PLANUNG: Gefährden Pumpwerke die Theaterpläne?

An zwei der drei möglichen Stand­orte der Salle Modulable gibt es grosse unter­irdische Pumpwerke. Sie schränken den Spielraum beim Bau des Theatergebäudes ein.

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Salle Modulable: Zur Diskussion stehen die drei Standorte Inseli, Theaterplatz und Alpenquai (von links). (Bilder Boris Bürgisser)

Salle Modulable: Zur Diskussion stehen die drei Standorte Inseli, Theaterplatz und Alpenquai (von links). (Bilder Boris Bürgisser)

Hugo Bischof

Aus den Augen, aus dem Sinn: Dieses Sprichwort gilt nicht für Luzerns Kanalisationsunterwelt. Schon gar nicht im Zusammenhang mit dem geplanten neuen (Musik-)Theatergebäude Salle Modulable. Tatsache ist: Ein dichtes unterirdisches Netz an Wasserleitungsrohren zieht sich durch die ganze Stadt Luzern. Und an einigen Orten gibt es grosse Pumpwerke oder Auffangbecken. Der Haken: Einige von ihnen könnten der Salle Modulable in die Quere kommen.

Dies behauptet jedenfalls Ariel Kolly. Der Luzerner Architekt und Künstler ist auch Sprecher des Komitees «Luzerner Theater – ein Haus für alle». Dieses will verhindern, dass für einen allfälligen Bau der Salle Modulable am heutigen Theaterplatz das dortige heutige Theater abgerissen würde (siehe Kasten).

Drei Pumpen beim Theaterplatz

«Direkt unter den Taxistandplätzen beim Theaterplatz ist ein grosses unterirdisches Wasserpumpwerk», sagt Kolly. «Dieses für ein neues Gebäude zu verschieben, würde wohl mehrere Millionen kosten.» Das könnte ein weiteres Argument gegen eine Salle Modulable auf dem Theaterplatz sein.

Miriam Asanger, Bereichsleiterin Siedlungsentwässerung/Naturgefahren bei der Stadt Luzern, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung: «Auf dem Theaterplatz gibt es ein unterirdisches Abwasserpumpwerk.» Der städtischen Siedlungsentwässerungskarte ist zu entnehmen, dass es zirka 9 Meter lang und fast 6 Meter breit ist und etwa im Bereich der Taxistandplätze liegt. «Das Pumpwerk umfasst drei Pumpen», sagt Asanger. «Sie sind bei Bedarf in Betrieb und pumpen das Abwasser vom Quartier Tribschen/Langensand auf ein höheres Niveau, damit es über den Hirschengraben Richtung Kläranlage abfliessen kann.»

Bauen «grundsätzlich möglich»

Das Pumpwerk ist von einem Betonkasten umgeben, der eine Tiefe von rund 5 Metern hat. Die Decke des Betonkastens liegt praktisch ebenerdig. Sie befindet sich also nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Teile der Decke sind bei näherem Hinschauen beim Theaterplatz sichtbar. «Ziel ist es immer, solche Pumpwerke möglichst nahe der Erdoberfläche anzulegen», erklärt Asanger, «denn je tiefer man gräbt, desto teurer wird es.»

Was das Pumpwerk für einen allfälligen Bau der Salle Modulable dort bedeuten würde, dazu kann Asanger keine Auskunft geben. «Grundsätzlich ist Bauen über oder bei einem solchen Pumpwerk aber nicht ausgeschlossen», sagt sie, «es kommt ganz auf die Art des Baus an.»

Unproblematisch sei es, wenn über dem Pumpwerk ein Innen- oder Vorhof geplant sei. Mit der heutigen Technik sei es auch möglich, Teile eines Baus über ein solches Pumpwerk zu legen. Was aber, wenn das Pumpwerk aufgrund geplanter Tiefbauten doch um einige Meter verschoben werden müsste? Würde dies, wie von Ariel Kolly vermutet, tatsächlich einen Millionenbetrag kosten? Auch dazu will sich Asanger nicht äussern. Da derzeit kein konkretes Hochbauprojekt vorliege, wär eine solche Aussage «reine Spekulation», sagt sie.

