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POLITIK: David Roth: Heilsbringer oder Fehlgriff?

Gestern hat die SP des Kantons Luzern David Roth zum neuen Präsidenten gewählt. Der 30-Jährige übernimmt die Partei in einer schwierigen Phase. Das muss aber kein Nachteil sein, glaubt Politbeobachter Ivan Rickenbacher im Gegenteil.
Neuer Präsident der SP Kanton Luzern: David Roth. (Bild: Keystone / Gaetan Bally (Archiv))

Neuer Präsident der SP Kanton Luzern: David Roth. (Bild: Keystone / Gaetan Bally (Archiv))

Pascal Imbach

Man bewundert ihn, man verabscheut ihn aber eines lässt sich nicht wegdiskutieren: An David Roth kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit der Zentralschweizer Politik und ihren Exponenten befasst. Als langjähriger Politiker und Aktivist der Jungsozialisten (Juso), deren Präsident er zuletzt war, sorgte er immer wieder für Schlagzeilen. Bei seinen Auftritten ist der 30-Jährige nie um einen kecken Spruch oder einen feinen Witz verlegen. Wer mit Roth verbal die Klingen kreuzt, muss sich gut vorbereiten. Er ist einer, der Auseinandersetzungen nicht scheut. Im Gegenteil: Wenn sie hart geführt werden, läuft er erst zur Hochform auf.

Gewieft oder unbedacht?

Ein guter Redner ist er, zweifellos, ein pointierter Debattierer. Und selbst diejenigen, die ihn als «utopischen Hardcore-Linken» verteufeln, attestieren ihm (natürlich meist hinter vorgehaltener Hand), «dass der Typ halt schon nicht so schlecht rüberkommt ...» in Gesprächsrunden, auf Podien, bei Ansprachen oder auch, wenn er es mit Journalisten zu tun hat. Roth formuliert seine Botschaften klar, ist voller Überzeugung für das, was er sagt und tut. Was ihn freilich nicht davor feit, gelegentlich auch ins Kraut zu schiessen. Etwa als er zum Tod der britischen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher auf Facebook schrieb, er trinke nun «ein Bier auf Maggies besten Tag». Das Statement sorgte weitum für Empörung. Seine politischen Gegner sahen sich in dem bestätigt, was sie von Roth ohnehin halten: Er ist ein realitätsfremder Kindskopf, ein Flegel ohne Anstand, ein Querschläger, der in der gesitteten Politlandschaft eigentlich nichts verloren hat.

Das war vor gut zwei Jahren. Letztes Jahr im März hat er das Juso-Präsidium abgegeben. Schluss mit den jungen Wilden. Heute politisiert er für die SP im Kantonsrat und will in den Nationalrat.

Geht die Rechnung auf?

Gestern nun wurde David Roth am Parteitag der SP zum neuen Präsidenten der Sozialdemokraten des Kantons Luzern gewählt (Kasten). Ausgerechnet Roth? Ausgerechnet jetzt, wo die Partei nach dem Rauswurf aus der Regierung in der Krise steckt? Ob die Genossinnen und Genossen da eine weise Wahl getroffen haben, darüber gehen die Meinungen freilich auseinander. Nicht nur auf dem politischen Parkett auch an den Stammtischen.

Ivan Rickenbacher ist seit Jahren ein kompetenter Analyst und Beobachter der Zentralschweizer Politlandschaft. Der 72-Jährige glaubt: Die Rechnung für die SP könnte aufgehen.

Ivan Rickenbacher, wieso glauben Sie, dass die Wahl Roths als Präsident der SP eine gute Sache ist für die Partei?

Rickenbacher: Erstens bringt er trotz seiner jungen Jahre schon relativ viel Erfahrung mit sowohl auf Bundesebene als auch im regionalen Polit-Business. Zweitens ist er ein guter Redner und Argumentierer, der in der eigenen Partei viele Sympathien geniesst; er taugt also durchaus als neues Aushängeschild der SP Luzern. Und drittens: Mit seinen 30 Jahren ist er noch so jung, dass niemand ihm vorwerfen wird, er nutze dieses Amt lediglich als «Sprungbrett» für spätere, höhere Aufgaben. Etwa für eine Regierungsratskandidatur in vier Jahren. Die ist schlicht nicht realistisch mit 34 Jahren. Das verleiht ihm als Parteipräsident Glaubwürdigkeit – und parteiintern auch eine gewisse Freiheit.

