PODIUM: Parkhaus nur für Cars?

Beim Thema Parkhaus Musegg sind die politischen Gräben tief. Trotz dem Rückzug der Stadt läuft die Diskussion weiter.

Hugo Bischof
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Reisecars am Luzerner Löwenplatz. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Reisecars am Luzerner Löwenplatz. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

«Mit einem Parkhaus Musegg ausschliesslich für Cars könnten wir uns anfreunden.» Ausgerechnet ein Vertreter der linksgrünen Mehrheit im Stadtparlament, dezidierte Gegner des Projekts, machte diese Aussage an einem Podiumsgespräch. «Das höre ich von euch das erste Mal», meinte sein Podiumsgegner Fabian Reinhard, Grossstadtrat und Präsident der FDP der Stadt Luzern.

Natürlich versah Mario Stübi, SP-Grossstadtrat und Mitglied der Baukommission, sein Votum mit einem Zusatz: «Gleichzeitig über 600 Autoparkplätze in den Musegghügel hineinzuquetschen, da sind wir klar dagegen.» Die Zukunft gehöre dem öffentlichen Verkehr, nicht dem motorisierten Individualverkehr.

Anzahl Car- und Autoparkplätze verhandelbar

Stübi (SP) gegen Reinhard (FDP): Erstmals kreuzten zwei Vertreter der beiden politischen Lager öffentlich die rhetorischen Klingen. Organisiert wurde das Gespräch im christkatholischen Kirchgemeindesaal am Mittwoch von der IG Löwengraben, einer neutralen Vereinigung von Unternehmern und Privatpersonen in Luzerns Altstadt. Albert Schwarzenbach (CVP) leitete das Podium.

Die Anzahl Car- und Autoparkplätze sei verhandelbar, führte Reinhard die von Stübi lancierte Debatte weiter. «Wichtig ist einfach, dass die Diskussion jetzt weitergeht – genau das aber habt ihr mit eurem Notstopp im Parlament verhindert.»

Alternative Massnahme: «Slot Management»

Ein Postulat von SP und Grünen, das den Abbruch der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Musegg Parking AG verlangte, wurde mit Hilfe der GLP im Dezember 2016 knapp überwiesen (wir berichteten). Dennoch: Stübi wollte von einem Notstopp nichts wissen. «Uns ging’s nur darum, dass sich die Stadt nicht weiter an der Planung beteiligt.» Zu viele Ressourcen der Stadtverwaltung seien dadurch gebunden gewesen. Dass die privaten Initianten das Projekt weiter bearbeiteten, dagegen hätten sie gar nichts.

Die Diskussion vor rund 50 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern ging munter hin und her. Einig waren sich die Kontrahenten darin, dass die Aufwertung der Innenstadt und die Attraktivierung des öffentlichen Raums zentrale Anliegen sind. Über das Wie gingen die Ansichten aber auseinander. «Die Stadt muss als Ganzes erreichbar bleiben», betonte Reinhard. Ein Parkhaus Musegg könne insbesondere die Car-Problematik Schwanenplatz entschärfen. Es gebe dafür alternative Massnahmen, meinte Stübi, etwa das in vielen anderen Städten bereits erfolgreich angewandte Slot Management, mit dem anfahrende Cars rechtzeitig über freie Parkiermöglichkeiten informiert werden.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch