PODIUM: Das Kräftemessen der Regierungskandidaten

Wie viele Fremdsprachen braucht es an der Primarschule? Welche Projekte bringen den Verkehr weiter? Diesen und weiteren Fragen stellten sich die Kandidaten der Regierungsratswahlen.

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Die Regierungsratskandidaten an der Podiumsdiskussion vom Mittwochabend. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)

Die Regierungsratskandidaten an der Podiumsdiskussion vom Mittwochabend. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)

Ein Video der Podiumsdiskussion finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/video

Cyril Aregger

Es war ein spezieller Anlass, gestern Abend im Gebäude der LZ Medien an der Luzerner Maihofstrasse: Zum einzigen Mal fanden sich alle acht Kandidaten der Luzerner Regierungsratswahlen zu einer Podiumsdiskussion zusammen. Die Kandidaten legten sich in der Diskussion, moderiert von Jérôme Martinu, stellvertretender Chefredaktor und Leiter regionale Ressorts der «Neuen Luzerner Zeitung», und Ismail Osman, stellvertretender Ressortleiter Kanton Luzern, vor den über 100 Zuschauern auch kräftig ins Zeug.

Sparen bei der Bildung?

In der ersten Gruppendiskussion zwischen Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher), Guido Graf (CVP, bisher), Paul Winiker (SVP, neu) und Irina Studhalter (Junge Grüne, neu) ging es um das Thema Bildung. Ein starker Bildungsstandort und Sparprogramme müssten sich nicht ausschliessen, meinte Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf: «Sparen bedeutet nicht zwingend Abbau. Sparen kann man auch, indem man etwas effizienter macht.» Finanzdirektor Marcel Schwerzmann sekundierte: «Die Regierung steht hinter der Bildung.» Und Graf bekräftigte: «Luzern ist bei der Bildung im kantonalen Vergleich weit vorne.» Irina Studhalter konnte das nicht überzeugen: «Massnahmen wie Klassenvergrösserungen haben nichts mit der Stärkung der Bildung zu tun.» Der Krienser Gemeindepräsident Paul Winiker schliesslich erklärte aus Sicht der Gemeinden, dass die Belastungen in den letzten Jahren, zum Beispiel mit dem zweiten Kindergartenjahr oder der Integrativen Förderung, massiv gewachsen seien: «Hier braucht es nun eine Konsolidierung.»

Auch die Frage der zweiten Fremdsprache in der Primarschule wurde kontrovers diskutiert. Schwerzmann plädierte für die Konzentration auf eine Fremdsprache. «Viele Kinder sind mit zwei Sprachen überfordert, auch ich musste das in meiner Schulzeit erfahren.» Ob die erste Fremdsprache nun Englisch oder Französisch sein soll, liess er offen. Für Studhalter, die zwei Fremdsprachen beibehalten will, ist es ganz klar Französisch: «Mit Französisch wird auch ein Stück Landeskultur vermittelt.» Deshalb ist auch für Winiker Französisch («Englisch lernt eh jeder») erste Wahl. Und auch er plädiert für zwei Fremdsprachen denkt dabei aber nicht an Englisch: «Die erste Fremdsprache ist Hochdeutsch.»

Bahnhof oder Bypass?

Das Thema Verkehr beschäftigte die zweite Diskussionsrunde mit Robert Küng (FDP, bisher), Reto Wyss (CVP, bisher), Felicitas Zopfi (SP, neu) und Michael Töngi (Grüne, neu). Während sich Töngi und Zopfi gegen Sparmassnahmen beim öffentlichen Verkehr aussprachen und einen weiteren Ausbau forderten, betonten Bildungsdirektor Wyss und Baudirektor Küng das Miteinander von ÖV und motorisiertem Individualverkehr. Das zeigte sich auch in der Haltung zu den zwei Milliardenprojekten Durchgangsbahnhof und Bypass Luzern. Klar ist: Den Bahnhof wollen alle. «Ist es sinnvoll, zwei solche Grossprojekte gleichzeitig zu fördern?», fragte Töngi rhetorisch. Und für Zopfi war klar: «Mit dem Bypass bringen wir die Autos nicht von der Strasse. Aber gerade das Gewerbe ist auf freie Strassen und gute Erreichbarkeit angewiesen.» Das sah auch Wyss so, zog aber andere Schlüsse daraus: «Wir brauchen den Bypass, weil sich der Individualverkehr weiter entwickeln wird.» Und Küng ergänzte: «Das Mobilitätskonzept der Stadt Luzern funktioniert nur mit dem Bypass.»

Schuldenbremse lösen?

Auch beim Thema Finanzen und Steuerstrategie hatten Zopfi und Töngi andere Ansichten als die beiden Regierungsräte. Einig war man sich nur, dass die aktuelle Finanzlage des Kantons recht gut sei. Damit das so bleibe, müsse bei den Einnahmen angesetzt werden, erklärte Zopfi. Und für Töngi zeigte die Budgetdebatte «mit schmerzhaften Einschnitten»: «Wir können uns die Steuerstrategie nicht leisten.» Wie Zopfi forderte auch er eine Lockerung der Schuldenbremse. Wyss hingegen verwies auf die abgeschaffte Liegenschaftssteuer: «Das Volk hat damit gezeigt, dass es eine haushälterische Haushaltspolitik will.»

Die Diskussion zeigte: Alle Kandidaten sind für den 29. März gerüstet, die Positionen sind bezogen.

Cyril Aregger

Bild: Screenshot Neue LZ

Bild: Screenshot Neue LZ