PODIUM ZU HARMOS: «Müssen die Hose runterlassen»

Eine gewisse Angleichung der kantonalen Schulen wünschten eigentlich alle. Doch am Podium löcherte die SVP mit derben Worten das Gemeinschaftswerk HarmoS.

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150 Interessierte besuchten das von Redaktor Dominik Buholzer (Bildmitte stehend) geleitete Podiumsgespräch in Stans. (Bild Roger Zbinden/Neue NZ)

150 Interessierte besuchten das von Redaktor Dominik Buholzer (Bildmitte stehend) geleitete Podiumsgespräch in Stans. (Bild Roger Zbinden/Neue NZ)

In Nidwalden sind bereits viele Teile von HarmoS eingeführt und akzeptiert. Doch die Gegner stossen sich auch hier am Einschulungsalter.

Sollen vier- bis fünfjährige Kinder (Stichtag 31. Juli) bereits eingeschult werden? Dieser Punkt erwies sich am Stanser Podiumsgespräch zum Schulkonkordat HarmoS als am meisten umstritten. Das Gespräch vor 150 Leuten am Montagabend leitete Dominik Buholzer, Redaktor dieser Zeitung.

«Die Eltern müssen quasi die Hosen runterlassen, wenn sie ihr Kind lieber länger bei sich behalten wollen», kommentierte der SVP-Landrat Peter Keller (Hergiswil) das Verfahren einer Rückstellung.

Frühförderung zumeist erwünscht
Sie wisse noch nichts über Gründe, weshalb Eltern ihre Kinder zurückzustellen wünschten, konterte Bildungsdirektorin Beatrice Jann. Denn das HarmoS-Konkordat sei ja gar noch nicht eingeführt. Klar ist für sie: «Keine Gemeinde wird sich über einen guten Grund der Eltern hinwegsetzen und ein Kind zwangsweise einschulen.»

Stansstad hat als erste Gemeinde vor fünf Jahren einen zweijährigen Frühkindergarten eingeführt. Mittlerweile nutzen in Nidwalden durchschnittlich insgesamt 80 Prozent der Kinder freiwillig diese Möglichkeit. Dass die Eltern trotzdem für ihre Kinder die volle Verantwortung tragen müssen, ist für ihn keine Frage. «Immer mehr kommen jedoch neue Kinder zu uns in die Schule, die in der Freizeit fast nur noch vor dem Fernseher hocken», verweist der Schulleiter auf eine andere Realität.

Jenseits von Genie und Halbschuh
Die Kontra-Seite dagegen sprach von Kindern, die weder selber die Schuhe binden noch Kleider anziehen können, aber bereits rechnen und schreiben lernen müssten. Die «Mutter zu Hause» könne Kleinkinder am besten fördern. Dass wir Erwachsene «keine Halbschuhe» geworden sind, bestätige dies am besten.

Urs Rüttimann

Mehr zum Thema lesen Sie am Mittwoch in der Neue Nidwaldner Zeitung.