Plus 9,2 Prozent in vier Jahren: Kanton Luzern ist Vizemeister beim Firmenzuwachs

Zweiter beim Firmenzuwachs, Vierter bei den neu geschaffenen Stellen: Der Kanton Luzern ist schweizweit spitze – mit einer Ausnahme.

Alexander von Däniken
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Nach dem grossen Wachstum an Firmen stellt sich der Kanton Luzern die Platzfrage: Das Areal Rösslimatt beim Bahnhof wäre eine Möglichkeit für weitere Ansiedlungen.

Nach dem grossen Wachstum an Firmen stellt sich der Kanton Luzern die Platzfrage: Das Areal Rösslimatt beim Bahnhof wäre eine Möglichkeit für weitere Ansiedlungen.

Nadia Schärli (Luzern, 26. Oktober 2017(

Seit 2012 die letzte der drei grossen Steuergesetzrevisionen in Kraft getreten ist, wird eine Frage kontrovers diskutiert: Ist die Tiefsteuerstrategie des Kantons Luzern erfolgreich? Der damalige Finanzdirektor Marcel Schwerzmann sagte wiederholt: «Mehr Firmen bedeuten mehr Kapital, mehr Arbeitsplätze und letztendlich auch mehr Steuereinnahmen.» Gerade bei den Steuereinnahmen harzte es bekanntlich. Worauf der parteilose Regierungsrat entgegnete, es brauche mehr Zeit: Konkrete Aussagen über den Erfolg der Strategie liessen sich fünf Jahre nach Inkrafttreten der letzten Reform machen.

Nun hat das Bundesamt für Statistik aktuelle Daten veröffentlicht. Die neusten erhältlichen Zahlen stammen aus dem Jahr 2017, also fünf Jahre nach der Halbierung der Unternehmensgewinnsteuer. Und sie sind aussagekräftiger als die bisherigen Auswertungen der Handelsregistereinträge, weil sie auf den AHV-Registern basieren. Nicht berücksichtigt werden die öffentliche Verwaltung und private Organisationen ohne Erwerbszweck.

Tessin legte bei Firmen um 10 Prozent zu

Die Zahl der aktiven Unternehmen im Kanton Luzern stieg von 22'132 im Jahr 2013 auf 24'175 im Jahr 2017. Das ist ein Zuwachs von 9,2 Prozent in vier Jahren – und der zweitgrösste aller Kantone. Nur das Tessin verzeichnete mit 10,2 Prozent ein stärkeres Wachstum:

Dazu sagt der amtierende Finanzdirektor Reto Wyss (CVP):

«Der Kanton war ab 2012 mit der Halbierung der Unternehmenssteuer die Nummer 1 in der Schweiz. Sicherlich hat dieser Entscheid auf die Anzahl der Ansiedlungen von Firmen einen Einfluss.»

Klar sei aber auch, dass eine Firma die Wahl ihres Standortes nicht nur von einem Kriterium abhängig mache. Es gibt weitere Faktoren, die Firmen dazu bewegen, in den Kanton Luzern zu ziehen; etwa die Erreichbarkeit und die Lebensqualität für Mitarbeiter.

Der Luzerner Regierungsrat und Finanzdirektor Reto Wyss.

Der Luzerner Regierungsrat und Finanzdirektor Reto Wyss.

Dominik Wunderli

Im Schweizer Durchschnitt betrug der Zuwachs 6,1 Prozent. Von den übrigen Zentralschweizer Kantonen liegt Schwyz mit 7,7 Prozent an vierter Stelle, Uri mit 6,4 Prozent an siebter Stelle, Zug mit 4,2 Prozent an 18. Stelle und Ob- sowie Nidwalden mit 1,4 respektive 0,1 Prozent am Schluss. Verhaltener als die Zahl der aktiven Unternehmen haben sich bekanntlich die Luzerner Firmensteuereinnahmen entwickelt. Diese lagen 2013 bei 113 Millionen Franken und stiegen bis 2017 nur um sieben Prozent auf 121 Millionen Franken an. «Diese Reduktion ist Tatsache, die Diskrepanz zur gestiegenen Anzahl der Firmen ist aber nicht erstaunlich», sagt Reto Wyss. Die Steuererträge juristischer Personen seien volatil, da deren Geschäftsergebnisse Schwankungen unterworfen sind – im Gegensatz zu natürlichen Personen, bei denen das Einkommen und folglich auch die daraus resultierenden Steuern eher konstant sind.

Zug bei geschaffenen Arbeitsplätzen an der Spitze

Die Zunahme der Unternehmen sagt noch nichts über die Entwicklung der Beschäftigten aus. Hier liegt der Kanton Luzern im schweizweiten Vergleich an vierter Stelle: Die Zahl der bei Unternehmen Beschäftigten stieg zwischen 2013 und 2017 um 5,3 Prozent auf insgesamt 206'644. Für Finanzdirektor Reto Wyss ist der schweizweite Rang sekundär: «Dass wir mehr Personen haben, die im Kanton Luzern ihren Beruf ausüben, freut uns.» Wichtig sei, dass die Berufsleute, die den Kanton Luzern als Arbeitsort gewählt haben, nachhaltig gerne hier arbeiten.

«Diese Zunahme ist für uns zugleich ein Hinweis darauf, dass der Kanton Luzern Attraktivität ausstrahlt.»

Den höchsten Anstieg verzeichnete der Kanton Zug (8,3 Prozent). Der Schweizer Durchschnitt beträgt 3,6 Prozent. Schwyz hat prozentual gleich viel an Beschäftigten zugelegt wie Luzern. In den Kantonen Uri und Obwalden bewegte sich der Zuwachs unter 1 Prozent. In Nidwalden sank die Zahl gar um 0,3 Prozent.

