Pfaffnauer Dorfbeiz sucht einen neuen Eigentümer

Das Restaurant Kreuz in Pfaffnau ist zum Verkauf ausgeschrieben. Der Betrieb der gleichnamigen Pizzeria und des Pubs ist davon vorerst nicht betroffen.

David von Moos
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«Erhaltenswert»: Das Restaurant Kreuz an der Dorfstrasse 2 in Pfaffnau.

«Erhaltenswert»: Das Restaurant Kreuz an der Dorfstrasse 2 in Pfaffnau.

Bild: Roger Grütter (Pfaffnau, 29. März 2020)

Im Zentrum der Luzerner 2600-Seelen-Gemeinde Pfaffnau steht entlang der Hauptverkehrsachse das «Kreuz». Der Gastrobetrieb im altweissen Haus mit den roten Fensterläden gehört schon lange zum Dorfbild.

Die markante, langgezogene Liegenschaft an der Dorfstrasse 2 wurde im Jahr 1923 gebaut und liegt mitten im Dorfkern. Im Erdgeschoss befinden sich das Restaurant mit Saal und Bühne, eine Bar sowie ein Konferenzraum. Auch eine Terrasse gehört zum Betrieb. Nun sucht das «Kreuz» einen neuen Besitzer.

Gebäude laut Denkmalschutz «erhaltenswert»

Auf mehreren Online-Immobilienplattformen ist die rund 1500 Quadratmeter grosse Liegenschaft zum Verkauf ausgeschrieben. Verfügbar ist das dreistöckige Gasthaus «auf Anfrage», wie es etwa im Inserat auf immoscout24.ch heisst. Im ersten Obergeschoss befinden sich demzufolge fünf möblierte 2- bis 2½-Zimmer-Wohnungen mit 43 bis 63 Quadratmeter Wohnraum. «Die kompakten und geschickt angeordneten Grundrisse» würden eine flexible Nutzung erlauben. Darüber befindet sich im zweiten Obergeschoss eine 80 Quadratmeter grosse 3½-Zimmerwohnung «mit einer guten Aussicht über das Dorf». Im Untergeschoss befinden sich die Kellerabteile, der Wasch- und Trocknungsraum sowie der Technikraum.

Direkt an der Hauptstrasse: Die 1500 Quadratmeter grosse Liegenschaft.

Direkt an der Hauptstrasse: Die 1500 Quadratmeter grosse Liegenschaft.

Screenshot: Grundbuchplan Kanton Luzern

Die mit dem Verkauf beauftragte Luzerner Immobilienfirma Arlewo AG spricht im Inserat von einem «tollen Anlageobjekt». Das historische Gast- und «Wohnhaus mit viel Mietzins-Potenzial» eigne sich hervorragend als Investition. Gemäss den Verkaufsunterlagen sind alle Einheiten des Gebäudes vermietet. Hingewiesen wird auch auf die Tatsache, dass die Liegenschaft im Bauinventar als «erhaltenswert» eingestuft ist. Das heisst aus denkmalpflegerischer Sicht, dass es sich um einen «ansprechenden oder charakteristischen Bau von guter Qualität» handelt, der «erhalten und gepflegt werden soll». Baulich Eingriffe sind beim «Kreuz» nicht ausgeschlossen. «Veränderungen, die sich einordnen, und Erweiterungen, die auf den bestehenden Bau Rücksicht nehmen, sind denkbar», wie es im Bauinventar der kantonalen Denkmalpflege heisst.

Alles soll bleiben wie es ist

Wieviel Geld ein potenzieller Käufer für das Gasthaus auf den Tisch legen muss, geht aus dem Inserat nicht hervor. «Der Verkaufspreis wird auf Anfrage bekannt gegeben», so Mehedin Avdijai von der in Emmen ansässigen MS Immobilien Team AG, in deren Eigentum sich das «Kreuz» befindet. Avdijai will die Liegenschaft aus beruflichen Gründen verkaufen, wie er betont. «Wie sich gezeigt hat, ist Pfaffnau für uns einfach zu weit weg.» Die anderen Objekte würden sich alle in Luzern, Littau, Kriens und Emmenbrücke befinden. «Dort haben wir auch einen Hausabwart zur Verfügung.»

Das historisches Gast- und «Wohnhaus mit viel Mietzins-Potenzial»: Die mit Verkauf beauftragte Luzerner Immobilienfirma Arlewo AG spricht im Inserat von einem «tollen Anlageobjekt».

Das historisches Gast- und «Wohnhaus mit viel Mietzins-Potenzial»: Die mit Verkauf beauftragte Luzerner Immobilienfirma Arlewo AG spricht im Inserat von einem «tollen Anlageobjekt».

Bild: Roger Grütter (Pfaffnau, 29. März 2020)

Dennoch will Avdijai nicht an irgendjemand verkaufen. «Ich will einen Käufer, der die bestehenden Verträge alle übernimmt.» Die Pizzeria gebe es schon lange, sie habe einen guten Namen. Ausserdem laufe der Fünfjahresvertrag mit dem Pächter noch etwas mehr als drei Jahre lang weiter. Auch die Wohnungsmieter sollen alle bleiben können. «Ich möchte, dass sich die Leute, die mit mir Verträge abgeschlossen haben, sicher fühlen.» Unter den zahlreichen Anfragen befinden sich laut Avdijai «drei, vier ernsthafte Interessenten». «Man muss sehen, dass das Haus auch vom Platz her noch viel Potenzial hat. Das Dachgeschoss zum Beispiel könnte man zu einer rund 100 Quadratmeter grossen Wohnung umbauen.» Dafür sei baulich alles schon vorbereitet.

Der Betreiber der Pizzeria und des Pubs, Ali Cemek, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren wirtet der gebürtige Türke im Restaurant «Kreuz». Bekannt ist er vor allem für seine im Holzofen zubereiteten Pizzas. Bei der Gemeindeverwaltung von Pfaffnau weiss man um die Verkaufsabsichten. Laut Gemeindeschreiber Markus Stirnimann handelt es sich beim «Kreuz» um eine beliebte Dorfbeiz, die wegen der Bar gerade auch jüngere Leute anziehe. «Wir wünschen uns, dass das Restaurant bleibt.»

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