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PFLEGE: Sie erfüllt den letzten Wunsch

Für Susanne Imfeld gehörte der Tod zum Berufsalltag. Im Viva Luzern Eichhof hat sie die Palliative-Care-Abteilung aufgebaut, jetzt geht die 65-Jährige in Pension. Sie kann sich vorstellen, dereinst hierher zurückzukehren.
Sandra Monika Ziegler
Susanne Imfeld (65) an einem Gedenktisch in der Pallative-Care-Abteilung im Viva Luzern Eichhof. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 21. Juli 2017))

Susanne Imfeld (65) an einem Gedenktisch in der Pallative-Care-Abteilung im Viva Luzern Eichhof. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 21. Juli 2017))

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Mit guten Genen, Energie und Lebensfreude – wie sie selber sagt – arbeitet Susanne Imfeld (65) als Leiterin der spezialisierten Palliative-Care-Abteilung von Viva Luzern Eichhof. Oder besser: arbeitete. Heute ist ihr letzter Arbeitstag, sie geht in Pension. Ganz von der Bildfläche verschwindet sie aber nicht: «Ich bleibe dem Haus für die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Palliative Care noch ein bisschen erhalten.» So werde sie ab und an Klassen der Höheren Fachschule vor Ort erklären, wie sich Palliative Care in Akut-, Langzeit- und Hospizarbeit unterscheidet und wie sie umgesetzt wird.

Die Sensibilisierung bei diesen Tabuthemen sei sehr wichtig, sagt Imfeld, die in den letzten zehn Jahren die Palliative Care im Eichhof aufgebaut hat. Zum ­einen, um bei einem breiten Publikum für die Enttabuisierung zu werben, und zum anderen, um alle Möglichkeiten aufzuzeigen, um Betroffenen und Pflegenden die professionelle Palliative Care näherzubringen.

Früh gelernt, Abschied zu nehmen

Sie selbst musste im Privaten schon früh lernen, Abschied zu nehmen. «Ich habe in Jugendjahren meinen Bruder verloren. Das prägt und rückt den Tod mitten ins Leben», erzählt Imfeld. Weitere einschneidende Erlebnisse waren der Tod ihrer Mutter, ihres Kindes und später ihres Lebenspartners. Imfeld lächelt und sagt: «Schon meine Brüder sagten immer Üsi Schwoscht isch es Steh­ufmändli›, sie hatten wohl Recht damit.» Denn nach jedem Todesfall kam über kürzer oder länger die Lebensfreude zurück.

Ein Umstand, der ihr auch in der Arbeit zugutekommt. Denn für die Menschen, die auf «ihre» Abteilung kommen, ist das meist die letzte Station. Die Abteilung verfügt über sieben Zimmer. Durchschnittlich bleibt hier eine Person während rund 13 Tagen. Letztes Jahr waren es 76, im Jahr zuvor 85 Personen. «Der Tages- und Nachtablauf richtet sich ganz nach ihren Wünschen», erzählt Imfeld. Da es sich oft um letzte Wünsche handelt, wird für deren Erfüllung alles Menschenmögliche unternommen. Was sind die letzten Wünsche? Imfeld: «Das ist bei jedem anders, es geht von einer Reise ans Meer bis zu einer speziellen Mahlzeit, kann ein Musikstück sein oder ein Erdbeertörtchen.» Auch hätte mal ein Patient den Wunsch geäussert, noch einmal mit nackten Füssen über eine Wiese zu gehen. Dieser Wunsch konnte gut erfüllt werden im nahen Park.

Sterben braucht Vorbereitung

Sterben, so Imfeld, habe immer mit Loslassen zu tun, brauche ­einen gewissen Freiraum. Damit sind der Sterbende wie auch seine Nächsten gefordert. So komme es vor, dass gewartet werde, bis alle das Zimmer verlassen hätten, bis der Geburtstag vorbei sei oder ein Enkel geboren worden sei.

Auf die Palliative-Care-Abteilung kommen oft Tumorpatienten. Doch nicht immer seien sie gut vorbereitet für die letzte Reise. Hier bestehe Handlungsbedarf: «Wenn jemand zum Beispiel mit einer Tumordiagnose konfrontiert wird, wäre es wichtig, dass er sich gleich Gedanken macht, wie und wo er sterben will.» Auch sollte eine Patientenverfügung ausgefüllt sein, so Imfeld und fügt an: «Und das alles sollte mit den Nächsten diskutiert werden.» Für Angehörige sei es ungleich schwerer, wenn keine klaren Ansagen da sind.

Susanne Imfeld hat sich auch schon mit ihrem eigenen Sterben auseinandergesetzt: «Das steht alles in einem Ordner geschrieben.» So wolle sie kremiert werden, habe die Musik ausgewählt und die Art der Abdankung bestimmt. Und was ist, wenn sie selber eine terminale Diagnose bekommt? «Dann könnte ich mir vorstellen, auf dieser Palliative-Station zu sterben», sagt sie unumwunden. «Ja, warum nicht, hier habe ich ein gutes Gefühl, weiss, wie das Team arbeitet.»

«Flachlandindianerin» erlag dem Reiz der Berge

Aufgewachsen ist Susanne Imfeld in einer Grossfamilie in der Nähe von Kerzers auf einem Bauernhof. Ihr beruflicher Weg führte sie von der Ausbildung zur Krankenschwester in die Anästhesie, dann zur Intensivpflege und weiter zur Vizeoberschwester einer Kaderschule. Ein Beruf in einer anderen Sparte war für sie nie ein Thema.

Zur Palliative Care wurde sie von zwei befreundeten Hausärzten angeschubst. «Mitte fünfzig hab ich mich dann dazu entschieden.» Anfängliche Bedenken, dass sie das nicht könnte, verschwanden peu à peu. Rückblickend war es der richtige Weg. Und was unternimmt sie für die Work-Life-Balance? Imfeld, die sich in jungen Jahren als «Flachlandindianerin» bezeichnete, erlag dem Reiz der Berge: «Je höher, je karger, je besser. Das Archa­ische fasziniert mich, gibt mir enorm viel Ruhe.» Kein Wunder, hat sie sich auf dem Eiger verlobt. Jetzt nach der Pensionierung hat sie vermehrt Zeit für ihre Leidenschaft. Sie wohnt in Engelberg und hat die Berge in Sichtweite.

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