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POLITIK: Debattieren ist in Luzern besonders trendy

Jedes zehnte Schweizer Jugendparlament hat Sitz im Kanton Luzern. Laut dem Politologen Lukas Golder können die Jungen so langfristig für die Politik begeistert werden. Denn die traditionellen Parteien seien für viele nicht attraktiv.
Roseline Troxler
Jugendliche während der 4. kantonalen Jugendsession im Kantonsratssaal. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 27. Oktober 2017))

Jugendliche während der 4. kantonalen Jugendsession im Kantonsratssaal. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 27. Oktober 2017))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Gleichstellung von Mann und Frau, Bildung, Political Correctness oder der Tourismus in der Stadt. Diese Themen verbindet, dass sie im letzten Jahr in der Session des kantonalen Jugendparlaments behandelt worden sind. Besonders am Herzen lag den Jugendlichen dabei der Vaterschaftsurlaub. So überreichten sie dem Kanton Luzern eine Petition mit der Forderung eines zweiwöchigen Urlaubs für Väter. Dieses Jahr findet bereits die fünfte Session des kantonalen Jugendparlaments statt.

Aber nicht nur auf kantonaler Ebene sind Jugendliche politisch aktiv. Derzeit bringen sie sich in sechs Gemeinden in den Jugendparlamenten ein, nämlich in der Stadt Luzern, in Nottwil, Wauwil, im Surental, in Emmen und Rothenburg – wenn die Parlamente auch in den letzten beiden Gemeinden derzeit nicht aktiv sind. Das macht mit dem kantonalen sieben Parlamente. Schweizweit gibt es rund 70. Im Schnitt sind die Jugendlichen in den Parlamenten zwischen 14- und 23-jährig. Janik Steiner vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente sagt auf Anfrage: «Im Kanton Luzern existieren überdurchschnittlich viele Jugendparlamente.»

Eines neu gegründet, ein anderes in Planung

Ganz neu ist das Jugendparlament Surental, das am 1. März aus der Taufe gehoben wurde. Remo Suter und Stefanie Kaufmann bilden das Co-Präsidium. «Wir wollen Jungen zeigen, dass es nicht weh tut, wenn sie sich politisch engagieren», sagen die beiden. Nun sind sie auf der Suche nach Gleichgesinnten. Das Ziel sei es dann, Podien und Speed-Debating-Anlässe zu organisieren. Laut den Co-Präsidenten interessieren die Jugendlichen vor allem Themen wie die Gleichstellung, Homoehen, die Legalisierung von Hanf oder der Naturschutz.

Noch weniger konkret sind die Pläne in Neuenkirch. In der Gemeinde wurde letztes Jahr eine Bedarfsanalyse bei den Jugendlichen durchgeführt, welche ein Interesse gezeigt hat. Hinter dem Vorhaben, ein Jugendparlament zu gründen, steht Liridona Berisha mit Politikern. Ein Infoanlass für Jugendliche sei in Planung. «Unser Ziel ist eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde, damit Jugendliche ihre Anliegen direkt einbringen können», erklärt Berisha, die zuvor das Jugendparlament Wauwil präsidiert hat.

In Ebikon hat Jonathan Winkler (GLP) im September bei der Kommission für Gesellschaftsfragen, der er angehört, einen Antrag für die Gründung eines Jugendparlaments eingereicht. Auf Anfrage führt er aus: «Es ist uns wichtig, dass die Jugendlichen ein Gefäss haben, in dem sie ihre Anliegen einbringen können. Gleichzeitig soll auch der Gemeinderat bei den Jungen Ansprechpartner haben.» Die genaue Ausgestaltung des Gefässes lässt er offen.

Winkler erhofft sich mehr Partizipationsmöglichkeiten für Junge und denkt dabei auch an die Zukunft: «Mit dem Kommissionssystem brauchen wir in Ebikon auch künftig genügend politisch Engagierte. Ein Jugendparlament kann bei der Rekrutierung helfen.» Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass nicht die breite Masse angesprochen wird. «Ein Jugendparlament ist kein Fussballklub.»

«Jugendparlament steht und fällt mit Mitgliedern»

Doch was hat es mit der hohen Dichte an Jugendparlamenten in Luzern auf sich? Ticken junge Luzerner politischer als andere Schweizer? «Ein Jugendparlament steht und fällt mit seinen Mitgliedern», unterstreicht Janik Steiner. «Im Kanton Luzern gibt es viele sehr engagierte Personen, welche sich aktiv am Aufbau dieser Jugendparlamente beteiligt haben und ihr Bestehen seither sichern.»

Lukas Golder, Politologe und Co-Leiter des Forschungsinstituts GFS, sieht den Grund für die starke Vertretung darin, dass «die Erfahrungen mit diesen Parlamenten in der Regel positiv sind und beispielsweise über lokale Medien auf den ganzen Kanton ausstrahlen».

Dies bestätigt Janik Steiner und verweist auf das Jugendparlament der Stadt Luzern, das seit gut einem Jahrzehnt existiert und damit «vergleichsweise alt ist und einen gewissen Leuchtturmcharakter hat». Lukas Golder ortet einen weiteren Grund für die Zunahme: «Politisch aktive Jugendliche sind sehr gut vernetzt und auch die Strukturen beim Dachverband Schweizer Jugendparlamente werden immer professioneller.»

Für Golder ermöglichen Jugendparlamente «politische Jugendförderung, aber auch eine frische Themensetzung gegenüber einer Politik, die von älteren Männern geprägt wird». Für den Politologen ist ausserdem klar, dass durch die Jugendparlamente Netzwerke entstehen, die «ein Leben lang halten». Janik Steiner sieht in den Jugendparlamenten «die Möglichkeit echter Partizipation und die Stärkung der Milizpolitik.»

Jugendliche knüpfen Netzwerk für die Zukunft

Bei den Schweizer Jungparteien fällt auf, dass die höchsten Ämter immer wieder von Luzernern besetzt werden. Lukas Golder sieht hier einen klaren Einfluss der Jugendparlamente: «Eine lebhafte Politikkultur, die auch etwas trendy ist, befeuert die Chance.»

Jugendbewegungen seien seltener, umso mehr brauche es andere Strukturen, unterstreicht der Politologe. Denn: «Klassische Parteien gelten für viele Jugendliche als out.»

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