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Pflegeheime in der Region Luzern: Weniger Bewohner und höhere Ansprüche

Angespannter Arbeitsmarkt, Sanierungen, neue Anforderungen in Sachen Informatik: Trotz sinkender Auslastung werden die Betriebskosten für einige Pflegeheime in der Region Luzern steigen. Eine Herausforderung für Gemeinden und Städte.
Simon Mathis
Blick ins Altersheim Zunacher in Kriens. (Archivbild: Dominik Wunderli, 12. September 2017)

Blick ins Altersheim Zunacher in Kriens. (Archivbild: Dominik Wunderli, 12. September 2017)

Pflegeheime haben heutzutage einen schweren Stand. Die Senioren bleiben länger zu Hause; und wenn sie doch ins Heim müssen, wollen sie es möglichst schnell wieder verlassen. Seit Jahren herrscht auch in der Region Luzern ein Überangebot an Pflegebetten. Zumal der Druck weiter zunehmen wird. Und zum grössten Teil sind es die Gemeinden und Städte, die diese Institutionen tragen.

In der Region Luzern gibt es insgesamt 2758 Pflegebetten. 2107 von ihnen – also drei von vier – werden direkt oder indirekt von den Gemeinden betrieben. Diese stehen vor grossen Herausforderungen. Denn das Betreiben von Pflegeheimen wird weder einfacher noch billiger. Das zeigt eine Umfrage unserer Zeitung unter den zuständigen Direktionen. Die Verantwortlichen befinden sich in einer Art Dürrestrecke: Zurzeit mehren sich die leeren Betten, in acht bis zehn Jahren soll der Bedarf nach Betten aber wieder markant steigen.

112'000 Franken pro Jahr und Bett

«Die Auslastung wird dann vermutlich nicht mehr das Problem sein, sondern andere Herausforderungen», sagt Paolo Hendry, der die Stadtluzerner Abteilung Alter und Gesundheit leitet. Eines dieser Probleme könne etwa sein, dass es zu wenig Pflegepersonal für die stark wachsende Anzahl Pflegebedürftige gebe. «Als Antwort auf diese Herausforderungen braucht es neue Lösungsansätze, sowohl im stationären, ambulanten und präventiven Bereich», so Hendry. Mittelfristig aber bleiben die leeren Betten ein Problem. «Seit etwa zwei Jahren ist ein Rückgang bei der Auslastung der Heime im Kanton Luzern zu beobachten», sagt Paolo Hendry.

«Problematisch ist deshalb nicht in erster Linie der steigende Betriebsaufwand, sondern entfallende Einnahmen angesichts leerer Betten.»

Insbesondere für kleinere Heime sei es schwierig, die Kosten zeitnah in möglichst gleichem Ausmass zu reduzieren. Roger Wicki, Präsident des Kantonalverbands der Pflegeheime Curaviva Luzern, schätzt die Lage ähnlich ein: «Ich gehe davon aus, dass die Kosten steigen werden.»

Dafür gebe es drei Gründe: erstens der angespannte Arbeitsmarkt, zweitens die sinkende Auslastung und drittens die steigenden Anforderungen in Sachen IT und elektronische Gesundheitsdienste (E-Health) sowie geplante Sanierungen und Ersatzbauten. In der Region Luzern liegt der Betriebsaufwand pro Bett und Jahr durchschnittlich bei 112'100 Franken (siehe Tabelle unten). Der Aufwand für ein Pflegebett wird durch zwei Hauptfaktoren bestimmt: durch den Grad der Pflegebedürftigkeit einerseits, durch die Auslastung andererseits. Beides hat eine Auswirkung darauf, wie viele Pflegestunden benötigt werden.

Das sagen die Gemeinden zu ihren Pflegeheimen:

«Der Betriebsaufwand wird steigen», sagt auch die Rooter Gemeinderätin Margrit Künzler, die den Stiftungsrat der Alterssiedlung Root präsidiert. Unter anderem deshalb, weil Bewohner und Angehörige immer höhere Ansprüche hätten. Hinzu kommt, dass sich die Betten in Root nicht von alleine füllen. Künzler: «Wir müssen aktuell Marketing betreiben, um Betten auszulasten.»

Das sei vor fünf Jahren noch nicht der Fall gewesen. «Aufgrund des Überangebotes an Pflegebetten wird es in Zukunft schwierig werden, eine ausgeglichene Rechnung zu präsentieren», sagt der Horwer Gemeinderat Oskar Mathis. «Das wird unseren Betrieben eine höhere Flexibilität abverlangen.» Kürzere Aufenthaltszeit und vermehrte Spitalaufenthalte führen zu einem höheren Verwaltungsaufwand, ergänzt die Malterser Sozialvorsteherin Christine Buob.

Eine grosse Herausforderung stellt laut dem Emmer Sozialdirektor Thomas Lehmann der Personalaufwand dar:

«Gut ausgebildetes und motiviertes Personal ist der Schlüssel zum Erfolg eines Betagtenzentrums. Investitionen ins Personal lohnen sich in der Regel.»

Ein Abbau der Betten ist zurzeit nur selten anzutreffen. Eine Ausnahme bildet die Gemeinde Ebikon: Ende 2017 baute sie 13 Betten ab, was laut dem Ebikoner Gemeinderat Ruedi Mazenauer mit einem Stellenabbau einherging. Anfang 2018 wurde bekannt, dass Buchrain in letzter Sekunde auf einen Ausbau des Alterszentrums Tschann verzichtet. Sozialvorsteher Stephan Betschen erläutert: «Die Betriebskosten hätten zu einem jährlichen Defizit von etwa 600'000 Franken geführt.»

Er nennt den damaligen Entscheid «mutig», da er insbesondere gegenüber Interessengruppen wie «Bueri Aktiv 60+» gerechtfertigt werden musste. In der Zwischenzeit hat die Gemeinde eine teilweise Neuausrichtung des bestehenden Alterszentrums geprüft, die sie noch in diesem Monat vorlegen will.

Kriens will ausbauen

Dass ein «eigenes» Pflegeheim in der Heimatgemeinde nach wie vor ein reger Wunsch sein kann, zeigt das Pflegezentrum Riedbach in Adligenswil. Private Investoren aus der Gemeinde trieben 2015 innerhalb von drei Monaten 12 Millionen Franken für das Bauprojekt auf. Das Riedbach öffnete am vergangenen Mittwoch – und hat bekanntlich ein Auslastungsproblem.

Indes leiden nicht alle Pflegeheime unter leeren Betten – Beispiel Meggen: «Wir gehen angesichts der Bevölkerungsstatistik und Altersstruktur der Einwohner von einer stets hohen Belegung der Pflegebetten im Alters- und Pflegezentrum Sunneziel aus», sagt Gesundheitsvorsteher Olivier Class. Und die Stadt Kriens sieht gar einen Bedarf für mehr Pflegebetten. Bis im Jahr 2020 will die Stadt deren Zahl von 272 auf 314 erhöhen.

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