PILATUSSTRASSE: Busspur: «Die Verunsicherung ist sehr gross»

Einen Monat ist es her, seit die Lotsen von der Busspur abgezogen wurden. Doch noch läuft nicht alles optimal. Nun will die Stadt bei den Ampeln nachbessern.

Christian Glaus
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Der grüne Pfeil bei der Bahnhofkreuzung zeigt geradeaus – dort, wo Autos nicht mehr fahren dürfen. Nun werden die Pfeile gedreht. (Bild Nadia Schärli)

Der grüne Pfeil bei der Bahnhofkreuzung zeigt geradeaus – dort, wo Autos nicht mehr fahren dürfen. Nun werden die Pfeile gedreht. (Bild Nadia Schärli)

Zügig nähert sich der Bus dem Bahnhof. Dann plötzlich hupt der Chauffeur und bremst ruckartig ab. Ein Autofahrer hat ihm den Weg abgeschnitten. Solche Situationen hat es im letzten Monat regelmässig gegeben. Der Grund: Obwohl das Rechtsabbiegen von der Pilatusstrasse zum Bahnhof verboten ist, wählen noch immer viele Autofahrer diesen Weg. Sie überqueren die gezogene Sicherheitslinie und fahren teilweise direkt vor den von hinten herannahenden Bus.

Polizei kontrolliert regelmässig

Dass die Situation am Bahnhof unbefriedigend ist, zeigt auch die rege Kontrolltätigkeit der Luzerner Polizei. Innerhalb der letzten vier Wochen hat sie mehr als vier gezielte Kontrollen beim Bahnhof durchgeführt. Dabei wurden Auto- wie auch Velofahrer gebüsst, die von der Pilatusstrasse zum Bahnhof abbogen. Die Staatskasse konnte dabei gut gefüllt werden. So wurden etwa bei der ersten Kontrolle vom 20. Oktober innert 100 Minuten 26 Bussen verteilt (Ausgabe vom 21. Oktober). Wie erfolgreich die übrigen Kontrollen beim Bahnhof waren, darüber gibt die Polizei keine Auskunft. Man wolle nicht jede einzelne Kontrolle auswerten und kommunizieren, sagt Polizeisprecher Urs Wigger auf Anfrage. «Die generelle Einschätzung betreffend der Wirksamkeit und Funktionalität der neuen Verkehrsführung obliegt der Behörde, die diese angeordnet hat (Stadt Luzern)», erklärt Wigger schriftlich. Eine Einschätzung zur Situation und zu den Kontrollen durch die Luzerner Polizei werde man erst im Anschluss an das Monitoring der Stadt Luzern abgeben.

Das Monitoring der Stadt Luzern zur neuen Verkehrsführung rund um den Bahnhof läuft noch bis Ende Monat. Die Ergebnisse sollen Anfang Dezember kommuniziert werden, so Roland Koch, stellvertretender Stadtingenieur. Die Stadt setzte sich mit der verlängerten Busspur ein Ziel: Die Busse sollen schneller zum Bahnhof kommen und somit pünktlicher sein. «Dieses Ziel haben wir vollumfänglich erreicht, auch wenn wir noch nicht genau sagen können, um wie viel sich die Fahrzeit verkürzt hat», sagt Koch.

Grüner Pfeil wird nach links gedreht

So euphorisch tönt es nicht überall. «Die Verunsicherung ist nach wie vor sehr gross», sagt Alex Mathis, Geschäftsführer des TCS Sektion Waldstätte. «Das fängt nur schon bei der Signalisation an.» Laut Mathis ist der Weg zum Bahnhof zu wenig gut ausgeschildert. Vor allem auf der Strecke von der Autobahnausfahrt Luzern Zentrum zum Bahnhof sei die Signalisation ungenügend. Der Autofahrer wisse beim Pilatusplatz nicht, welche Spur er wählen müsse. Zudem seien die Wegweiser zum Teil schlecht sichtbar. Doch auch auf der Bahnhofkreuzung selber ist die Situation für Autofahrer verwirrend. So zeigt etwa der grüne Pfeil beim Lichtsignal auf der Pilatusstrasse geradeaus – Richtung Bahnhof, was ja eben nicht mehr erlaubt ist (siehe Bild nebenan).

Die Stadt Luzern hat dieses Problem erkannt. Im Laufe der nächsten Wochen wird der grüne Pfeil auf der Ampel leicht nach links gedreht. So ist klar, dass die freie Fahrt nur nach links, Richtung Seebrücke, gilt. Zur Kritik des TCS an der Signalisation beim Pilatusplatz sagt Roland Koch: «Eine Infotafel mit der empfohlenen Spurzuteilung steht am Hallwilerweg.» Also gleich nach der Ausfahrt aus der Autobahn. Am Pilatusplatz hingegen seien die Wegweiser «aus ästhetischen und aus Kostengründen» nicht über den Fahrspuren aufgehängt. Wollte man die Signalisation am Pilatusplatz verbessern, wären zusätzliche Masten und Seilabspannungen im Strassenraum nötig.

Vorwurf: Kapazität abgebaut

Alex Mathis kritisiert auch, dass die neue Verkehrsführung einen «Kapazitätsabbau» für den Privatverkehr bedeute. «Der Verkehrsfluss ist nicht mehr in gleichem Masse gewährleistet.» Diese Auffassung sei falsch, entgegnet Roland Koch: «Das muss man klar festhalten: Wir haben keine Kapazitäten abgebaut.»

Dennoch: Der TCS sieht das neue System nur als Übergangslösung. «Temporär können wir damit leben. Doch wir fordern, dass Stadt und Kanton für Änderungen offen sind», sagt Mathis. Konkret hofft er auf das Gesamtverkehrskonzept, das im nächsten Jahr vorgestellt werden soll. «Die Umsetzung von Einzelmassnahmen, wie jenen an der Bahnhofstrasse, der Pilatusstrasse oder am Bundesplatz darf nicht isoliert erfolgen.»

Mehr Verkehr im Quartier

Beim Quartierverein Hirschmatt-Neustadt ist man sich nicht einig, was man von der neuen Verkehrsführung halten soll. «Die Rückmeldungen sind sehr unterschiedlich», sagt Co-Präsident Markus Schulthess. Nicht zufrieden ist man im Quartier, dass die Autos nun via Obergrund- und Moosstrasse sowie Bundesplatz zum Bahnhof geführt werden. «Es ist nicht sinnvoll, Autos auf Umwege zu schicken. Das bringt uns nur mehr Verkehr im Quartier», sagt Schulthess. Für ihn ist klar: «Der Verkehr in der Innenstadt ist ein nicht gelöstes Problem.» Schulthess fordert grundsätzlich weniger Verkehr in der Innenstadt. «Dazu gehören auch die Busse; nicht jeder muss zum Bahnhof fahren.» Zudem sei es nicht sinnvoll, dass sich das grösste Parkhaus der Stadt am Bahnhof in der Mitte der Stadt befindet.