Pfaffnau

Neues Buch zur Dorfgeschichte: So lebte es sich einst in Pfaffnau

Der Agronom und Historiker Josef Blum beleuchtet in seinem Buch die Geschichte und das Leben in Pfaffnau zwischen 1500 und 1800.

Susanne Balli
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Das Cover des Buches von Josef Blum.

Das Cover des Buches von Josef Blum.

Bild: PD

Wussten Sie, dass es in früheren Zeiten in Pfaffnau eine Burg gab? Oder dass gegen Ende des 18. Jahrhunderts zusätzlich zum Sonntag fast jede Woche einer von vielen kirchlichen Feiertagen stattfand? Und war Ihnen bekannt, dass ein Pfaffnauer Bauer in dieser Zeit maximal vier Kühe besass, Ziegen hingegen nicht gerne gesehen wurden, weil sie Flurschäden anrichteten? All dies und noch vieles mehr kann im neuen Buch «Pfaffnau – ein Dorf in der Frühen Neuzeit (1500–1800)» von Josef Blum nachgelesen werden. Es zeigt eindrücklich das Leben der damaligen Zeit in Pfaffnau auf.

Der 71-jährige Agronom und Historiker, der selber in Pfaffnau aufgewachsen ist, hat sich intensiv mit der Geschichte seines Dorfes auseinandergesetzt. «Das Thema hat mich schon immer interessiert», sagt Blum. Neben den geschichtlichen und landwirtschaftlichen Aspekten ging es ihm auch um persönliche Gründe. Zum Beispiel um das Wissen um seine Vorfahren. So wird der erste Blum in Pfaffnau bereits im Jahr 1525 erwähnt. Zudem hat Josef Blum selber erlebt, wie stark sich die Landwirtschaft in den letzten 60 Jahren verändert hat. Noch bis in die 60er-Jahre wurde in Pfaffnau das Getreide mit Pferdemähmaschinen geschnitten, zu Garben gebunden und zu Puppen aufgestellt. Es folgten viele aufwendige Arbeitsschritte, die heute quasi in einem Arbeitsgang erledigt werden.

Agronom und Historiker Josef Blum.

Agronom und Historiker Josef Blum.

Bild: PD

Geschichtsstudium mit 60 Jahren angefangen

Als Grundlage für das Buch diente ihm seine Masterarbeit, die er im Rahmen seines Geschichtsstudiums an der Universität Luzern schrieb. Blum, ehemaliger Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa), hatte sich mit seiner vorzeitigen Pensionierung entschieden, das Geschichtsstudium in Angriff zu nehmen. «Ich konnte das dank der Unterstützung meiner Frau Bernadette und meiner Tochter Carmen realisieren.»

Blum hat im Buch sein geschichtliches Wissen mit jenem des Agronomen kombiniert. Es bleibt nicht bei der Sicht des Theoretikers. Er führte selber während seiner Zeit beim Lawa mit seiner Schwester Christine den elterlichen Betrieb in Pfaffnau im Nebenerwerb, den heute sein Neffe leitet.

Das Dorf Pfaffnau, das im Grenzgebiet zu den Kantonen Bern und Aargau liegt, hat bis heute seinen ländlichen Charakter bewahrt. Dies zeigen auch die aktuellen Bilder zahlreicher Weiler, Höfe und Liegenschaften in Blums Buch. Blum erklärt:

«Pfaffnau ist von seiner Art her typisch für Dörfer im nördlichen Kantonsteil und kann als Beispiel für viele andere Ortschaften stehen.»

In Pfaffnau gebe es jedoch die besondere Situation mit der Nähe des Klosters. «Dank ausführlicher Dokumentationen war die Datenbasis sehr gut.» Es ist ein 147 Seiten umfassendes Werk entstanden, in dem man Wissenswertes über die Lage von Pfaffnau, den historischen Grenzverlauf, über die Siedlungsentwicklung, die Nutzung der Flur, die Viehhaltung, die rechtliche Situation im Dorf und über die Menschen mit ihren Besitzverhältnissen, Familiennamen und sozialen Schichten erfahren kann. So waren gegen Ende des 18. Jahrhunderts zirka ein Drittel der Pfaffnauer Dorfbevölkerung mittellose Hausleute ohne eigenen Besitz und fürs Überleben komplett von den Bauern abhängig.

Pfaffnau zwischen sanften Hügeln.

Pfaffnau zwischen sanften Hügeln.

Bild: PD

Taunersiedlung mit Handwerkerbetrieben

Die überraschendste Erkenntnis war für Blum aber, dass der Dorfteil «Sagen» eine Taunersiedlung mit zahlreichen Handwerkerbetrieben war, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Tauner waren Kleinbauern, die nur über wenig Grundbesitz verfügten und für den Lebensunterhalt einem Nebenerwerb – meist einem Handwerk – nachgehen mussten. Als Zeugnis dieser Taunersiedlung steht heute noch der Dorfteil Sagen als geschlossener Siedlungsverband. Blums Blick auf seine Heimat ist nicht verklärt. Er sagt:

«Es war nicht die gute alte Zeit. Es gab grosse soziale Ungleichheiten, Hunger und eine hohe Kindersterblichkeit.»

Die Hierarchien waren klar: Wer Land besass, der befahl. «Eine wichtige Botschaft des Buches ist, wie hart das Leben damals war, und es zeigt auch, wie gut es uns heute mit unseren sozialen Strukturen geht.»

Dorfansicht der Gemeinde Pfaffnau. Das Bild entstand am Dienstag, 28. Juli 2020.

Dorfansicht der Gemeinde Pfaffnau. Das Bild entstand am Dienstag, 28. Juli 2020.

Bild: Pius Amrein, 28. Juli 2020.

Hinweis: Das Buch «Pfaffnau – ein Dorf in der Frühen Neuzeit 1500–1800» ist für 40 Franken erhältlich bei Josef Blum, Hubelweid 12, Sempach, E-Mail: blum.sempach@bluewin.ch, Website www.agroecoconsult.ch oder bei der Gemeindekanzlei Pfaffnau.