Wo sehen Sie die Risiken für die SP unter Präsident David Roth?

Rickenbacher: Roth macht immer mal wieder einen flapsigen Spruch oder eine unüberlegte Aussage. Gut möglich, dass ihm auch als Präsident hin und wieder was Unbedarftes «rausrutscht». Er muss darauf achten, dass dies nicht allzu oft vorkommt. Als Parteipräsident kann er sich nicht mehr alles erlauben. Mit der Narrenfreiheit aus Juso-Zeiten ist es in diesem Amt vorbei. Ich glaube aber, dass er in den letzten zwei, drei Jahren gereift ist und noch weiter reifen wird.

Auf welches Wählersegment sollte sich die SP unter Roth Ihrer Meinung nach konzentrieren?

Rickenbacher: Wenn die SP ihre Wähleranteile steigern will, muss sie sich auf die Agglomeration der Stadt Luzern konzentrieren. Auf ein tendenziell eher junges, urbanes und modernes Zielpublikum, das klar sozial und solidarisch eingestellt, gleichzeitig aber nicht zu grün ist und in Birkenstock herumrennt. Auf der Landschaft sind für die SP wohl wenig zusätzliche Stimmen zu holen oder es wäre mit zu viel Aufwand verbunden. Niemand braucht eine starke SP in Hergiswil am Napf.

Politbeobachter Rickenbacher glaubt unter dem Strich also, dass David Roth für die SP mehr Chance als Risiko ist. Vorausgesetzt, er hängt sich voll rein in die «Knochenarbeit», die das Präsidium aus der Sicht von Rickenbacher mit sich bringt. Und: «Vorausgesetzt, er lernt dazu, bewahrt in hitzigen Situationen einen kühlen Kopf und kann Allianzen schmieden auch über die Parteigrenze hinaus.»

Hält er dem Druck stand?

Doch was hält SP-Präsident Roth selber von der Analyse Rickenbachers? «Ich bin mit ihm weitgehend einig», sagt der neue Präsident auf Anfrage. Auch bei der Beurteilung des Wählerpotenzials. «In den Agglomerationsgemeinden von Luzern gibt es tatsächlich noch Luft nach oben, das haben wir bislang sicherlich noch nicht alles ausgeschöpft», so Roth. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass es im Kanton auch noch andere Ballungsräume neben Luzern gebe, etwa die Region Sursee oder auch das Seetal. Und: Ignorieren werde man auch ländlichere Gegenden sicherlich nicht im Gegenteil: «Es wäre toll, wenn wir uns in grossen, wichtigen Gemeinden wie beispielsweise Sempach, Neuenkirch, Beromünster oder Horw in den kommenden Jahren etablieren, sprich neue Sektionen gründen könnten.»

Und was ist mit dem Druck, dem er als Parteipräsident nun vermehrt ausgesetzt sein wird? «Natürlich gibt es eine gewisse Anspannung und auch eine Erwartungshaltung. Aber ich spüre nach den enttäuschenden Wahlen eine Aufbruchstimmung innerhalb der Partei. Und das motiviert mich sehr. Ich werde alles daran setzen, meine Partei als Präsident bestmöglich zu führen.»

Veränderter Politstil?

Sein Auftreten und seinen Stil will Roth grundsätzlich beibehalten. «Eine direkte Art, klare Botschaften und hin und wieder auch etwas Humor so trete ich ja auch als Kantonsparlamentarier auf – ich muss mich nicht verbiegen.» Die negativen Dinge, die ihm seitens der Gegnerschaft angelastet werden, hätten allesamt aus seiner Juso-Zeit gestammt. «Damals hatte ich nicht die Aufgabe, über den Parteirand hinauszuschauen. Das ist jetzt natürlich anders, dessen bin ich mir bewusst.»

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