PHZ: Schon die Kleinsten arbeiten mit iPads

Computer gehören bereits zum Schulalltag: Zwei Studentinnen gehen nun einen Schritt weiter und führen das iPad ein – im Kindergarten.

Daniel Schriber
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PHZ-Absolventin Karin Mathis testete in der Schule Kerns den Einsatz von Tablet-Computern im Kindergarten und an der Primarunterstufe. (Bild: PD)

PHZ-Absolventin Karin Mathis testete in der Schule Kerns den Einsatz von Tablet-Computern im Kindergarten und an der Primarunterstufe. (Bild: PD)

Eine Gruppe Kinder, alle um die 6 Jahre alt, sitzt an einem Tisch. Vor ihnen ein iPad. Auf dem Bildschirm läuft das Programm «Abc-Tiger Anlaute», das sich für wenig Geld aus dem Internet herunterladen lässt. Mit der «App» sollen die Kinder Lesen und Schreiben lernen. Geht das wirklich? Braucht es heute keine klassischen Arbeitsblätter mehr, sondern nur noch einen Tablet-Computer, um die wichtigsten Dinge in der Schule zu lernen? Wo liegen die Möglichkeiten und die Grenzen des Mediums iPad im Unterricht? Ab welcher Stufe ist es sinnvoll, mit Tablet-Computern zu arbeiten?

Diese Fragen standen am Anfang der Bachelorarbeit von Karin Mathis und Désirée Müller. Über mehrere Wochen beschäftigten sich die beiden Nidwaldner Absolventinnen der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) intensiv mit dem Einsatz von iPads auf Stufe Kindergarten und Primarunterstufe. Gestern durften sie mit anderen PHZ-Absolventen im KKL Luzern ihr Diplom entgegennehmen (siehe Box).

Keine Berührungsängste

Die erste Überraschung erlebten die Studentinnen bei der Einführungslektion mit dem iPad im Kindergarten der Schule Kerns. «Die meisten Kinder wussten längst, wie man das Gerät bedient», so die 22-jährige Mathis. Die meisten Kinder hätten zu Hause Zugang zu einem iPad. «Das hat mich schon erstaunt.» Mathis selbst besitzt kein eigenes iPad, sondern «nur» ein entsprechendes Smartphone.

Nach acht Wochen «Projekt iPad» ziehen die angehenden Lehrerinnen ein eindeutiges Fazit: «Wir würden ganz klar auch in Zukunft iPads einsetzen.» Zahlreiche clevere Lernprogramme würden die Tablet-Computer zu einem interessanten Lerngerät machen. «Und natürlich springen die Kinder auf die spielerischen Lernmethoden an», so Désirée Müller. Wichtig sei, dass die iPads punktuell und als Ergänzung eingesetzt würden – etwa in den Fächern Mathematik, Deutsch oder Bildnerisches Gestalten. «Ganz ohne klassische Lehrmittel geht es aber trotzdem nicht.»

Nicht geeignet als Spielzeug

Das sieht auch der Luzerner Medienpsychologe Stefan Caduff so. Auch er ist der Meinung, dass iPads oder andere Tablet-Computer durchaus schon im Kindergarten-Alter eingesetzt werden können. «Dies jedoch unbedingt in einem strukturierten Rahmen und in einem schulischen Kontext.» Die grosse Herausforderung von Lernspielen auf dem iPad sei der «Wissenstransfer in die reale Welt», so Caduff. Nicht geeignet sei das iPad als Spielzeug für Kindergärtler. «Zwischendurch ist das in Ordnung, der Zugriff auf das iPad sollte jedoch immer von den Eltern kontrolliert werden», so der Fachmann. Der Grund ist einfach: «Das iPad ist extrem attraktiv als Spielzeug, hilft in diesem Alter aber nur in wenigen Entwicklungsbereichen des Kindes.»

Nach den Sommerferien wird Karin Mathis eine Stelle als Kindergärtnerin in der Gemeinde Stans annehmen. Dass die Schule kommendes Jahr speziell das Thema Medien behandeln will, freut die PHZ-Absolventin besonders. Sie will schon früh ihre Erfahrungen aus dem «Projekt iPad» in den Schulalltag einfliessen lassen.