PLATZNOT: Lagerplätze sind rar geworden

Derzeit weilen gleich zwei grosse Jugendlager im Kanton Luzern. Für Jugendorganisationen wird es aber immer schwieriger, geeignete Plätze zu finden.

Roseline Troxler
Drucken
Teilen
Die Jungwacht Blauring Kanton Zürich veranstaltete gestern ein Geländespiel mit rund 1000 Personen. Auf dem Bild zu sehen ist das Spielgelände im Gebiet Eggli in Schüpfheim. (Bild Pius Amrein)

Die Jungwacht Blauring Kanton Zürich veranstaltete gestern ein Geländespiel mit rund 1000 Personen. Auf dem Bild zu sehen ist das Spielgelände im Gebiet Eggli in Schüpfheim. (Bild Pius Amrein)

Rund 1000 Kinder tollen auf einer Wiese oberhalb von Schüpfheim im Gras, laufen und basteln. 35 Scharen der Jungwacht Blauring aus dem Kanton Zürich verbringen ihr Sommerlager vom 13. bis 27. Juli in der Biosphäre Entlebuch. Die verschiedenen Scharen sind auf die Gemeinden Romoos, Entlebuch, Hasle, Schüpfheim, Escholzmatt-Marbach, Flühli und Sörenberg verteilt. Einige Scharen übernachten auf Zeltplätzen, andere sind in Häusern untergebracht. Jungwacht Blauring ist der grösste katholische Kinder- und Jugendverband der Schweiz. Er ist offen für Kinder aller Kulturen und Religionen und zählt rund 28 000 Mitglieder.

Gestern fand in Schüpfheim der erste gemeinsame Anlass im Kantonslager statt. Rund 1000 Kinder und Jugendliche nahmen an einem Siedler-Geländespiel teil. Aufgeteilt in Gruppen ging es darum, untereinander Rohstoffe zu handeln. «Das Siedler-Geländespiel ist das erste Highlight des Kantonslagers», sagt OK-Chef Dominik Broich. Vor vier Jahren tauchte die Idee eines Kantonslagers auf. Bis zum Start des Lagers leistete das OK mehrere tausend Stunden Arbeit. «Zunächst hatte ich Zweifel, ob das Kantonslager allen passt. Nun bin ich zufrieden, die Stimmung ist super», sagt Broich.

Über 1000 Basler Pfader in Knutwil

Das Kantonslager der Jungwacht Blauring ist nicht das einzige im Kanton Luzern. In Knutwil sind ebenfalls über tausend Pfadi-Kinder aus der Region Basel zu Besuch. Wie die Jungwacht Blauring Zürich führt auch die Pfadi der Region Basel zum ersten Mal ein Kantonslager durch.

Kantonslager stellen grosse Herausforderungen an die Logistik. Das OK der Jungwacht Blauring Kanton Zürich hat vor zwei Jahren mit der Suche nach einem Lagerplatz begonnen. «Wir waren 30-mal im Entlebuch, um geeignete Plätze und Häuser zu finden», sagt Dominik Lamprecht vom Ressort Infrastruktur, Logistik, Sicherheit. Das Entlebuch sei ideal für ein Kantonslager. «Wichtig für einen Lagerplatz ist, dass es in der Nähe Hügel und Gewässer gibt und dieser nicht neben einer Stadt liegt», erklärt Lamprecht. Aus Sicherheitsgründen müsse der Platz über gute Zufahrtswege verfügen. Es sei nicht leicht, auf geeignete Plätze zu stossen. «Noch schwieriger ist es, mehrere Plätze in derselben Region zu finden.»

Dies bestätigt Thomas Stadelmann, Medienverantwortlicher der Pfadi Luzern, dem Kantonalverband der Luzerner Pfadis. Die Pfadi ist schweizweit die grösste Jugendorganisation. Sie zählt rund 45 000 Mitglieder. Thomas Stadelmann sagt: «Pfadi-Abteilungen finden immer noch Plätze, aber es ist deutlich schwieriger geworden.» Eine Hilfe biete das Lagerplatzverzeichnis der Pfadi.

Plätze Jahre im Voraus vergeben

Als Grund für die Schwierigkeit, Plätze zu finden, vermutet Stadelmann die Zersiedelung. Dominik Lamprecht von der Jungwacht Blauring sagt: «Früher war die Akzeptanz der Jugendorganisationen in der Bevölkerung grösser, und Landwirte waren eher bereit, einen Platz zur Verfügung zu stellen.» Er könne es aber begreifen, wenn Landwirte dies nicht wollten. «Vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen gemacht, und es kam zu Ernteausfällen.» Es brauche heute mehr Überzeugungsarbeit, um einen schönen Lagerplatz zu ergattern. Laut Stadelmann sind beliebte Plätze bereits über mehrere Jahre im Voraus vergeben und können 1000 Franken pro Woche kosten. «Was ein guter Lagerplatz ist, unterscheidet sich von Pfadi-Gruppe zu Pfadi-Gruppe.» Einigen Abteilungen sei die einfache Materialzufahrt wichtig, anderen sei es wichtig, dass der Lagerplatz gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Trotz modernstem Biwakmaterial, Improvisationstalent und Abenteuerlust müsse ein Lagerplatz Vorgaben erfüllen. So brauche es Trinkwasser sowie eine Notunterkunft, die bei Unwettern zur Verfügung stehe.

«Die geografischen Vorlieben der Luzerner Pfader sind ganz unterschiedlich», sagt Stadelmann. Das Tessin und die Westschweiz würden mit einer anderen Kultur locken, während Wanderlustige das Engadin, das Wallis oder das Berner Oberland bevorzugten. Wer von beidem etwas haben wolle, suche sich einen Lagerplatz im Dreiseenland zwischen Biel, Murten und Yverdon aus.