Podiumsdiskussion
Ein globales Problem, unzählige Lösungsvorschläge: Das wollen Luzerner Politiker und Unternehmer gegen den Klimawandel tun

Der Kanton Luzern rüstet sich gegen wärmere Temperaturen und extreme Wetterverhältnisse. Ob die Massnahmen im neuen Klimabericht genügen, haben Kantonsräte, Unternehmer und ein Regierungsrat diskutiert.

Niels Jost
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Könnte künftig zur Gewohnheit werden: Die Kleine Emme führte im Sommer 2018 sehr wenig Wasser, die Felder sind ausgetrocknet.

Könnte künftig zur Gewohnheit werden: Die Kleine Emme führte im Sommer 2018 sehr wenig Wasser, die Felder sind ausgetrocknet.

Bild: Pius Amrein (Malters, 5. August 2018)

Die Uhr tickt. Nicht nur schreitet der Klimawandel voran, auch die Politik zerbricht sich weltweit den Kopf darüber, wie sie diesem Einhalt bieten kann. Lösungsansätze hat der Luzerner Regierungsrat Anfang Jahr präsentiert, in Form des Klimaberichts. Erarbeitet hatte er diesen gemäss Auftrag des Kantonsparlaments.

Die Uhr tickte am Dienstagabend ebenso im LZ-Auditorium in Luzern. Weil Podien mit Publikum derzeit nicht erlaubt sind, wurde dieses live ins Netz übertragen. Während eineinhalb Stunden debattierte der zuständige Regierungsrat Fabian Peter unter der Moderation von Oliver Kuhn von der Medienmanufaktur mit dem kantonalen Klimaexperten Jürgen Ragaller sowie Kantonsräten und Unternehmern über den Klimabericht.

Das 173-seitige Papier erhielt gleich zu Beginn Lob vom Veranstalter, der Denkfabrik Neue Energie Luzern, kurz Nelu. Dass der Kanton einen eigenen Klimabericht verfasst hat, sei schweizweit einzigartig, sagte Nelu-Präsident Raymond Studer. Dennoch gebe es Verbesserungspunkte. Nicht weniger als 71 Anträge stelle Nelu zum Bericht, der sich noch bis am 7. Mai in der Vernehmlassung befindet.

Das Podium wurde live ins Netz übertragen (auf der Tribüne, von links): Oliver Kuhn, Fabian Peter und Jürgen Ragaller.

Das Podium wurde live ins Netz übertragen (auf der Tribüne, von links): Oliver Kuhn, Fabian Peter und Jürgen Ragaller.

Bild: Niels Jost (Luzern, 9. März 2021)

Bei den Konsumenten braucht es ein Umdenken

Dass die Klima- und Energiestrategie des Kantons zu reden gibt, zeigte sich etwa beim Thema Landwirtschaft. Die Krux: Einerseits führt gerade die im Kanton Luzern verbreitete Tierhaltung zu hohen CO2-Emissionen, andererseits ist sie wichtig für die Ernährung der Bevölkerung.

Was also tun? Tierbestände reduzieren? Geht es nach Michael Kurmann, müsse zunächst ein Umdenken bei den Konsumenten stattfinden, bevor die Landwirtschaft umgekrempelt werde. «Ich würde mich wehren, die Landwirtschaft an die Wand zu fahren und dann alles vom Ausland importieren zu müssen», sagte der CVP-Kantonsrat aus Dagmersellen.

Auch Ursula Berset möchte bei den Konsumenten ansetzen – mit Subventionen. Die GLP-Kantonsrätin aus Buchrain sagte:

«Pflanzliche Ersatzprodukte sind teurer als Fleisch. Es wäre einfach, hier neue Anreize zu schaffen.»

Innovation und neue Technologien als Chance

Ein Umdenken in der Bevölkerung brauche es allerdings nicht nur beim Essen und Trinken, sondern bei allen möglichen Bereichen, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Fabian Peter hat auch eine Vorstellung, wie das gehen soll. Der FDP-Politiker sagte:

«Verhaltensveränderungen dürfen wir nicht mit Verboten durchsetzen. Vielmehr müssen wir mit Innovation und neuen Technologien Anreize dafür schaffen.»

Die neuen Technologien wie auch die Eigenverantwortung hob ebenso Pirmin Jung hervor. Der Unternehmer und Nelu-Vizepräsident sagte: «Jeder muss seinen Beitrag leisten, um den CO2-Ausstoss zu minimieren.» Er selber fahre ein Elektroauto, nannte der ehemalige CVP-Kantonalpräsident ein Beispiel.

Ohne Publikum, dafür mit Maske: die Teilnehmer am Podium im LZ-Auditorium.

Ohne Publikum, dafür mit Maske: die Teilnehmer am Podium im LZ-Auditorium.

Bild: Niels Jost (Luzern, 9. März 2021)

Um mehr Anreize für solche Fahrzeuge zu schaffen, könnte der Kanton die Besteuerung anpassen – oder veranlassen, dass in Neubauten Steckdosen für E-Autos eingebaut werden müssen, fügte Ursula Berset hinzu. Auch für Michael Kurmann war klar:

«In vielen Bereichen haben wir schon Lösungen parat. Nun geht es um die konsequente Umsetzung.»

Leistungsaufträge für Waldpflege gefordert

Der dritte Themenblock war neben der Landwirtschaft und Mobilität einer, der ebenso viele Luzerner betrifft: der Wald. Rund 11'000 Eigentümer gibt es im Kanton. Für das Klima sei dieses Ökosystem besonders wichtig, betonte Pirmin Jung. Doch Trockenheit, Wind und Borkenkäfer setzten den Bäumen zu. «Wir müssen den Wald klimafitter machen», sagte der Präsident von Pro Holz Lignum Luzern, der Dachorganisation der Holzbranche. Wegen des tiefen Holzpreises rentiere sich die Bewirtschaftung jedoch kaum. Anders als für den Schutzwald erhalte man für die Pflege des Wirtschaftswaldes kein Geld – obwohl die ganze Bevölkerung davon profitiere, sei es hinsichtlich des Klimas oder beim sonntäglichen Spaziergang. Jung forderte daher:

«Wir brauchen öffentliche Leistungsaufträge für die Bewirtschaftung des Waldes.»

Im Grundsatz herrschte unter den Rednern also Einigkeit: Das ambitionierte Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050 kann nur erreicht werden, wenn Staat und Bürger vorwärtsmachen. Dass dies einigen zu weit und anderen zu wenig schnell geht, liege in der Natur der Sache, sagte Fabian Peter. «Bis konkrete Massnahmen im politischen Prozess umgesetzt werden können, dauert es halt eine Weile.» Die Uhr tickt also weiter.

Das Podium in voller Länge zum Nachschauen:

Youtube / Neue Energie Luzern - Nelu