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POLITIK: Von den Wählern ins Amt bugsiert

Renate Gerber (42) hat vor rund drei Wochen ihr Amt als Gemeinderätin in Ufhusen angetreten – ungewollt. Sie erklärt, warum kommunale Exekutivämter unbeliebt sind.
Yasmin Kunz
Seit gut drei Wochen ist sie im Amt: Gemeinderätin Renate Gerber in Ufhusen. Bild: Philipp Schmidli (Ufhusen, 20. September 2016)

Seit gut drei Wochen ist sie im Amt: Gemeinderätin Renate Gerber in Ufhusen. Bild: Philipp Schmidli (Ufhusen, 20. September 2016)

Eine Wahl aus heiterem Himmel, kommentierte die Neopolitikerin Renate Gerber-Schär am 5. Juni ihr neues Amt als Gemeinderätin von Ufhusen. Aus heiterem Himmel, weil Gerber für den Sitz im Gemeinderat nicht kandidiert hatte. Dennoch wurde sie mit 38 Stimmen gewählt. Etwas wider Willen wurde sie also in ihr Amt bugsiert. Sieht sie das selber auch so? «Ja, aber trotzdem habe ich mich bewusst entschlossen, das Amt anzunehmen und damit einen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten.» Gerber räumt ein, dass sie sich durchaus hätte vorstellen können, in Zukunft einen Job für die Gemeinde anzunehmen – «allerdings erst in ein paar Jahren, wenn die Kinder älter sind».

Wie reagierten die Ufhuser auf die neue Gemeinderätin? «Die Rückmeldungen, dass ich dieses Amt annehme, waren durchwegs positiv», erinnert sie sich, relativiert aber sogleich: «Wir wohnen an der Kantonsgrenze, und ich arbeite im Kanton Bern. Da interessieren sich die Leute weniger für die Politik in Ufhusen. Aber in Ufhusen kennen mich die Leute schon», sagt sie und lacht. Obwohl die Wahl eine Überraschung war, kam sie nicht von ungefähr, wie Gerber einräumt: «Schon im Vorfeld war mein Name immer mal wieder gefallen, wenn es um gemein­nützige Arbeit in der Gemeinde ging.» Mehrere Jahre ist sie schon im Vorstand der Ufhuser Frauengemeinschaft.

Seit etwas mehr als drei Wochen ist die 42-Jährige nun zuständig für die Finanzen und Liegenschaften in der 900-Einwohner-Gemeinde. «Dieses Ressort passt zu mir», sagt Gerber zu ihrem Verantwortungsbereich. Zahlen sind ihr Metier: Sie hat auf einer Bank die kaufmännische Lehre absolviert und noch eine Weiterbildung zur Finanzplanerin gemacht. Nebst dem 15-Prozent-Pensum bei der Gemeinde arbeitet sie weiter bei einer Bank.

Sie steht ungern im Rampenlicht

Mit ihrer Wahl ist nicht nur ihr Arbeitspensum gewachsen. Sie wurde auch von einem auf den anderen Tag eine Person des öffentlichen Interesses. «Davor hatte und habe ich schon Respekt», sagt sie. Das spürt man: Die Aussagen der FDP-Politi­kerin sind mit Bedacht gewählt. Unüberlegte Äusserungen werden wir von ihr nicht hören. «Das ist nicht meine Art; ich stehe ungern im Rampenlicht, sondern bin lieber im Hintergrund aktiv.»

Bei ihrer Vereidigung habe Kathrin Graber, die Leiterin des Amts für Gemeinden des Kantons Luzern, ihr geraten, sich ein dickes Fell zuzulegen. Gerber weiss, warum: «Heute ist Gemeinde­rätin kein Prestigeamt mehr. Mit den sozialen Medien wird alles sofort an die Öffentlichkeit getragen, und das hat auch den Druck verstärkt.» Die Hemmschwelle sei niedriger und der Umgangston rauer.

Neben der Öffentlichkeitsarbeit sah Gerber die unterschied­lichen Wünsche aus der Bevölkerung und aus dem Gemeinderat vor ihrer Entscheidung als Herausforderung. «Ich fragte mich: Bringe ich immer alles unter einen Hut?» Damit meint sie jedoch nicht nur die Arbeit, die mit dem Amt verbunden ist, sondern auch ihre Familie. «Ich habe einen Ehemann und zwei Kinder im Primarschulalter – auch für sie will ich da sein.»

In Ufhusen ist man überzeugt, die richtige Person für dieses Amt gewählt zu haben. Gemeindepräsidentin Claudia Bernet (CVP) sagt: «Renate Gerber ist für uns eine Bereicherung. Wir sind froh, haben wir den Sitz mit einer kompetenten Person besetzen können.» Der Anfang als Gemeinderätin sei mit viel Neuem und auch viel Arbeit verbunden, weiss die Gemeindepräsidentin und ergänzt: «Wir versuchen, unsere neue Kollegin dabei tatkräftig zu unterstützen.»

Ufhusen konnte den vakanten Sitz erfolgreich besetzen, vor grösseren Herausforderungen stehen andere Gemeinden. In Simplon-Dorf (VS) etwa treten heuer neben dem Gemeindepräsidenten die vier Gemeinderäte zurück. Nachfolger für die Ämter sind keine Sicht, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Laut schweizerischem Gemeindeverband ist es schwierig, genügend Anwärter zu rekrutieren. In 5 Prozent, also in über 100 Schweizer Gemeinden, werden Personen in den Gemeinderat gewählt, die nicht kandidiert haben. Wie oft dies in Vergangenheit im Kanton Luzern vorkam, ist nicht restlos geklärt. Man vermutet, dass vor 24 Jahren in Kottwil eine Wahl wider Willen erfolgte.

Yasmin Kunz

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