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POLITIK: Lobbyarbeit im Klassenzimmer

Bildungsdirektor Reto Wyss hat am am Donnerstag zum «Tag der aufgeschlossenen Volksschulen» Kantonsräte in die Klassenzimmer eingeladen. Diese staunten über Tablets im Englischunterricht und die Effizienz der Schule
Niels Jost
Politiker auf Schulbesuch: Der Surseer Stadtrat Bruno Bucher (links) und Kantonsrat Andreas Hofer. (Bild: Corinne Glanzmann (Sursee, 15. März 2018))

Politiker auf Schulbesuch: Der Surseer Stadtrat Bruno Bucher (links) und Kantonsrat Andreas Hofer. (Bild: Corinne Glanzmann (Sursee, 15. März 2018))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Alle zwei Jahre öffnen die Luzerner Volksschulen ihre Türen für Eltern, Gottis, Göttis oder Grosseltern. Sie erhalten dann einen Einblick in unser Bildungssystem. Um die 40000 Interessierte lockt der «Tag der aufgeschlossenen Volksschulen» jeweils in die Klassenzimmer. So auch gestern. Mit einem Unterschied: Neu waren offiziell auch die Luzerner Kantonsräte geladen.

Im Primarschulhaus St. Martin in Sursee sah das dann so aus: Lackschuhe neben Finken, Aktentaschen neben Schultheken. Grüne-Kantonsrat Andreas Hofer (Sursee) und Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann (SVP, Flühli) schauten den Schülern gespannt über die Schultern. Denen war’s einerlei. So sagte 1. Klässler Laurin (7), dass die neugierigen Blicke ihn beim Basteln seines Osternestes nicht störten. Und Gspändli Fay (7) freute sich vor allem, dass Mama und Papa zuvor ihren Torerfolg im Turnen bejubelt hatten.

Die anwesenden Politiker ihrerseits – darunter auch Sursees Stadträte und Mitglieder der Schulpflege – waren sich der Wichtigkeit des Anlasses durchaus bewusst. So sahen sie etwa, dass die Schüler im Englischunterricht nicht nur die Sprache, sondern gleichzeitig auch den Umgang mit den Tablets lernten. Dies war nur eine der vielen Unterrichtsformen, welche gestern präsentiert wurden und welche einige Politiker kaum je selber miterlebt haben. Für viele Parlamentarier war es ohnehin das erste Mal seit Jahren, dass sie wieder einmal in einem Klassenzimmer standen – obwohl sie regelmässig über Massnahmen in der Bildung bestimmen. Das wollte Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) mit dem Anlass am Donnerstag ändern. Zudem präsentierte er den Kantonsräten einen Gesamtüberblick über die Bildungslandschaft. «Unsere Volksschulen stehen sehr gut da», sagte Wyss. «Wir sind aktuell, innovativ, zeitgemäss und im Vergleich mit anderen Kantonen sehr effizient. Zudem weisen wir tiefe Pro-Kopf-Kosten aus.»

Ein Kostenvergleich mit anderen Kantonen sei allerdings nur bedingt aussagekräftig, konterte SP-Kantonsrat Hasan Candan (Luzern). Denn der Kanton Luzern weise eine sehr tiefe Anzahl Wochenstunden auf. Wyss versicherte jedoch, dass Luzern «sehr haushälterisch» mit den Finanzen umgehe. Der Bildungsdirektor betonte weiter: «Beim Effizienzpotenzial sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt.» Sprich: Sparpotenzial gebe es keines mehr.

«Weiter zu sparen wäre fatal»

Eine Aussage, welcher Wyss’ Parteikolleginnen Priska Wismer (Rickenbach) und Gerda Jung (Hildisrieden) beipflichteten. «Der heutige Unterrichtsbesuch hat mich in meiner Haltung bestätigt: In der Bildung weiter zu sparen wäre fatal», so Jung. Wismer ergänzte, dass der Kanton seit den 1990er-Jahren viel in die Bildung investiert habe, um die Abschlussquote in der Volksschule von rund 85 auf heute 95 Prozent zu heben. «Ein weiterer Leistungsabbau in der Bildung würde diesen Erfolg gefährden.»

Die Lobbyarbeit des Bildungsdirektors am «Tag der aufgeschlossenen Volksschulen» hat bei den Kantonsparlamentariern also offenbar ihre Wirkung erzielt. So sagte auch Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann: «Es tat gut, wieder einmal einen Einblick in den heutigen Unterricht zu erhalten.» Beeindruckt war sie vor allem von den verschiedenen Unterrichtsformen und der modernen Ausstattung. Dem pflichtete Grüne-Kantonsrat Andreas Hofer bei. Er lobte zudem die heutigen Schulmodelle sowie die individuellen Förderprogramme. «Damit haben die Kinder bessere Chancen bei der Arbeitssuche», sagte Hofer, während die Tablets zur Seite gelegt wurden und der Gong zur Pause läutete.

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