Pflicht zur Kastration geht Bauern zu weit

Soll man eine Kastrationspflicht für streunende Katzen einführen? Der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband widerspricht. Man soll die Entscheidung jedem Bauer selbst überlassen.

Emanuel Schüpfer
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Die Debatte um die Zwangskastration polarisiert. (Bild: Birgit Scheidegger)

Die Debatte um die Zwangskastration polarisiert. (Bild: Birgit Scheidegger)

Es steht nicht gerade gut um die Schweizer Katzenwelt: Hunderttausende Katzen fristen ihr Leben als Streuner und ziehen durch Wälder, Dörfer und Städte. Dort vermehren sie sich ungebremst. Dem könnte eine umfassende Kastrationspflicht Einhalt gebieten. Eine dazugehörige Petition konnte 115'000 Menschen überzeugen.

Die Idee einer Zwangskastration für Freigängerkatzen ist jedoch umstritten. «Über das Kastrieren der Hofkatzen soll jede Bäuerin und jeder Bauer selbst entscheiden», meint Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands. Bauernbetriebe sollen also den Hofkatzenbestand selber regulieren dürfen. «Einige Bauern wollen mehr, andere weniger Katzen.» Er appelliert an die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

Wertvoller Mäusejäger, schlecht für Vogelvielfalt

Katzen seien auf dem Hof nützlich, so Lütolf weiter. Die Verwandten von Löwe und Gepard nehmen den Bauern nämlich eine grosse Last ab:

«Katzen sind wertvolle Mäusejäger und halten so den Mäusebestand niedrig.»

Allerdings seien auch zu viele Katzen nicht ideal, sagt der Bauernverbandspräsident. «Zu viele freilaufende Katzen wirken sich schlecht auf die Artenvielfalt der Vögel aus. Katzen jagen auch Vögel und können so den Fortbestand verschiedener Vogelarten gefährden.» Dennoch sei eine Kastrationspflicht das falsche Mittel. Lieber will Lütolf auf Aufklärungskampagnen setzen.

Anders sieht dies die Zoologin und Verhaltensbiologin Eva Waiblinger. Sie ist Vorstandsmitglied des Verbands und Interessengemeinschaft der Ethologen und Tierpsychologen mit Ausbildung und befürwortet die Kastrationspflicht bei Katzen.

Waiblinger erklärt auch, was bei einem Eingriff passiert: «Bei der Kastration werden den Katzen die Keimdrüsen, also die Hauptquelle der Geschlechtshormone, entfernt. So wird eine Befruchtung verhindert.» Dies stellt den Hormonhaushalt der kleinen Vierbeiner auf den Kopf: «Die behandelten Tiere werden verträglicher, umgänglicher und friedlicher.»

Katze lässt auch kastriert das Mausen nicht

Trotz gegensätzlicher Positionen: Sowohl Waiblinger als auch Lütolf räumen mit dem Gerücht auf, wonach kastrierte Katzen weniger jagen. «Dass Katzen nach der Kastration weniger mausen oder gar dick werden, ist ein Mythos. Die Kastration hat keinen nachweisbaren Einfluss auf den Mauserfolg», sagt die Verhaltensbiologin Eva Waiblinger.

Und Bauernverbandspräsident Jakob Lütolf fügt an: «Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Unsere Katzen sind kastriert und mausen genau gleich gut wie vor der Kastration.»