Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Psychiatrie: Patienten haben Pflegerin überwältigt und sind dann geflohen

In der Luzerner Psychiatrie kam es im Februar zu einem brutalen Übergriff auf eine Pflegefachfrau. Teile der Belegschaft kritisierten nun gegenüber der Geschäftsleitung das Sicherheitskonzept und verlangen Verbesserungen.
Thomas Heer
Die psychiatrische Klinik beim Luzerner Kantonsspital. (Bild: Boris Bürgisser, 16. September 2016)

Die psychiatrische Klinik beim Luzerner Kantonsspital. (Bild: Boris Bürgisser, 16. September 2016)

Das Schreiben an den CEO der Luzerner Psychiatrie, Peter Schwegler und die anderen Mitglieder der Geschäftsleitung, wurde Ende Juni versandt. Als Absender unterzeichnete das Pflegeteam der Station im 2. Obergeschoss der Stadtluzerner Akutpsychiatrie. Der Brief beginnt wie folgt: «Das massive Aggressionsereignis vom 03.02. 2018 ist immer noch sehr präsent auf der Abteilung und beschäftigt uns alle weiterhin.»

Der angetönte Vorfall ereignete sich während der Nachtschicht an besagtem 3. Februar. Eine Fachfrau begab sich alleine auf den sogenannten Rundgang. Die Pflegerin schaute also nach, ob bei den Patientinnen und Patienten alles in Ordnung ist. Zwei Jugendliche, im Alter von zirka 15 Jahren, war es zur vorgerückten Stunde jedoch nicht ums Schlafen. Sie führten anderes im Schilde. Also warteten sie auf den – aus ihrer Sicht – günstigsten Moment, überwältigten die Frau, würgten und schlugen sie und entrissen der Wehrlosen danach die Schlüssel. Damit hatten sie erreicht, was sie wollten, nämlich sich aus der Klinik zu stehlen. Der Gang in die Freiheit war aber nur von kurzer Dauer. Denn nach nicht einmal einer Stunde wurden die beiden Ausreisser von der Polizei aufgegriffen.

Alarmsystem funktionierte nur unzureichend

Während des tätlichen Übergriffs vom Februar funktionierte das Alarmsystem in der betroffenen Lups-Abteilung nicht so wie vorgesehen. Denn das Gewaltopfer war nicht alleine auf der Etage. Eine weitere Person war noch zugegen. Diese erhielt zwar die Alarmmeldung. Das aber erst ein paar Minuten nach dem verhängnisvollen Vorfall.

Daher kann es nicht erstaunen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber der Lups-Geschäftsleitung schriftlich festhielten: «Dadurch ist unser Vertrauen in das Alarmsystem massiv erschüttert.» Neben dem bereits beschriebenen Vorfall kam es in jüngster Zeit wiederum zu Problemen. «Es gibt weiterhin viele Fehlalarme, nicht ausgelöste Alarme, Alarme, welche erfolgen, ohne ausgelöst zu werden, falsche Standortbeschreibungen, massive Verzögerungen. Gerade am 06. 06. 2018 fiel das Alarmsystem für 24 h komplett aus. In der Nacht vom 22./23.06. 18 konnte die Hälfte der Mitarbeiter keinen Alarm empfangen.» So lauten weitere, an die Adresse der Lups-Chefetage gerichtete, Feststellungen.

Die Klinik rüstet im Oktober auf

Ein Teil des Lups-Personals fordert daher, dass künftig der Schulung im Bereich Aggressionsmanagement weiterhin eine grosse Bedeutung beigemessen wird. Als geeignete Sofortmassnahme bringen die Lups-Angestellten den Beizug eines Security-Mannes ins Spiel. Die dringlichste Forderung formulieren die Betroffenen in ihrem Schreiben wie folgt: «Für uns hat auf einer Akutstation ein sicheres und funktionierendes Alarmsystem oberste Priorität.» Diese Forderung deckt sich im Übrigen auch mit dem Lups-Konzept zu Sicherheit und Gesundheitsschutz, in dem diese Aspekte als «oberstes Ziel» deklariert werden.

Thomas Lemp, Personalchef der Luzerner Psychiatrie, schreibt auf Anfrage: «Alle unsere Mitarbeitenden besuchen regelmässig Weiterbildungen in sogenannten Aggressionsmanagementkursen. Wir legen grossen Wert darauf, unsere Leistungen immer wieder kritisch zu hinterfragen und uns zu verbessern. Aufgrund regelmässig durchgeführter Risikoanalysen werden laufend Massnahmen, so auch im Bereich der Sicherheit, umgesetzt.»

«Trotz aller Präventionsmassnahmen gibt es keine hundertprozentige Sicherheit – insbesondere im schwierigen und sensiblen Umfeld der Psychiatrie.»

Weiter hält Lemp fest, dass das Alarmsystem im Verlaufe des kommenden Oktobers verbessert werde. Die Geschäftsleitung habe sich umgehend und intensiv mit der Thematik befasst und verschiedene Massnahmen beschlossen. Dies in Absprache mit dem Team vor Ort. Ein entsprechender Auftrag sei bereits ausgelöst worden.

Kostenpunkt für die Verbesserung des Alarmsystems: 45 000 Franken. Ganz generell macht Lemp aber folgende Aussage: «Trotz aller Präventionsmassnahmen gibt es keine hundertprozentige Sicherheit – insbesondere im schwierigen und sensiblen Umfeld der Psychiatrie.»

Übrigens: Gegen die zwei Ausreisser und Gewalttäter wurde Anzeige erstattet. Die beiden seien, so Lemp, in eine andere Institution mit forensischem Hintergrund verlegt worden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.