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Interview

Politologe Mark Balsiger: «Luzerner CVP bleibt in der Schlüsselrolle»

Politologe und Politikberater Mark Balsiger beobachtet die Luzerner Regierungsratswahlen genau. Er analysiert, wann Korintha Bärtsch eine Wahlchance hat. Und er glaubt: Die SVP wird Paul Winiker am 19. Mai ins Ziel bringen.
Lukas Nussbaumer
Politologe Mark Balsiger. (Bild: PD)

Politologe Mark Balsiger. (Bild: PD)

Paul Winiker scheint so gut wie gewählt. Kann das die SVP in falscher Sicherheit wiegen?

Mark Balsiger: Von den vier bisherigen Regierungsräten hat nur Winiker ein besseres Resultat als vor vier Jahren erzielt. Er muss nicht um seine Wiederwahl bangen. Winiker macht einen soliden Job, ist volkstümlich und alles andere als ein Scharfmacher. Solche SVP-Mitglieder holen bis in die politische Mitte viele Stimmen.

Marcel Schwerzmann muss in der Stadt und Agglomeration zulegen, wenn er wieder gewählt werden will, Korintha Bärtsch auf dem Land. Wie können die Beiden in diesen Gebieten punkten?

Ein stockkonservativer Entlebucher wählt Bärtsch nicht, bloss weil sie ihm einen Flyer und einen Bio-Apfel in die Hand drückt. Schwerzmann fliegen die linken Herzen in Luzern und Kriens nicht zu, bloss weil er dort viele Hände schüttelt. Der moderne Wahlkampf zeichnet sich dadurch aus, dass man dort, wo das grösste Potenzial vorhanden ist, am meisten Zeit und Geld investiert.

Schwerzmann und Bärtsch werden als Ein-Themen-Politiker wahrgenommen. Sollen die beiden jetzt noch versuchen, sich mit anderen Themen zu profilieren?

Imagekorrekturen und das Lancieren neuer Themen wären in sechs Wochen ein hoffnungsloses Unterfangen. Das Momentum war am letzten Sonntag bei Bärtsch und den Grünen, sie müssen jetzt angreifen. Es geht um zwei Persönlichkeiten, zwei verschiedene Biografien, zwei Figuren mit ganz unterschiedlichen Werten und Schwerpunkten. Nur wenn sich jetzt eine «Change»-Stimmung festsetzt, hat Bärtsch eine Wahlchance.

Welche Art von Wahlkampf ist denn für die Dauer von sechs Wochen die richtige?

Bei amerikanischen Wahlkampfstrategen heisst es zynisch: «Keep the silver bullet for the end.» Auf Deutsch: Behalte die tödliche Kugel bis zum Schluss. Wenn nun von einem der drei Kandidaten eine üble Geschichte aus der Vergangenheit ausgegraben wird, sind die Wahlen gelaufen. Das passiert in der Schweiz allerdings ganz selten. Deshalb wird entscheidend sein, welche Stimmung eine grössere Dynamik auslöst: «Zwölf Jahre Schwerzmann sind genug» oder «Wir machen solid-bürgerlich weiter wie bisher.»

Korintha Bärtsch kann im Gegensatz zu Felicitas Zopfi 2015 nicht auf den Support der CVP zählen. Ist das für sie ein grosser Nachteil?

Die Wahlempfehlung für Felicitas Zopfi entwickelte keine Dynamik und wurde von der CVP-Basis auch nicht mitgetragen. Die SP setzte vor vier Jahren auf das falsche Pferd. Die CVP bleibt, auch wenn sie am Sonntag 3,4 Prozentpunkte verloren hat, in der Schlüsselrolle. Ihre Parteibasis entscheidet, ob Luzern mit Bärtsch wieder eine linke Frau in der Regierung haben wird oder ob der parteilose Schwerzmann eine vierte Legislatur anhängen darf. Viele CVP-Mitglieder sind sich dieser Macht durchaus bewusst.

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