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POLIZEI: Einbruch-Orakel: Luzern bremst

Ein neues Programm, das Einbruchsorte vorhersehen kann, arbeitet sehr erfolgreich. In Luzern zögert man mit der Einführung. Wieso eigentlich?
Ein Einbrecher bei der Arbeit (gestellte Szene). (Bild: Keystone (Archiv))

Ein Einbrecher bei der Arbeit (gestellte Szene). (Bild: Keystone (Archiv))

Ismail Osman

Einbruchdiebstähle gehören auch im Kanton Luzern zu den häufigsten Kriminaldelikten. Laut den aktuellsten Zahlen wurden im vergangenen Jahr 2097 Einbruchdiebstähle registriert. Die Aufklärungsrate ist mit gerade einmal 16,1 Prozent ernüchternd tief. Kein Wunder, wird man in Polizeikreisen hellhörig, wenn von der Möglichkeit gesprochen wird, potenzielle Einbruchsorte kurzfristig vorauszusehen.

Einmal mehr die Finanzen

Genau das verspricht eine in Deutschland entwickelte Software namens PreCobs, die beispielsweise bereits in Zürich eingesetzt wird (siehe Kasten).

Über die Software wird auch im Kanton Luzern diskutiert, allerdings äussert sich die Luzerner Regierung relativ vage darüber, ob PreCobs künftig auch hier eingesetzt werden soll (Ausgabe von gestern). Als eines der Hauptargumente, die gegen die Einführung von PreCobs sprächen, wird die klamme Finanzlage des Kantons genannt. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Investitionskosten auf rund 50 000 Franken belaufen würden und jährlich mit Betriebskosten von rund 40 000 Franken zu rechnen sei. Doch ist bei einem Globalbudget von rund 67 Millionen, das der Polizei zur Verfügung steht, der Preis für das PreCobs-Programm wirklich ein Genickbrecher? Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli sagt auf Anfrage, dass sich der Regierungsrat in seiner Beantwortung des entsprechenden Vorstosses einzig auf die Einschätzung der Luzerner Polizei stütze. So sagt Schärli lediglich: «In einer Zeit, in der die Luzerner Polizei dringend benötigte Stellenprozente kostenneutral schaffen und Sachaufwände einsparen muss, stellt sich auch bei scheinbar geringen Beträgen die Frage, was dafür nicht angeschafft oder in der Anschaffung zurückgestellt wird.»

Plan B: Etwas anderes einsparen

Eine Möglichkeit der Einführung sieht man im Rahmen des Zentralschweizer Polizeikonkordats. Doch was, wenn die Konkordatspartner nicht mitziehen? «Falls sich – aufgrund gesicherter positiver Erfahrungen – eine Einführung aufdrängen würde, das Konkordat aber noch nicht bereit wäre, müsste die Luzerner Polizei das weitere Vorgehen prüfen und sich überlegen, was in diesem Fall zurückgestellt würde», schreibt Schärli weiter. So bildet man sich seine Meinung zu PreCobs vorerst weiterhin aus der Ferne. Etwa bei einem Besuch im Aargau, wie Polizeikomandant Adi Achermann bestätigt. Dort findet derzeit eine Testphase statt: «Wir nahmen zur Kenntnis, dass PreCobs nicht nur ein technisches Projekt ist, sondern auch personelle und finanzielle Fragen nach sich zieht», sagt Achermann. «Nach Abschluss der Testphase im Kanton Aargau werden wir erneut den Austausch suchen.»

«Zumindest prüfen»

Durch seine Anfrage zuhanden der Regierung hat Martin Krummenacher (SP, Willisau) das Thema PreCobs auch in Luzern aufs politische Parkett gebracht. Dem Mitglied der Justiz- und Sicherheitskommission fällt in der Antwort der Regierung deren Zurückhaltung auf: «Es wäre bedauerlich, wenn man das Programm nicht zumindest prüfen würde», sagt Krummenacher und verweist auf die nachgewiesenen Erfolge in Zürich und Baselland. Krummenacher teilt jedoch auch gewisse Bedenken mit der Regierung. So etwa die nicht nachgewiesene Langzeitwirkung des Systems. Hingegen findet auch Krummenacher, dass die Kosten im überschaubaren Rahmen liegen.

Im Parlament wird er die Diskussion seiner Anfrage verlangen. Nicht zuletzt auch um herauszuspüren, woher der Wind im Parlament weht. «Ein Vorstoss etwa durch eine Motion wäre für mich dann eine Option, wenn diese auch bei anderen Fraktionen eine breite Unterstützung fände.»

So funktioniert das PreCobs-Programm


Das Softwareprogramm PreCobs nimmt Einbruchsberichte der Polizei auf und vergleicht diese mit früheren Taten. So sollen Muster erkennbar werden. Allerdings bedingt dies auch, dass es sich um Einbrecher handelt, die nach bestimmten Mustern und Kriterien handeln. Das tun Gelegenheitsdiebe, die aus Geldnot handeln, oder Beschaffungstäter, die ihre Sucht finanzieren müssen, in der Regel nicht. Profis hingegen schon.

Gewohnheitstier Mensch

Der Mensch bleibt auch in der Rolle des Verbrechers ein Gewohnheitstier – was sich PreCobs zu Nutze macht. Einfach gesagt: Waren Einbrecher erfolgreich, besteht eine hohe Chance, dass sie beim nächsten Raubzug ähnliche Objekte in der gleichen oder einer ähnlichen Gegend bevorzugen werden. Die Software berechnet die Wahrscheinlichkeit, mit der zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort eingebrochen wird. Dargestellt werden diese «Hot Spots» mittels Planquadraten von einer Grösse von rund 300 mal 300 Metern, welche auf Strassenkarten projiziert werden.

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