Zug hat nicht nur den stärksten Anstieg der Beschäftigten – sondern mit der Umsetzung der nationalen Steuer- und AHV-Reform seit diesem Jahr bei der Steuerbelastung für Firmen wieder die Nase vorne. Für Reto Wyss ist das kein Grund zur Beunruhigung: «Der Kanton Luzern ist mit Platz vier immer noch vorne mit dabei. In der Tat gab es mit der per Anfang 2020 eingeführten Steuergesetzrevision eine Konsolidierung, was die Spitzenplätze bei den Unternehmenssteuern betrifft.» Der Kanton Luzern habe mit 12,3 Prozent sein tiefes Niveau halten können und gebe den Unternehmen dadurch weiterhin Planungssicherheit. Der Regierungsrat hofft ausserdem, für neu gegründete Unternehmen an Attraktivität zulegen zu können.

Luzern bei neu gegründeten Firmen nur im Mittelfeld

Dass Luzern vor allem bestehende Unternehmen aus anderen Kantonen angezogen hat, darauf weist die Statistik der neu gegründeten Firmen hin. Der Kanton Luzern hat vor drei Jahren 1603 neu gegründete Unternehmen verzeichnet. Das entspricht 6,6 Prozent des Firmenbestands. Mit dieser Quote liegt Luzern 0,7 Prozentpunkte unter dem Schweizer Durchschnitt. Spitzenreiter sind die Kantone Zug und Waadt mit jeweils 8,9 Prozent. Auch in den Jahren zuvor konnte Luzern keinen Spitzenplatz verbuchen.

Finanzdirektor Reto Wyss sagt dazu: «Selbstverständlich haben wir das Ziel, dass in unserem Kanton neue Start-up-Firmen gegründet werden und auch im Kanton Luzern sesshaft bleiben.» Dafür brauche es «beste Voraussetzungen». Grosses Potenzial sieht der CVP-Regierungsrat beispielsweise beim Campus Horw, wo eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft angestrebt werde.

1,5 Stellen pro neu gegründete Firma

Auch bei den Neugründungen sagt die Zahl der neuen Firmen noch nichts über die geschaffenen Arbeitsplätze aus. Die Rechnung: Mehr Stellen gibt mehr natürliche Steuerzahler. Auch hier liefert das Bundesamt für Statistik Daten. Die im Jahr 2017 neu gegründeten Unternehmen brachten dem Kanton zusätzliche 2423 Stellen.

Das entspricht einer Quote von 1,5 Stellen pro Firma. Es ist zusammen mit Zug der zweitbeste Wert; nur Uri schwingt mit 1,8 Stellen pro neuem Unternehmen obenaus. Luzerns Quote bewegt sich auch in den Vorjahren unter den Top 5. «Die Tatsache, dass durch Neugründungen mehr Stellen geschaffen werden, ist sehr zu begrüssen. Da besteht wohl auch ein Zusammenhang zur generellen Zunahme der Beschäftigten im Kanton Luzern», sagt Reto Wyss dazu.

Jede sechste Firma überlebt erstes Betriebsjahr nicht

(avd) 14,9 Prozent der Firmen, die 2016 im Kanton Luzern gegründet worden sind, haben das erste Jahr nicht überlebt. Dies zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik. Die Überlebensrate von 85,1 Prozent liegt leicht über dem Schweizer Durchschnitt von 83,6 Prozent. Die höchste Rate weisen die Unternehmen im Kanton Uri auf (88,3 Prozent), im Kanton Thurgau stellen anteilsmässig die meisten Firmen ihren Betrieb nach einem Jahr ein (77,4 Prozent).

Generell werden im Kanton Luzern jährlich knapp 6 Prozent der Unternehmen geschlossen. Die meisten stammen aus dem Dienstleistungssektor. Was die Rechtsform der geschlossenen Unternehmen betrifft, sind die meisten eine Einzelfirma, gefolgt von der GmbH und der Aktiengesellschaft. Durchschnittlich sind von den Schliessungen 1,4 Stellen betroffen.

Wo im Kanton lassen sich die neu gegründeten Unternehmen nieder? Für die meisten ist die Stadt Luzern am attraktivsten: 516 der 1603 Firmen sind am Hauptort gemeldet. Es folgt der Agglomerationskern mit 401 Firmen und die Region Sursee/Sempachersee mit 131 Firmen. Der Rest verteilt sich im zweistelligen Bereich auf die übrigen Regionen des Kantons. Wenig überraschend sind in der Stadt auch meisten Arbeitsplätze geschaffen worden; nämlich 798. Heruntergerechnet auf Stellen pro neue Firma sticht aber die Region Michelsamt/Surental mit einer Quote von 1,7 heraus.

Laut Finanzdirektor Wyss soll auch künftig die hohe Nachfrage in Stadt und Agglomeration befriedigt werden. So böten das D4 in Root und das Krienser Mattenhofquartier ideale Bedingungen für weitere Firmenzuzüge.

Und in welchen Bereichen sind die neu geschaffenen Unternehmen tätig? 313 werden den freiberuflichen, wissenschaftlichen oder technischen Dienstleistungen zugeordnet, 189 stammen aus dem Handel und dem Motorfahrzeugsektor und 174 aus dem Gesundheits- und Sozialwesen. Die verhältnismässig meisten Stellen stammen von den 50 Firmen aus dem Gastgewerbe: Hier gibt es 2,4 geschaffene Stellen pro Unternehmen.