PILATUS: Winde legen Dragon Ride drei Tage lahm

Die neue Seilbahn ist viel windresistenter als die alte. Doch die Stürme dieser Woche waren auch für sie zu heftig.

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Die neue Pilatus- Luftseilbahn Dragon Ride. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ (Archiv))

Die neue Pilatus- Luftseilbahn Dragon Ride. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ (Archiv))

Die Zahnradbahn von Alpnachstad nach Pilatus Kulm hat den Dienst auf den Winter hin eingestellt. Die einzige Verbindung auf den Luzerner Hausberg besteht von der Fräkmüntegg aus mit der Luftseilbahn Dragon Ride, die letzten April neu eröffnet wurde. Doch wegen der anhaltend starken Winde fuhren von Montag bis gestern auch die beiden Panoramakabinen nicht. Ihr ­«aerodynamisch perfektes» Helikopter-Design, das bei der Eröffnung gelobt wurde, konnten sie nicht zeigen.

30 Seminaristen umquartiert

«Gegen die extremen Naturkräfte, die zurzeit am Pilatus herrschen, ist keine Technik gewachsen», sagt Godi Koch, der Geschäftsführer der Pilatus-Bahnen. Auf dem Gipfel wehten Winde von über 100 km/h. Man habe einer Gästegruppe von 30 Seminaristen absagen müssen. Für sie habe man ein alternatives Hotel in Luzern gefunden.

Die Seilbahn ist stark windexponiert, weil sie in Nord-Süd-Richtung verläuft. «West- und Südwestwinde fassen die Kabinen frontal von der Seite, sodass diese in Schräglage geraten und so die Einfahrten in die Stationen fast verunmöglichen», erklärt Koch. Sturmböen, wie sie momentan herrschen, seien «noch unberechenbarer und bringen die Kabine ins Schaukeln». Von Januar bis April habe man am meisten mit Wind zu kämpfen. Voraussichtlich könne der Betrieb aber heute wieder aufgenommen werden.

Bereits die Eröffnung musste wegen eines Sturmtiefs verschoben werden. Davon abgesehen habe man 2015 vom schönen Wetter profitiert, meint Koch: Die neue Bahn habe nur an zwei Tagen den Betrieb einstellen müssen. Sie hält Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h stand. Bei der Vorgänger-Seilbahn war bereits bei 40 km/h Schluss. Diese sei pro Jahr durchschnittlich an 25 oder mehr Tagen ausgefallen, erklärt Koch. Mit dem Dragon Ride hoffe man, diese Zahl auf zehn Tage reduzieren zu können.

Weniger extrem sind die Wetterbedingungen bei der Seilbahn von Weggis nach Rigi Kulm (Baujahr 1968). Aber auch sie fährt in diesen stürmischen Tagen nicht, erklärt Gery Pfyl, Leiter Seilbahnen bei der Rigi Bahnen AG. Kritisch werde es auch hier bei starkem Seitenwind, weil die Kabinen in Querpendelung gerieten. Dann stelle man die Anlage bereits bei Windgeschwindigkeiten zwischen 30 und 40 km/h ab. Weht der Wind in Fahrtrichtung, könne man auch bei Windgeschwindigkeiten zwischen 50 und 60 km/h fahren. 2015 habe man den Betrieb an keinem Tag wegen stürmischen Wetters gänzlich einstellen müssen.

Die Drehseilbahn Rotair auf den Titlis hält wie der Dragon Ride Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h stand, erklärt Peter Reinle, Leiter Marketing bei den Titlis-Bahnen. «Die runde Kabinenform ist aerodynamisch ideal», meint er. Ob die Bahn mit Baujahr 1992 tatsächlich fahre, hänge aber auch davon ab, ob der Wind regelmässig oder böig wehe. Wie bei anderen Seilbahnen sei Wind in Fahrtrichtung weniger problematisch. «Die Einschätzung der Lage erfordert viel Erfahrung», betont Reinle. Jährlich falle die Rotair wegen Wind an zwei bis drei, höchstens zehn Tagen aus. Momentan seien alle Titlis-Bahnen in Betrieb.

Cabrio-Bahn hält am meisten aus

Die vor vier Jahren eröffnete Cabrio-Seilbahn am Stanserhorn stellt nicht nur mit dem offenen Dachverdeck eine Besonderheit dar, sondern auch mit ihrem Gehänge. Die Kabine ist nämlich zwischen zwei Seilen im Abstand von 5 Metern quasi in «Sandwichposition» befestigt. Daher kann die Kabine während der Fahrt nicht querpendeln, wie dies bei herkömmlichen Seilbahnen der Fall ist. «Dank des Funifor-Systems können wir auch bei Windgeschwindigkeiten von 80 km/h» fahren», sagt Bahndirektor Jürg Balsiger. Bei höheren Geschwindigkeiten stelle man den Betrieb ein. Der Grund: «Der Wind würde so stark pfeifen, dass viele Passagiere verunsichert wären.» Rein technisch wäre die Fahrt laut Balsiger aber auch bei höheren Windgeschwindigkeiten möglich. Derzeit hat die Stanserhorn-Bahn jedoch Winterpause.

Warum wurde am Pilatus nicht das windbeständige System vom Stanserhorn übernommen? Godi Koch meint dazu: «Die beschränkten Platzverhältnisse auf Pilatus Kulm lassen das System Funifor nicht zu.» Die Bergstation wäre zu gross ausgefallen, so Koch.

Simon Bordier