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PFLEGEAUSBILDUNG: Viele Lehrlinge in den Heimen

Wer nicht genügend Pflegeausbildungsplätze anbietet, muss zahlen. 2015 war mehr als jeder dritte Spitex-Betrieb davon betroffen. Die Heime sind hingegen fast alle Musterschüler.
Roseline Troxler
Eine angehende Pflegefachfrau mit einer Bewohnerin im Alterszentrum Dreilinden in der Stadt Luzern. (Bild Pius Amrein)

Eine angehende Pflegefachfrau mit einer Bewohnerin im Alterszentrum Dreilinden in der Stadt Luzern. (Bild Pius Amrein)

Roseline Troxler

Da Spitex-Organisationen und Pflegeheime zu wenig Nachwuchs ausbilden, hat der Kanton ein Anreizsystem in Kraft gesetzt. Wer zu wenig Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt, zahlt einen Malus. Gleichzeitig wird belohnt, wer mehr ausbildet als vorgeschrieben. Im letzten Jahr wurde den Organisationen erstmals ein Malus in Rechnung gestellt.

8000 Franken für fehlenden Platz

Bei der öffentlichen Spitex waren im Jahr 2014 total 20 von 30 Betrieben vom Malus betroffen. Für 2015 müssen nur noch 13 eine Strafe zahlen. Der Malus pro fehlenden Ausbildungsplatz liegt bei jährlich 8000 Franken. Peter Schärli, Ebikoner Gemeinderat und Präsident des Spitex-Kantonalverbands Luzern, schätzt den Gesamtbetrag für die Malus-Zahlung auf 60 000 Franken. Dieser Betrag wird nun anteilsmässig an die übrigen Spitex-Betriebe ausgeschüttet, welche ihr Ausbildungssoll überschritten haben. Allerdings: Diese Musterschüler hätten aufgrund des Bonus-Malus-Systems einen weit höheren Betrag zugute. Denn für jeden zusätzlich geschaffenen Ausbildungsplatz gibt es einen Bonus. Für das Jahr 2015 stünde den vorbildlichen Spitex-Betrieben ein Bonus von total 530 000 Franken zur Verfügung. Effektiv ausbezahlt werden ihnen aber nur die 60 000 Franken, welche die anderen als Strafe zahlen (siehe Tabelle). Noch extremer ist es bei den Pflegeheimen. Da dort 56 Betriebe ihr Soll übertreffen, beläuft sich die Bonussumme auf 2 Millionen Franken. Doch tatsächlich ausbezahlt werden ihnen nur 11 000 Franken – so viel kommt als Malus von 6 Pflegeheimen zusammen, die ihr Soll nicht erreichten.

Pflichtzahl wird verdoppelt

Die grosse Mehrheit der Pflegebetriebe kommt ihrer Ausbildungspflicht also nach. Doch die Zahl der Ausbildungsplätze ist nicht überall gestiegen – im Gegenteil. So wurden im letzten Jahr nur noch 73 Fachangestellte Gesundheit (siehe Box) ausgebildet, 10 weniger als noch im Vorjahr. Bei den Pflegefachpersonen mit einem tertiären Abschluss haben die Zahlen bei 23 stagniert. Was die Spitex-Organisationen betrifft, sei der Wille zur Ausbildung da, sagt Peter Schärli – schliesslich seien zwei Drittel der Organisationen Ausbildungsbetriebe. Allerdings werden die Betriebe in den nächsten Jahren noch viel stärker in die Pflicht genommen. Der Kanton plant nämlich, bis 2020 die Anzahl der Pflichtausbildungsplätze zu verdoppeln. Das bereitet Peter Schärli Sorgen. «Die Ausbildungspflicht ist eine gute und auch notwendige Massnahme, aber es muss überprüft werden, ob eine Erfüllungspflicht zu 100 Prozent machbar ist», so Schärli. Schwierigkeiten ortet er vor allem bei den Pflegefachpersonen der höheren Fachschulen (HF) sowie der Fachhochschulen (FH). «Junge mit einem tertiären Abschluss zieht es in die Spitäler.» Künftig wollen die Spitex-Organisationen noch vermehrt auf Ausbildungsverbünde setzen. «So können auch kleinere Organisationen leichter Ausbildungsplätze anbieten.»

Die Ausbildungspflicht gilt auch für die privaten Spitex-Organisationen im Kanton Luzern. Zahlen, wie viele dieser Organisationen Ausbildungsplätze anbieten, sind noch nicht erhältlich.

