderator von Tele1 bei den Umzügen reden. Würden Sie als Zunftmitglied nicht lieber mitlaufen, statt zu moderieren?

Nein, ich erachte es als Privileg, den Fritschi-Umzug und den Monstercorso für die TV-Zuschauer mit Hintergrundinformationen anzureichern.

Als Trompeter in der Guugenmusik kommen Sie nicht zu kurz bei Umzügen. Nun sind Sie also Musiker, Moderator, daneben LFK-Medienchef, Baba der GordonBlööö-Zunft und in der Zunft zu Safran werden Sie auch nicht nur ein Mitläufer sein. Was habe ich vergessen?

Dass ich bei den Chottlebotzer im Sommerhalbjahr Lieder arrangiere, im OK des Chottlebotzer-Schnupffestes bin und dass neu am komischen Frytig die Värsli-Brönzlete stattfindet. Und ich mache Fasnachtsführungen.

Auch das noch! Für Touristen?

Nein, die interessiert das weniger. Es sind eher Firmenanlässe oder Vereine, die sich anmelden. Auch Fasnächtler aus anderen Städten wollen sich über die Lozärner Fasnacht informieren. Ich beginne beim Landungssteg7, wo am Urknall der Nauen mit der Fritschifamilie anlegt. Die Reise dauert zwei Stunden.

Den Kapellplatz besuchen Sie bestimmt auch.

Klar. Der Fötzeliregen aus Millionen von Papierschnipseln aus Telefonbüchern ist legendär. Weil es praktisch keine Telefonbücher mehr gibt, haben wir von der Zunft mehrere Paletten davon gelagert. Der Vorrat sollte noch etwa acht bis zehn Jahre reichen.

Muss man sich Sorgen machen, dass Sie in ein Loch fallen, wenn alles vorbei ist?

Falls mich im März Langeweile erfasst, werde ich die geniessen. Aber die Gefahr besteht nicht. Neben all den Verpflichtungen an der Fasnacht, die ich im Übrigen ungeheuer gerne wahrnehme, ist da noch das Berufsleben.

Federer Training & Coaching heisst Ihre Firma. Ich Roger, frage Sie Federer: Das hat nichts mit Sport zu tun?

Sehen Sie mich an! Nein, meine Firma befasst sich weniger mit körperlicher denn mit geistiger Fitness. Meine Themen sind Persönlichkeitsentwicklung, Führungstraining, Verkauf, Kommunikation und Ähnliches.

Ein Arbeitskollege hat mir strikte untersagt, Ihnen eine Frage über das Tennis zu stellen. Wie haben Sie’s so mit Ballsport?

Ich befasse mich mit grösseren Bällen. Fussball ist meine Leidenschaft. Selber spiele ich hängende Spitze bei den Veteranen SC Obergeissenstein. Ausserdem besuche ich regelmässig Spiele des SC Freiburg.

Luzerner Fussball sagt Ihnen nichts?

Doch, ich fahre gerne nach Augsburg, dort spielen zwei Luzerner.

Mit den Chottlebotzer waren Sie auch jenseits der Grenze aktiv. Nämlich in Irland. Warum mussten die Insulaner die Lozärner Fasnacht kennen lernen?

Bei der Sujetversammlung für die Fasnacht 2019 versprachen die Initianten von «All hallows eve», sie würden eine Reise nach Dublin organisierten, falls ihr Sujet gewählt wird. Es war eine sehr kurze Versammlung und wir konnten das Sujet von der letzten Fasnacht nochmals so richtig ausleben. Den Iren gefiel die Sache.

Nun noch etwas in eigener Sache: Als LFK-Medienchef müssen Sie viele Fragen von uns Journalisten beantworten. Geht Ihnen das bisweilen nicht auf den Sack?

Es ist mein Job. Einer muss sich hinstellen. Auf den Sack gehen mir nur Fragen über Fehltritte von einzelnen Figuren, die irgendwo in der Schweiz stattgefunden haben. Was soll ich zu einem Sujet in der Ostschweiz sagen, das ein Flüchtlingsboot darstellt oder über weisse Kapuzen im Kanton Schwyz? Nein, wir haben keine Kontrolle darüber. Aber diese Vorfälle haben auch nichts mit unserer Lozärner Fasnacht zu tun.

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