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Pfingstlager: Pfadi und Jubla fordern «Waffenstillstand»

An diesem Wochenende verreisen Pfadis, Jungwacht- und Blauringscharen ins Pfingstlager. Gegenseitiges Stören und Sabotieren wollen die beiden Verbände allerdings unterbinden – neu mit einem offiziellen Appell. In der Vergangenheit sind solche Streiche schon ausgeartet.
Sandro Renggli
Allzu derbe Streiche sollen im Pfingstlager in Zukunft unterlassen werden. Dies fordern Pfadi und Jubla in einer internen Weisung. Im Bild ein Lager in Ibach (SZ). (Bild: Jakob Ineichen, 7. Juli 2018)

Allzu derbe Streiche sollen im Pfingstlager in Zukunft unterlassen werden. Dies fordern Pfadi und Jubla in einer internen Weisung. Im Bild ein Lager in Ibach (SZ). (Bild: Jakob Ineichen, 7. Juli 2018)

Das Pfingstlager ist für Mädchen und Buben von Pfadi, Jungwacht und Blauring ein Highlight. Auch dieses Wochenende erkunden Kinder zusammen mit Leitern in Gruppen die Zentralschweizer Natur, machen Spiele, sitzen am Lagerfeuer und geniessen einen Moment abseits vom Alltag. Über die Jahre haben sich in Pfingstlagern allerdings auch andere Traditionen und Rituale verfestigt, und nicht alle davon sind friedlich. Gerade zwischen Gruppen der verschiedenen Verbände kommt es oft zu fiesen Sabotageaktionen, wie zum Beispiel dem Legen der Zelte: Man entfernt die Heringe, so dass das Zelt einstürzt.

In den letzten Jahren ist es immer wieder zu Grenzüberschreitungen gekommen. Zur Einschüchterung anderer Gruppen wurden Feuerwerkskörper verwendet, auch sind Zelte vorsätzlich zerschnitten worden. Jetzt ergreifen Pfadi sowie Jungwacht und Blauring (Jubla) die Initiative. In einer offiziellen Weisung, die unserer Zeitung vorliegt, rufen sie zum friedlichen Miteinander während des Pfingstlagers auf. In diesem Schreiben werden die Mitglieder der Verbände angehalten, «negative Vorfälle» zu verhindern und zu unterlassen. Gemeint sind übertriebene und böswillige Streiche.

Harmlose Streiche sind okay

Die Gruppen von Pfadi und Jubla errichten ihre Lager oftmals nah beieinander. Gegenseitige Lagerbesuche sind dann gerade so naheliegend wie die Streiche hier und dort. «Besuche in gegenseitigem Einverständnis sind auch absolut erwünscht», erklärt Thomas Hoesli, Kantonsleiter der Pfadi Luzern. «Auch harmlose Streiche sind kein Problem. Aber leider gibt es manchmal Vorfälle, die zu weit gehen.» Hoesli ist einer der Unterzeichner des Weisungspapiers, das Pfadi und Jubla dieses Jahr erstmalig vor dem Pfingstlager den Lagerleitern zukommen liess.

Für die Weisung war kein spezifischer Vorfall ausschlaggebend. «Wir haben aber leider Rückmeldungen von Eltern, Waldbesitzern und Leitenden erhalten, die von Aktionen berichten, die zu weit gingen», bestätigt Thomas Hoesli. «Manche Eltern erzählten, dass ihre Kinder nicht mehr ins Lager gehen wollten. Wir müssen hier also definitiv reagieren.»

Und die Tradition?

Für so manchen gehören Streiche zwischen den verschiedenen Gruppen und Verbänden allerdings unbedingt dazu. Gerade das gegenseitige «Angreifen» habe grosse Tradition und sei ein fester Bestandteil des Lagers, erzählt ein Scharleiter aus der Region Luzern, der anonym bleiben will. Dabei begibt sich eine Gruppe meist nachts auf den Zeltplatz einer anderen, und erschreckt diese mit lautem Geschrei und dem Legen der Zelte. Das sei jeweils als Spass gemeint, und im Nachhinein würde man oft friedlich zusammensitzen und plaudern. Gewalt und Sachbeschädigungen sind dabei tabu.

Wo aber liegt die Grenze zwischen harmlos und böswillig? «Natürlich ist es oft schwierig, zwischen Spass und Ernst zu unterscheiden», weiss Thomas Hoesli. «Sobald aber Kinder verängstigt werden, Zelte kaputt gehen und das Lagerprogramm gestört wird, gehen die Spässe zu weit. Hier sind auch die Lagerteilnehmenden und Lagerleitenden mit uns einverstanden.»

Für Martin Müller, Präses der Jungwacht St. Paul Luzern, ist das Ausmass der Streiche eine Frage des gesunden Menschenverstandes: «Die Verantwortlichen müssen unterscheiden können, ob die Kinder belustigte Spannung oder tatsächliche Angst erleben. Das liegt dann in der Verantwortung der Leitenden.» Ein komplettes Verbot der Streiche sei wohl eine Illusion. «Die Weisung ist dennoch ein gutes Statement. Die Streiche sollten auf einer freundschaftlichen, einverständlichen Basis erfolgen.»

Wichtig ist, dass das Lagerprogramm ohne Störung durchgeführt werden kann. «Unnötiger Stress steht dem Sinn des Lagers im Weg», sagt Thomas Hoesli. Kinder und Jugendliche sollen positive Erlebnisse aus den Lagern mitnehmen. «Wir wollen allen Teilnehmenden ein tolles Lager bieten! Am besten besuchen sich die Gruppen also einfach mit Vorankündigung. So kommt niemand und nichts zu Schaden.»

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