Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Vollblutpolitiker will Paraplegiker-Direktor werden

Der Vorstand der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung in Nottwil schlägt Charly Freitag als neuen Direktor vor. Der Gemeindepräsident von Beromünster und FDP-Kantonsrat müsste für die 100-Prozent-Stelle andere Mandate abgeben.
Alexander von Däniken
Strebt eine neue Karriere an: Charly Freitag. (Bild: Nadia Schärli, Beromünster, 19. September 2017)

Strebt eine neue Karriere an: Charly Freitag. (Bild: Nadia Schärli, Beromünster, 19. September 2017)

Knapp ein halbes Jahr ist es her, als unsere Zeitung publik machte, dass die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) mit Sitz in Nottwil ihren umstrittenen Direktor Thomas Troger in die Frühpensionierung schickt. Zu schwer wogen die Diskussionen um ein zu hohes Salär und die Vorwürfe wegen Machtkonzentration und Vetternwirtschaft.

Der Zentralvorstand, das strategische Gremium der Vereinigung, ging auf die Suche nach einem Nachfolger. «Wir rechnen damit, dass wir an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 22. September einen Vorschlag unterbreiten können», erklärte SPV-Präsident Christian Betl in einem Interview (Artikel vom 7. Mai). Unsere Zeitung weiss nun: Der Zentralvorstand wird den Delegierten der 27 Rollstuhlclubs beantragen, Charly Freitag zum neuen Direktor zu ernennen.

Politisch und in Vereinen stark engagiert

Freitag ist kein Unbekannter: Seit 2009 ist der 40-jährige FDP-Politiker Gemeindepräsident von Beromünster, seit 2011 Kantonsrat. Von Beruf ist er selbstständiger Wirtschaftsinformatiker. Zudem engagiert er sich als Präsident des Luzerner Freiwilligenvereins Benevol, des regionalen Entwicklungsträgers Sursee-Mittelland und des Vereins Kulturzentrum Stiftstheater Beromünster.

Zum Grund seiner Bewerbung sagt Charly Freitag auf Anfrage: «Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung ist eine einzigartige Organisation und bewegt sich in einem Umfeld, das mir liegt.» Tatsächlich erwarb er Führungsdiplome, war als Informatikleiter bei der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) engagiert und ist noch heute Mitglied des Messerats Swiss Handicap. Letzterer ist für die Durchführung einer nationalen Messe für Menschen mit und ohne Behinderung zuständig.

Bekanntlich ist Charly Freitag bei der Ausmarchung des Wahlkreises Sursee um die Nachfolge von Regierungsrat Robert Küng gegen den Neuenkircher Jim Wolanin unterlegen. Hängt die Nichtnomination mit der SPV-Bewerbung zusammen? «Ich habe schon damals angezeigt, dass ich mir eine berufliche Neuorientierung vorstellen kann. Nun hat sich diese Möglichkeit ergeben», sagt Freitag dazu.

Die SPV will ihren Direktor zu 100 Stellenprozent anstellen. Doch alleine die politischen Mandate beanspruchen Freitag nach eigenen Angaben zu 65 Prozent. Wo er kürzer treten will, gibt er noch nicht bekannt: «Erst gilt es, die ausserordentliche DV abzuwarten.» Das gelte auch für eine Einschätzung darüber, wie er die SPV führen will. «Da die Genehmigung der Ernennung eines neuen Direktors eine SPV-interne Angelegenheit ist, sollen diese Informationen die Delegierten direkt an der Versammlung am 22. September und nicht durch die Medien erfahren», meint Freitag. Zur Vorgeschichte um Thomas Troger könne sich Freitag nicht äussern: «Ich war ja nicht Teil der Organisation, die ich als sehr gut aufgestellt und professionell wahrnehme.»

Nur ein Rollstuhlfahrer hat sich beworben

Die SPV hat im Stelleninserat explizit einen Rollstuhlfahrer für den Posten des Direktors gewünscht. Beworben hat sich aber nur einer – mit dem Wunsch, 50 Prozent im Co-Amt zu arbeiten. Dies geht aus Dokumenten hervor, die unserer Zeitung vorliegen. SPV-Präsident Christian Betl: «Wir hätten gerne eine Person mit Querschnittlähmung engagiert. Es ist uns aber noch viel wichtiger, dass die Person die richtigen beruflichen Qualifikationen und persönlichen Qualitäten sowie entsprechende Erfahrungen mitbringt für diese Position.»

Betl fügt an: «Mit Herrn Freitag können wir den Delegierten einen bestens qualifizierten Kandidaten zur Ernennung empfehlen. Zudem ist im Zentralvorstand stets eine Mehrheit an Betroffenen vorhanden, um deren Anliegen einzubringen.»

Laut Betl hat der Zentralvorstand rund 60 Kandidaturen evaluiert und Charly Freitag einstimmig nominiert. Der Antrag zur Wahl des Politikers ging indes nicht an die Delegierten der Rollstuhlclubs, sondern an die Präsidenten. «Die Clubs bestimmen, welche zwei Delegierten sie an die Versammlung schicken; das kann auch kurzfristig passieren. Darum gingen die Briefe an die Präsidenten», führt Betl aus.

Auch Präsidium bald vakant

Übrigens stehen auch im Zentralvorstand personelle Wechsel an. Per April 2019 werden vier Sitze frei: jene von Präsident Christian Betl und drei Beisitzern.

Direktor Thomas Troger bleibt gemäss Betl voraussichtlich so lange im Amt, bis Charly Freitag, sofern die Wahl bestätigt wird, eingearbeitet ist. «Da dem Zentralvorstand eine gute Übergabe wichtig ist, steht Thomas Troger Herrn Freitag auch nach der Amtsübergabe zur Verfügung. Alle Seiten schätzen dies.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.