Die Pfarrei Nebikon feiert – und wagt den Blick nach vorne

Mit dem Motto «Teil eines Ganzen zu sein» feiert die Pfarrei Nebikon ihr 50-jähriges Bestehen. Dabei ist die sonntägliche Kilbi ein markanter Anlass im breiten Jubiläumsangebot. Zweifel bestehen jedoch, ob die Festivitäten auch nachhaltig wirken.

Ernesto Piazza
Drucken
Teilen
Die Kirche Nebikon nimmt langsam Gestalt an. Bauarbeiten in den 60er-Jahren. Bild: PD

Die Kirche Nebikon nimmt langsam Gestalt an. Bauarbeiten in den 60er-Jahren. Bild: PD

Der Benzinpreis lag bei rund 60 Rappen. Soviel bezahlte man gleichzeitig auch für einen Liter Bier. Der Vietnamkrieg und die aufglühende Diskussion um das Frauenstimmrecht gehörten zu den bewegenden Themen. Wenn man das Rad der Geschichte um 50 Jahre zurückdreht, versetzt man sich auch in eine Zeit, die Polo Hofers «Sommer 68» zu besingen versucht. Damals – genau gesagt am 5. Oktober 1968 – wurde im Rahmen der Kirchweihe die Pfarrei Nebikon gegründet. Vom Kauf des entsprechenden Bauplatzes über den Spatenstich bis zur Vollendung des Bauwerks vergingen aber rund 12 Jahre.

Am Sonntag steht für die Pfarrei mit dem Kilbi-Gottesdienst und einer Orchestermesse ein weiterer Anlass im Rahmen des 50-jährigen Bestehens auf dem Programm. Er ist einer von knapp 20 Veranstaltungen im Jubiläumszyklus 2018. OK-Präsidentin Ursula Grob erklärt dazu: «Wir wollten uns ganz bewusst nicht auf einen Event konzentrieren.» Aus der Vielfalt der Angebote können sich alle getreu dem Motto «Teil eines Ganzen sein» passende Programmpunkte zum Feiern und Mitwirken aussuchen.

Zusammenarbeit mit Ortsvereinen bewährt sich

Neben bereits bestehenden Anlässen wie dem Feldgottesdienst zu Fronleichnam oder der Legostadt – einem Bauprojekt für Kinder und Junggebliebene – lässt das Organisationskomitee bewusst auch ältere Ideen wie die Adventsfenster-Aktion mit Hilfe der Familienrunde wieder neu aufleben. Wobei OK-Mitglied Thomas Küng betont: «Neue Akzente und ein fulminanter Start mit dem Ökumenische Neujahrsgottesdienst waren uns schon wichtig.»

Die Idee, die Gemeinschaft zu pflegen, etwas miteinander zu kreieren, habe sich bezahlt gemacht, zieht Ursula Grob bisher ein positives Fazit. Das Interesse, sich aktiv im Jubiläumsjahr zu betätigen sei gross gewesen. Die Zusammenarbeit mit Ortsvereinen habe sich bewährt und positiv ausgewirkt. Dazu gehört auch der Fasnachtsgottesdienst. Er ging unter Mitwirkung der Flohguugger Nebikon über die Bühne. Jeder Event sei für sich ein Highlight gewesen, so Küng. «Neben einem treuen Stammpublikum sind immer wieder auch neue Gesichter aufgetaucht.» Und bis zum Ende der 50-Jahr-Feierlichkeiten sind weitere Events geplant. Den Schlusspunkt am 27. Januar 2019 setzt sinnigerweise eine «Ökumenische Abschlussfeier des Jubiläumsjahres».

Doch zurück zur Gründerzeit: Den Zuschlag für das Kirchenprojekt hatte seinerzeit der Zürcher Ernst Studer des Architekturbüros Naef/Studer & Studer erhalten. Er setzte sich gegen mehr als 40 Projekte durch. Speziell beim Bau ist: Das Pfarreizentrum mit Gemeinschaftsräumen bildet das Fundament. Darüber steht mit dem Gotteshaus der sakrale Teil. Erstaunlich sei, wie vorausschauend die damaligen Verantwortlichen gearbeitet hätten, sagt Küng. Ihre Weitsicht habe dazu geführt, dass die Nebiker Marienkirche auch ein halbes Jahrhundert später weiter modern und im Alltag zweckdienlich wirke.

Feierlichkeiten anlässlich der Bauarbeiten der Pfarrkirche Nebikon in den späten 60er-Jahren. Bild: PD

Feierlichkeiten anlässlich der Bauarbeiten der Pfarrkirche Nebikon in den späten 60er-Jahren. Bild: PD

Reibungsverluste wegen Grundsatzdiskussionen

Menschen wieder vermehrt eine christliche Heimat geben, mit er Herausforderung sieht sich auch die Pfarrei Nebikon konfrontiert. Das sei nicht einfach, gesteht Küng. «In unserer schnelllebigen Zeit hat sich die Gesellschaft teilweise diametral zur Kirche entwickelt.» Zudem entstünden bei den Diskussionen, ob auf einen klassischen oder doch eher modernen Stil gesetzt werden sollte, immer wieder Reibungsverluste.

«Wir sind offen für alle und möchten die Leute möglichst breit ansprechen», erklärt Gabi Müller, welche zusammen mit ihrem Mann Markus das Pfarreileiterehepaar bildet. Und wenn man dadurch Menschen für die gemeinsame Sache gewinne, sei das natürlich schön. In diesem Zusammenhang pflegt die Pfarrei Nebikon auch Kontakte zu Gruppierungen wie Jungwacht/Blauring oder Frauenverein und betreibt mit der Firmung «17 plus» ihre eigene Art von Nachwuchsförderung. Im Rahmen des Jubiläums wurde zudem jeden Monat eine der unterstützenden Gruppen im Pfarreiblatt vorgestellt und in der Kirche in Form eines gemeinsamen Puzzles präsentiert. Ursula Grob sagt: «Sie sollen ‹Teil eines Ganzen sein› und sich auch so fühlen.»

Der Kirchturm der Pfarrkirche Nebikon bei den Bauarbeiten in den späten 60er-Jahren. Bild: PD

Der Kirchturm der Pfarrkirche Nebikon bei den Bauarbeiten in den späten 60er-Jahren. Bild: PD

«Möglich, dass wir Sachen künftig anders anpacken»

Während die OK-Präsidentin hofft, dass die breit gefächerten Festivitäten nachhaltig wirken, hegt Thomas Küng diesbezüglich «leisen Zweifel». Mit einer unreflektierten Rückkehr zur «traditionellen Normalität» würde eine Chance zur Weiterentwicklung verpasst. Deshalb will sich der Pfarreirat, die sogenannte Spurgruppe, nach Abschluss der Festivitäten zusammensetzen und über die gemachten Erfahrungen Bilanz ziehen. «Und es ist durchaus möglich, dass wir Sachen künftig anders anpacken», sagt Gabi Müller.

Informationen zum Jubiläum «50 Jahre Pfarrei Nebikon» gibt es unter: www.pfarrei-nebikon.ch.