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PFLEGE: Bei Stadt-Spitex ist Pflege am teuersten

Die Spitex Stadt Luzern ist deutlich teurer als andere Anbieter. Das ruft nun Politiker auf den Plan.
Bild: Quelle: Spitex-Organisation und Verband Luzerner Gemeinden

Bild: Quelle: Spitex-Organisation und Verband Luzerner Gemeinden

Beatrice Vogel

Die Finanzierung der ambulanten Pflege durch Spitex-Dienste funktioniert so: Jede Spitex hat einen Vollkostentarif das sind die Kosten, welche für eine Behandlung anfallen. So verrechnet etwa die Spitex Stadt Luzern 129.68 Franken pro Stunde für Grundpflege. Davon übernimmt die Krankenversicherung 54.60 Franken, der Klient bezahlt maximal 15.95 Franken pro Tag. Der restliche Betrag wird von der Gemeinde übernommen. In diesem Beispiel sind das 59.13 Franken, wenn der Dienst eine Stunde pro Tag beansprucht wird. Dies ist im Gesetz über die Pflegefinanzierung so festgelegt.

Nun hat aber jede Spitex ihren eigenen Vollkostentarif. Die Unterschiede sind beträchtlich (siehe Tabelle). Während die Restfinanzierung für Grundpflege durch die Stadt Luzern bei der Spitex Luzern 59.13 Franken beträgt, bezahlt die Stadt für dieselbe Leistung bei der Spitex-Pflege Vita nur 9.95 Franken, da deren Vollkostentarif niedriger ist.

Warum so grosse Unterschiede?

Dies hat die SVP-Fraktion des Grossen Stadtrats auf den Plan gerufen. In einer Interpellation möchte sie vom Stadtrat wissen, wie sich die grossen Differenzen begründen lassen, und was von der Stadt unternommen wird, dass Klienten eine günstigere Spitex wählen. «Wir haben das Interesse, dass möglichst viele Klienten eine günstigere Spitex-Lösung wählen, da dies die Restkosten der Stadt reduzieren würde», sagt der Stadtluzerner SVP-Präsident und Interpellant Peter With.

Die SVP könnte sich eine Art Bonussystem vorstellen, bei dem die Stadt dem Klienten die Selbstbeteiligungskosten abnehmen würde, sollte die Stadt durch einen Spitex-Wechsel Kosten einsparen. «Uns geht es darum, grundsätzlich zu klären, wie die Leistungsvereinbarungen aussehen und ob eine Kostenoptimierung möglich ist», erklärt With. «Mich interessiert, warum die Vollkosten der Spitex Stadt Luzern so hoch sind.»

Auf diese Frage antwortet der Spitex-Präsident Urs Steger mit einem Verweis auf die umfassende Leistungsvereinbarung mit der Stadt. Die Spitex Luzern hat eine Aufnahmepflicht und muss alle Klienten betreuen. Private Organisationen dürfen Klienten auch ablehnen. «Das heisst konkret, dass wir nicht nur jeder Anfrage Folge leisten, sondern auch die entsprechenden organisatorischen und personellen Vorkehrungen treffen müssen, um beispielsweise bei einem Anruf um 2 Uhr nachts für einen Kurzzeiteinsatz in ein entlegenes Gebiet der Stadt zu fahren. Solche Dienstleistungen werden von privaten Spitex-Organisationen nur erbracht, wenn sich der Auftrag finanziell lohnt.» Darüber hinaus werde die Spitex Luzern die Interpellation der SVP in Abstimmung mit dem Sozialdepartement der Stadt «abschliessend und ausreichend» beantworten, so Steger.

Qualität bei allen gleich

Alle Spitex-Organisationen mit Sitz in der Stadt Luzern haben eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt dies ist nötig, damit die Stadt qualitative Vorgaben für die Leistungserbringung machen kann und die Organisationen die Restfinanzierungskosten direkt mit der Stadt abrechnen können. Private Anbieter haben dieselben Auflagen wie die Spitex Luzern, wie Pascale Ceresola, Geschäftsleiterin der Gepflegt-Spitex, betont. Es gebe keine qualitativen Unterschiede, da die gesetzlichen Vorgaben und die Anforderungen für eine Bewilligung bei allen gleich seien. Ceresola findet es deshalb gut, dass das Thema politisch auf den Tisch kommt. «Es geht nicht darum, die Vereinbarung mit der öffentlichen Spitex anzugreifen, sondern darum, alle gleich zu behandeln und Transparenz zu schaffen.»

Tariferhöhung schwierig

Wie erklärt sich Ceresola die deutlich günstigeren Tarife der anderen Spitex-Organisationen? «Wir errechnen unseren Vollkostentarif anhand unseres Budgets. Warum die öffentliche Spitex einen so viel höheren Tarif hat, ist mir ein Rätsel.» Die tiefen Tarife machen allerdings manchen Privaten auch Sorgen, wie Ceresola weiss: «Jene mit sehr tiefen Tarifen haben Mühe, diese zu erhöhen», sagt sie. «Private werden oft als Profitorganisationen dargestellt. Dem ist aber nicht so.»

Übrigens: Die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Spitex Luzern wurde 2010 für die Jahre 20112013 vereinbart. Seither wurde die Leistungsvereinbarung nicht mehr via Parlament verlängert. «Wir möchten auch wissen, ob das einfach stillschweigend verlängert wurde», sagt Peter With.

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