Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schädling gezielter bekämpfen: Pilotprojekt entlastet Luzerner Maisbauern

Wird künftig ein Maiswurzelbohrer gefunden, müssen Luzerner Bauern ihre Fruchtfolge nicht mehr umstellen.
Martina Odermatt
Bei einer Population von 1, 4 Maiswurzelbohrer pro Pflanze kann für die Maisbauern erheblicher wirtschaftlichere Schaden entstehen. (Symbolbild: Karl Mathis /Keystone)

Bei einer Population von 1, 4 Maiswurzelbohrer pro Pflanze kann für die Maisbauern erheblicher wirtschaftlichere Schaden entstehen. (Symbolbild: Karl Mathis /Keystone)

Er ist nur gut sechs Millimeter gross, zieht für Landwirte aber einen kostenintensiven Rattenschwanz an Massnahmen mit sich, wenn man ihn entdeckt: der Maiswurzelbohrer.

Tappte er in eine der rund 10 Fallen, die im Kanton Luzern aufgestellt worden sind, durfte im Umkreis von 10 Kilometern im darauffolgenden Jahr kein Mais mehr angebaut werden. Auch konnte Mais im Umkreis von fünf Kilometern der Fundstelle eines Käfers nicht mehr exportiert werden. Zusätzlich mussten die landwirtschaftlichen Geräte bei Austritt aus dieser Zone gereinigt werden. So lautete die bisherige Regelung des Bundes. Das verursache den Landwirten Kosten von über einer Million Franken, wie Heinrich Hebeisen vom Berufsbildungszentrum für Natur und Ernährung sagt.

Ein Modell des deutschen Julius-Kühn-Instituts über Populationsentwicklung habe nun aber gezeigt, dass sich der Maiswurzelbohrer bei der Fruchtfolge Mais-Mais-Kunstwiese-Kunstwiese nicht schädlich ausbreiten könne.

Erheblicher Schaden erst ab 1,4 Tieren pro Pflanze

Der Kanton lanciert deshalb in Absprache mit dem Bund ein Pilotprojekt. Denn: «Die Verhältnismässigkeit ist nicht mehr gegeben. Aufwand und Ertrag in der Bekämpfung des Schädlings stimmen nicht überein», sagt Hebeisen. In den vergangenen Jahren seien nie mehr als drei Käfer gefangen worden. Das sei noch nicht alarmierend. Um einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen, sei eine Population von 0,5 bis 1,4 Käfern oder drei bis fünf Larven pro Pflanze notwendig.

Das Pilotprojekt sei eine Erleichterung für die Bauern, sagt Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes.

«Wir haben uns bereits vor fünf Jahren an den Bund gewandt, mit der Bitte, das System zu ändern. Doch bislang hat er sich schwer getan».

In Deutschland oder Italien werde über Jahre auf der gleichen Parzelle Mais angebaut, weshalb sich der Maiswurzelbohrer gut vermehren könne. In der Schweiz sei die Situation anders. «In der Fruchtfolge dürfen wir maximal zwei Jahre Mais anbauen. Deshalb kann sich der Käfer gar nicht gross verbreiten», so Lütolf.

Das Pilotprojekt schaffe Planungssicherheit für die Bauern, sagt er weiter. Das sei besonders im Kanton Luzern wichtig, wo viel Mais angebaut wird. «Auch wir wollen nicht, dass sich der Maiswurzelbohrer ausbreitet. Aber dank der Weise, wie wir Mais anbauen, entsteht dieses Problem gar nicht erst.»

Das Pilotprojekt garantiert den Luzerner Bauern Planungssicherheit. «Sie wissen, dass sie zwei Jahre Mais anbauen dürfen. Bis anhin mussten sie den Turnus ihrer Fruchtfolge umstellen, wenn ein Käfer gefunden wurde», sagt Hebeisen.

Der Maiswurzelbohrer macht seinem Namen übrigens alle Ehre: Er frisst sich durch die Wurzel des Mais’, was dazu führt, dass die Pflanzen umknicken. Laut Heinrich Hebeisen muss der Maisanteil in der Fruchtfolge über 50 Prozent betragen, bis sich sogenannte Schwanenhälse, also abgeknickte Stiele, bilden. «Davon sind wir weit entfernt.» Teil des Pilotprojekts, das am 1. August startet, ist der Ausbau des Fallennetzes. In den vergangenen Jahren wurden im Kanton um die 10 Fallen aufgestellt. Heuer werden es doppelt so viele sein.

Käfer kann bis zu 80 Kilometer weit fliegen

Weiter werden Vorkehrungen getroffen, um die Population tief und unschädlich zu halten. Konkret: Wird ein Maiswurzelbohrer gefangen, darf im ganzen Kantonsgebiet maximal zwei Jahre Mais auf der gleichen Parzelle angebaut werden. Danach gibt es eine Maisanbau-Pause von mindestens zwei Jahren. Dies etwa, weil der Käfer 40 bis 80 Kilometer weit fliegen kann. Massnahmen im Grenzgebiet zu Nachbarskantonen sind aktuell in der Bearbeitung. Das Pilotprojekt ist auf sechs Jahre ausgelegt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.