PFEFFIKON: Die alte Kirche mit der reformierten Schwester

St. Mauritius ist eine der ältesten Kirchen im Kanton. Kein Wunder, hat sie schon einiges miterlebt.

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Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius in Pfeffikon und ihr reformiertes Pendant in Reinach (Bild: Dominik Wunderli)

Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius in Pfeffikon und ihr reformiertes Pendant in Reinach (Bild: Dominik Wunderli)

Eingebettet in ein denkmalgeschütztes Ensemble mit Beinhaus, Pfarrhaus, Pfarrscheune und dem alten Gasthof Löwen steht sie da, die katholische Pfarrkirche St. Mauritius. Das Kirchenschiff lehnt sich an den mächtigen, seitlich angebauten Turm. Ein stolzes Bild. Und einen gewissen Stolz darf man der Kirche auch zugestehen. Schliesslich ist sie die älteste Kirche des Wynentals und gilt (wie die Pfarrkirche St. Stephan in Beromünster) auch als eine der ältesten des Kantons Luzern. Bis ins 8. Jahrhundert gehen ihre Ursprünge zurück, einige datieren sie gar ins 6. oder 7. Jahrhundert.

Die heutige Kirche ist mindestens der dritte Bau an diesem Standort, in dessen Nachbarschaft bereits im 2. Jahrhundert nach Christus eine grosse römische Villa stand. Auch die Alemannen hinterliessen ihre Spuren und mehrere Gräber – unter anderem unter dem heutigen Chor der Kirche. Errichtet wurde der jetzige Bau 1524, nachdem die Vorgängerkirche mitsamt Turm eingestürzt war. Das kurz zuvor errichtete Beinhaus blieb von dem Unglück verschont.

Unruhe bei den Nachbarn

Zur Pfarrei Pfeffikon gehörten damals auch die benachbarten bernischen Gemeinden wie Menziken, Reinach oder Gontenschwil. Im Zuge der Reformation verfügte der Berner Rat 1528, dass alle Gemeinden dem neuen Glauben zu folgen hätten. Dummerweise hatten sich diese Gemeinden, die heute zum später gegründeten Kanton Aargau gehören, kurz zuvor finanziell am Neubau von St. Mauritius beteiligt. Das sorgte für Unruhe, und der Kanton Bern sah sich genötigt, seinen neu reformierten Gemeinden zur Beruhigung der Gemüter eine eigene Kirche zu errichten. So entstand 1529 die erste von Anfang an reformierte Kirche im früheren bernischen Hoheitsgebiet. Bis heute steht die «Schwesterkirche» in Reinach, nur wenige hundert Meter von St. Mauritius entfernt und von dort auch gut sichtbar. «Die beiden Kirchen ähneln sich auch optisch stark», sagt Josef Eugster, ehemaliger Kirchenratspräsident von Pfeffikon. Und mit einem Schmunzeln: «Vielleicht haben die Berner damals auch die Pläne unserer Kirche verwendet.»

Ein verhängnisvoller Grossbrand im Dorf sorgte für die nächste Zäsur: 1679 brannte St. Mauritius im Innern vollständig aus. Die Kanzel aus dem Jahr 1680, ein kleines Schmuckstück aus Nussbaumholz, stammt aus der Zeit des Wiederaufbaus und ist eines der ältesten Ausstattungsstücke der Kirche. Ihr heutiges Aussehen mit dem barockisierten Innern erhielt die Kirche in den Jahren 1779/80. In dieser Zeit wurden vermutlich auch die Fenster vergrössert, die Stuckdecke eingezogen und das Dach des Kirchenschiffes leicht angehoben. Aus dieser Zeit stammen auch der Hochaltar (vermutlich ein Geschenk des Stifts Beromünster) mit dem Kirchenpatron Mauritius auf der linken und dem heiligen Leodegar auf der rechten Seite – sowie das schön gearbeitete Chorgestühl. Über den Stühlen prangen die Namen der neun Chorherren von Beromünster, die sie erstellen liessen und bezahlten. St. Mauritius gehörte noch bis 1966 offiziell zum Stift Beromünster.

Ein Turm als Zeichen

Die letzten grossen Änderungen am Erscheinungsbild wurden 1895 vorgenommen. Im Rahmen einer Gesamt­renovation wich das Zwiebeldach des Turmes einem mächtigeren und höheren Spitzhelmturm mit glasierten Ziegeln, vermutlich nach dem Vorbild der Stadtkirche Baden. «Der neue Turm hatte vermutlich modische Gründe», sagt Josef Eugster, der bei der letzten Kirchen­renovation 1991/92 Präsident der Baukommission war. «Aber man sagt auch, dass der damalige Pfarrer ein Zeichen setzen wollte. Der Turm wirkt seither jedenfalls deutlich imposanter als das benachbarte Pendant in Reinach, das auch heute noch ein Zwiebeltürmchen besitzt.»

Grimmige Pfeffiker

Im Zuge der letzten Renovation wurde erneut über das äussere Erscheinungsbild der Kirche diskutiert. Die kantonale Denkmalpflege mit ihrem damaligen Chef André Meyer wollte die Sichtbarkeit der Ecksteine an Turm und Kirchenschiff aufheben. Ein Ansinnen, das schon bei der Renovation 1957 auf Widerstand der Pfeffiker gestossen war. «Als André Meyer an einer Informationsveranstaltung die grimmigen Gesichter der Anwesenden sah, lenkte auch er ein», erinnert sich Eugster. Leer ging aber auch Meyer nicht aus: Im Gegenzug beschloss die Kirchgemeinde, die 1976 neu errichtete Orgel zu barockisieren. «Das Eichenholz wurde marmoriert, was auch nicht allen Bürgern passte», weiss Eugster. Aber heute gefalle ihm das optische Zusammenspiel von Orgel und gegenüberliegendem Altarraum ganz besonders an der Kirche. «Man kann sagen: Es hat sich gelohnt.»

Cyril Aregger

Hinweis

Quellen: Jubiläumsschrift zur Neueinweihung der Pfarrkirche Pfeffikon, 1992; Jahresbericht der Kantonalen Denkmalpflege 1991/92; Unterlagen von alt Kirchenratspräsident Josef Eugster. Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

Blick in die Kirche mit der Kanzel aus dem Jahr 1680. (Bild: Dominik Wunderli)

Blick in die Kirche mit der Kanzel aus dem Jahr 1680. (Bild: Dominik Wunderli)