Interessant ist: Auf dem Theaterplatz, zwischen dem heutigen Theatergebäude und der Jesuitenkirche, stand früher bereits ein Gebäude, der Freienhof. Der gotische Bau wurde 1949 abgerissen; seither befindet sich dort eine Wiese. «Das Pumpwerk dort wurde erst später erstellt», sagt Asanger.

450 Kubikmeter grosser Kübel

Wie sieht es bezüglich Wasserunterwelt an den anderen offiziell für die Salle Modulable möglichen Standorten aus? Zum Beispiel beim Schotterplatz beim Motorbootshafen Alpenquai? «Hier gibt es ebenfalls eine grössere unterirdische Anlage», sagt Asanger. Allerdings handle es sich nicht um ein Pumpwerk, sondern um ein Regenklärbecken: «Es dient bei schweren Regenfällen als Auffangbecken für den ersten Dreckschwall aus dem ganzen Tribschengebiet.» Das Becken hier ist ebenfalls von einer Betonwand umgeben. Es ist ein grosser Kübel. Dieser umfasst gemäss Asanger rund 450 Kubikmeter. Für eine allfällige Überbauung hier gelten laut Asanger die gleichen Regeln wie beim Theaterplatz: «Nicht unmöglich; es kommt auf die Art des Baus an.»

Überraschung beim Inseli

Bleibt noch der Carparkplatz Inseli als letzter der drei offiziell evaluierten Salle-Modulable-Standortkandidaten. Dazu sagt Asanger: «Im ganzen Inseli-Bereich gibt es weder ein Abwasserpumpwerk noch ein Klärbecken, lediglich die für die ganze Stadt üblichen Kanalisationsanlagen.» Das Gleiche gelte für die Halbinsel beim Motorbootshafen Alpenquai, die von den Luzerner Architekten Frieder Hiss und Markus Heggli als Alternativstandort der Salle Modulable genannt wird. «Auch hier sind nur ein paar private Kanalisationsanlagen vorhanden», so Asanger.

Haben die Planer der Salle Modulable um die unterirdischen Wasseranlagen gewusst? «Ja, selbstverständlich», sagt Mathis Meyer, seit Anfang März Gesamtprojektleiter der Neuen Theater-Infrastrukur Luzern (NTI), auf Anfrage. Die unterirdischen Anlagen seien auch Teil der Machbarkeits- und Standortstudien gewesen: «Diese Umstände wurden berücksichtigt, da allfällige Anpassungsarbeiten mit Kosten verbunden sind und auch mögliche Lärmemissionen von einem Pumpwerk berücksichtigt werden müssen.» Die Anlagen seien betreffend Standortwahl aber kein Ausschlusskriterium gewesen.

«Salle» neben dem KKL?

Für Ariel Kolly ist klar: Anstatt auf dem Theaterplatz oder auf dem Schotterplatz Alpenquai müsste eine Salle Modulable beim Inseli geplant werden, und zwar nicht auf dem Carparkplatz, auch nicht auf der bestehenden Grünfläche, sondern seitlich anliegend ans Inseli teilweise auf Pfählen im See gebaut. Er bevorzugt dabei die Inseli-Seite beim KKL. Unter dem Titel «Projekt Plus: Salle Modulable plus KKL – ein grosses Plus für Luzern» hat er auch schon eine rudimentäre Skizze für ein neues Theater neben dem KKL gezeichnet. Die seitliche Bebauung habe sogar noch den Vorteil, «mit einem Seekanal das Inseli wieder zu einer Insel zu machen und/oder die Grünfläche zu erweitern», wie es auch Frieder Hiss und Markus Heggli mit ihren Ideen für eine «attraktive Stadt am Wasser» vorschlagen (Ausgabe vom 8. März).