Mehr Bewerber als Lehrstellen

Die gute Bonus-Malus-Bilanz der Pflegeheime lässt darauf schliessen, dass auch dort sehr viel in die Ausbildung investiert wird. Bei den Fachangestellten Gesundheit werden in den Pflegeheimen viel mehr als die geforderten Plätze angeboten: 190 Lehrlinge müssen die Heime ausbilden. Doch sie bieten 420 Plätze an. Die Nachfrage wäre sogar noch höher, wie Roger Wicki, Präsident des Heimverbands Curaviva Luzern, sagt: «Bei den Fachangestellten Gesundheit sowie den Assistenten Gesundheit und Soziales haben wir viel mehr Bewerbungen, als wir berücksichtigen können.» Bei den jungen Frauen sind die Lehrstellen sehr beliebt. «Junge Männer lassen sich hingegen kaum im Pflegebereich ausbilden. Grundsätzlich gilt allerdings: Je urbaner der Ort, desto mehr Männer arbeiten in der Pflege.»

Es braucht auch erfahrenes Personal

Die demografische Entwicklung führt dazu, dass die Anzahl Stellen im Pflegebereich stark ansteigen wird. Dennoch betont Wicki, dass nicht beliebig viele Lehrlinge ausgebildet werden können. «Es braucht im Betrieb jeweils immer auch genügend Personal, welches die Lernenden begleitet und unterstützt.»

Obwohl viele Plätze angeboten werden, gibt es laut Wicki vor allem bei den Pflegefachpersonen FH und HF viel Luft nach oben. Hier fehlen in den Pflegeheimen 69 Plätze. So werden erst deren 57 angeboten. Dass nicht mehr Heime eine Strafe zahlen müssen, liegt daran, dass alle Plätze summiert werden. Eine Pflegefachperson FH und HF wird zwar stärker gewichtet als eine Attestlehrstelle. Dennoch ist es möglich, dass die Ausbildungspflicht bloss mit Attestlehrstellen und Fachangestellte Gesundheit erfüllt werden kann.

Wicki sagt zu den Gründen, dass bei der Tertiärstufe Ausbildungsplätze fehlen: «Die Betriebe sind daran, Ressourcen aufzubauen. Um Pflegefachpersonen HF auszubilden, braucht es auch ausgebildete Berufsbildner.» Laut Wicki gibt es zunehmend Pflegeheime, die mit Spitälern oder der Spitex zusammenarbeiten. «Die Pflegefachpersonen HF arbeiten im Pflegeheim, erhalten aber bei einem Praktikum wertvolle Einblicke in verschiedene Arbeitsfelder des Gesundheitswesens.» Wicki rechnet damit, dass dieses Modell künftig vermehrt zum Zug kommt.

Wird das System wieder geändert?

Wicki schliesst nicht aus, dass die für das Bonus-Malus-System zuständige Kommission beim Regierungsrat einen Antrag stellen könnte, die Ausbildungspflicht zu ändern. «So wäre es möglich, dass Ausbildungsplätze für Pflegefachpersonen HF anders gewichtet würden.» Der Präsident von Curaviva Luzern geht allerdings davon aus, dass die Heime auch von sich aus mehr Stellen schaffen werden. Das Anreizsystem sei aber erst seit zwei Jahren in Kraft. «Es braucht noch Zeit, um definitive Rückschlüsse zu ziehen.»

Grafik: Wer Geld zahlt und wer Geld erhält (Bild: Neue Luzerner Zeitung)

Grafik: Wer Geld zahlt und wer Geld erhält (Bild: Neue Luzerner Zeitung)

Jolanda Achermann Sen, Stadträtin von Sursee, präsidiert die zuständige Kommission. Sie sagt: «Im Juni entscheiden wir, ob wir das ganze System evaluieren und welche Fragestellungen wir allenfalls bearbeiten.» Achermann bezeichnet die stufenweise Erhöhung der Ausbildungspflicht als fair. Sie zieht eine positive Bilanz des Bonus-Malus-Systems: «Bei den Pflegeheimen funktioniert die Ausbildung sehr gut, auch die Spitex hat neue Ausbildungsplätze geschaffen.»

Die Berufe im Pflegebereich

  • Pflegefachperson Fachhochschule (FH): Die Ausbildung entspricht einem Bachelor. Für die Ausbildung ist die Berufsmatura notwendig. Pflegefachleute FH übernehmen anspruchsvolle praktische Aufgaben sowie Führungsverantwortung. Sie entwickeln Pflegemassnahmen und beteiligen sich an der Qualitätssicherung und an Forschungsprojekten.
  • Pflegefachpersonen höhere Fachschule (HF) pflegen und betreuen Patienten. In der Gesundheitsförderung und der Qualitätssicherung leisten sie wichtige Beiträge. Das Diplom kann in drei Jahren erlangt werden.
  • Fachleute Gesundheit (Fage) übernehmen medizinaltechnische Arbeiten. Dazu gehören Wechseln von Verbänden, Entnehmen von Blut oder Spritzengeben. Die Lehre dauert drei Jahre.
  • Assistenten Gesundheit und Soziales helfen Patienten beim Essen, beim An-/Ausziehen, beim Waschen oder auf der Toilette. Die Attestlehre dauert zwei Jahre.

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