PILOTVERSUCH: Neue Karte gibt Auskunft über den Patienten

Erstmals testen Ärzte und Patienten Karten, auf denen Angaben über den Gesundheitszustand gespeichert sind. Luzern leistet damit Pionierarbeit in der Schweiz.

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«Hat ihn jemand nach seinem Passwort gefragt?» (Karikatur Jals/Neue LZ)

«Hat ihn jemand nach seinem Passwort gefragt?» (Karikatur Jals/Neue LZ)

Ein Spaziergänger findet einen bewusstlosen Mann, der am Boden liegt. Als die Ambulanz eintrifft, wissen die Sanitäter nichts über den Verunfallten: Wer er ist; ob er überfallen wurde oder einen epileptischen Anfall hatte und sich dabei verletzte; ob er gegen Medikamente allergisch ist. Viel einfacher und schneller könnten die Ärzte dem Mann helfen, wenn er «Evita» bei sich hätte: eine Karte im Kreditkartenformat, die sich dank USB-Anschluss mit jedem Computer auf der ganzen Welt lesen lässt (siehe Bild unten). Das neue, so genannte elektronische Gesundheitsdossier testen zurzeit 40 Hausärzte und 130 Patienten aus dem Raum Sursee.

Röntgenbilder speichern
Auf der Karte sind alle Angaben zur Person samt Foto gespeichert, ebenso wie Notfallkontakte sowie die wichtigsten Gesundheitsdaten: Ob jemand Diabetiker oder Epileptiker ist, Allergien hat, Medikamente einnehmen muss oder keine Bluttransfusionen und Organspenden will. Auch Röntgenbilder, Aufzeichnungen zur Herzaktivität oder Laborergebnisse sind abrufbar.

Der Pilotversuch läuft seit Mai und noch bis Ende Jahr. Beat Manser, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern und Hausarzt in Eich, sagt: «Die bisherigen Erfahrungen der Ärzte sind überraschend positiv, ebenso die Rückmeldungen der Patienten.» Er betont, dass die Teilnahme freiwillig ist. Die Patientinnen und Patienten bestimmen, was auf der Karte gespeichert wird, haben volle Einsicht in die verschlüsselten Daten und sagen, wer welche lesen darf. «Die Ärzte schätzen vor allem, dass sie schnell über alle Medikamente auf dem Laufenden sind, die ihre Patienten benötigen.»

Da die meisten Luzerner Hausärzte bereits mit Computern und Internet arbeiteten, sei die nötige Infrastruktur vorhanden. «Die grösste Schwierigkeit war, vor allem anfangs, der Mehraufwand für die Ärzte, wenn sie die Daten auf die Karte laden», weiss Manser. Swisscom – Initiantin, Sponsorin und Projektleiterin von «Evita» – vergütet den Aufwand der Ärzte.

Datenschützer: kaum Bedenken
Vertragen sich elektronisch gespeicherte Gesundheitsdaten auch mit dem Datenschutz? Swisscom messe diesem «sehr hohen Wert bei», versichert Sprecher Christian Neuhaus. Der Luzerner Datenschutzbeauftragte Amédéo Wermelinger ist der Frage bisher nicht nachgegangen, «da es ein zeitlich begrenzter Versuch ist und die Leute freiwillig mitmachen». Datenschutzrechtliche Abklärungen würden nötig, falls die Karte auf breiter Basis und obligatorisch eingeführt werden sollte.

Karin Winistörfer

Beat Manser, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, setzt sich fürs elektronische Gesundheitsdossier ein. Auf der kreditkartengrossen eCard sind die wichtigsten Gesundheitsdaten gespeichert. 

Fotografiert am 25. September 2008 in Nottwil.
(NeueLZ/Manuela Jans)

Beat Manser, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, setzt sich fürs elektronische Gesundheitsdossier ein. Auf der kreditkartengrossen eCard sind die wichtigsten Gesundheitsdaten gespeichert. Fotografiert am 25. September 2008 in Nottwil. (NeueLZ/Manuela Jans)

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.