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PIERRE VOGEL: Radikaler Islam-Prediger ist zurück

Er wurde mit einem Einreiseverbot belegt, nachdem er in einer Krienser Schulhausturnhalle ohne Bewilligung gepredigt hatte. Jetzt ist der Islamist erneut in der Schweiz aktiv.
Christian Peter Meier
Der umstrittene deutsche Prediger Pierre Vogel in Bern. (Bild: Screenshot Facebook)

Der umstrittene deutsche Prediger Pierre Vogel in Bern. (Bild: Screenshot Facebook)

Christian Peter Meier

Der umstrittene salafistische Prediger Pierre Vogel (37) alias Abu Hamsa weilt derzeit wieder in der Schweiz – und macht daraus keinen Hehl. Auf seiner Facebook-Seite postet der Deutsche dieser Tage freimütig Bilder von seinem Aufenthalt in Basel und Bern. Unter anderem zeigen sie ihn bei Filmaufnahmen vor dem Bundeshaus und zusammen mit «Brüdern» auf der Bundes­terrasse. Das ist insofern bemerkenswert, als Pierre Vogel vom Staatssekretariat für Migration (SEM) 2009 mit einem Einreiseverbot (früher: Einreisesperre) belegt worden war. Mehr noch: Die Grenzwache in Basel hatte ihn damals tatsächlich auch physisch an der Einreise in die Schweiz gehindert. Der Sanktion vorausgegangen war ein Auftritt Vogels in der Turnhalle des Krienser Amlehnschulhauses, wo er vor 200 Besuchern auf Arabisch und Deutsch referierte. Die Krienser Behörden hatten im Vorfeld nichts vom Aufritt des Predigers gewusst.

Sperre: «Höchstens fünf Jahre»

Ist unterdessen die Einreisesperre gegen Pierre Vogel aufgehoben worden? Das SEM macht dazu auf Anfrage keine Angaben. Es verweist aber auf den entsprechenden Gesetzesartikel, wonach ein «Einreiseverbot für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt» wird. Für eine längere Dauer könne es ausgesprochen werden, «wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt». Somit ist tatsächlich davon auszugehen, dass der Prediger legal in der Schweiz weilt. Zumal ein Foto, das unserer Zeitung zugespielt wurde, Pierre Vogel in entspanntem Kontakt mit Berner Polizisten zeigt. Wäre er unrechtmässig in unserem Land, hätten sie ihn wohl aufgegriffen.

Als Missionar unterwegs

Auch über den Zweck seiner Reise macht Pierre Vogel im Internet Angaben. Er befinde sich auf einer «Dawa-Tour in der Schweiz», auf einem «Eroberungsfeldzug der Herzen». Dawa heisst auf Arabisch Einladung. Im Islam versteht man darunter offenbar die «Einladung» eines Muslims gegenüber einem Nichtmuslim, sich dieser Religion anzunähern.

Pierre Vogel ist also quasi als Missionar unterwegs. Auf eigene Faust? Oder allenfalls im Dienste des ebenfalls umstrittenen Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS), zu dessen Exponenten er Kontakte pflegt, wie sich auf den sozialen Medien nachweisen lässt? «Der Besuch von Pierre Vogel steht in keinem Zusammenhang mit dem Islamischen Zentralrat», macht Ferah Ulucay, IZRS-Generalsekretärin, klar: «Er weilt nicht in unserem Auftrag in der Schweiz.»

Gut möglich ist, dass Pierre Vogel auch im Rahmen der «Lies!»-Bewegung durch die Schweiz tourt. Diese verteilt in deutschen und Schweizer Städten den Koran an Fussgänger und hat eine möglichst grosse Verbreitung des Islams zum Ziel. Auch in Luzern war die Bewegung schon aktiv, wie unsere Zeitung bekannt machte. Deren Initiant, Ibrahim Abu Nagie, ist bekannt für eine radikale Auslegung des Korans – und er ist mit Pierre Vogel verbandelt. Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, hält die Organisation «Lies!» für sehr gefährlich, wie sie schon mehrfach in Medien sagte. Gegenüber dem «Blick» äusserte sie den Verdacht, dass die Propagandaaktion auch der Rekrutierung von Dschihadisten diene. Eine Untersuchung des deutschen Bundeskriminalamts erhärtet diesen Verdacht: Viele Dschihad-Reisende haben offensichtlich durch das «Lies!»-Projekt zum extremen Gedankengut gefunden.

Luzerner Polizei ist wachsam

Ob Pierre Vogel dieser Tage auch in Luzern auftaucht? Mit Blick auf die 2009 geknüpften Kontakte in unsere Region ist damit zu rechnen. Die Luzerner Polizei hatte gestern allerdings noch «keine Kenntnis» von Vogels Reisetätigkeit, wie Polizeisprecher Kurt Graf auf Anfrage sagte. Gleichzeitig versicherte er: «Auf Personen, die im Grenzbereich der Legalität unterwegs sind, richten wir ein gezieltes Augenmerk.»

Beim IS ist Vogel in Ungnade gefallen

Abtrünnigcpm. Dem salafistischen Prediger Vogel wird immer wieder vorgeworfen, er trage zur Radikalisierung junger Muslime bei. Auch der deutsche Verfassungsschutz ist dieser Meinung, selbst wenn Vogel in seinen Reden Terrorismus ablehne. Als Salafist lehnt Vogel jedoch jede theologische Modernisierung ab, ist gegen die westliche Demokratie und sieht eine «islamische Ordnung» mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Die Gefahr, dass der konvertierte Deutsche junge Männer zu Syrien-Reisen motivieren könnte, war allerdings auch schon grösser: Denn nun ist Pierre Vogel bei den IS-Terroristen offenbar in Ungnade gefallen. Im vom IS kontrollierten Onlinemagazin «Dabiq», das sich an eine dschihadistische Leserschaft wendet, wird Vogel jedenfalls als «abtrünniger Muslim» bezeichnet. «Abtrünnig» sind in den Augen der IS-Terroristen Leute, die den Islam anders auslegen als sie selber. Der Artikel ruft ausserdem dazu auf, alle abtrünnigen Prediger zu töten.

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