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POLIZEI: «Meine Frau ist zuerst erschrocken»

Der neue Kommandant ad interim der Luzerner Polizei hat in seiner kurzen Amtszeit nur ein Ziel: beruhigen. Nach innen will er dem Korps Halt geben – und sich von aussen nicht beeinflussen lassen.
Interview Rahel Schnüriger
Will Vertrauen schaffen: Adi Achermann, der neue Kommandant ad interim der Luzerner Polizei. (Bild Pius Amrein)

Will Vertrauen schaffen: Adi Achermann, der neue Kommandant ad interim der Luzerner Polizei. (Bild Pius Amrein)

Adi Achermann, in der «Neuen Luzerner Zeitung» sagten Sie, dass sie überrascht, stolz und auch ein wenig verunsichert gewesen seien, als Sie für die Stelle des Kommandanten ad interim angefragt wurden. Was war ausschlaggebend für Ihre Zusage?

Adi Achermann: Mir war wichtig, dass sich die ganze Situation bei der Luzerner Polizei wieder beruhigt. Das Kerngeschäft der Polizei hat unter der Krise gelitten, das musste ein Ende nehmen – deshalb habe ich gerne zugesagt.

In Ihrer Funktion als Leiter Zentrale Dienste der Oberstaatsanwaltschaft mussten Sie plötzlich Verfahren von Polizisten bearbeiten, die Sie teilweise sogar kannten.

Achermann: Ja, in diesem Zusammenhang haben sich schwierige Fragen gestellt. In jedem Fall mussten wir entscheiden, ob wir eine Strafuntersuchung ausserkantonal geben wollten, was den Aufwand jeweils erhöht hat. Der Kanton Uri stand uns diesbezüglich glücklicherweise unterstützend zur Seite.

Wie haben Sie die Polizeikrise sonst wahrgenommen?

Achermann: Mir taten die Geschehnisse weh, und ich hoffte auf ein baldiges Ende. Vor allem, weil an der Front mehrheitlich sehr gute Arbeit geleistet wird. Jeder Betrieb hat Stärken und Schwächen, wobei die Negativschlagzeilen der Polizei, der Strafverfolgung und der Verwaltung nicht gerecht wurden.

Sie hatten bereits eine erste Sitzung mit der Geschäftsleitung der Luzerner Polizei. Wie haben Sie diese erlebt?

Achermann: Der erste Eindruck ist sehr gut. Die Geschäftsleitung will einen Schritt vorwärtskommen. Ich bin froh, dass die Mitglieder auch kritisch sind und die Herausforderungen erkennen. Ich habe den Eindruck, dass wir auf dem Weg sind, die Empfehlungen aus dem Bericht Sollberger und die Aufträge des Regierungsrats umsetzen zu können.

In den letzten Monaten wurde viel Geschirr zerschlagen. Denken Sie, dass es möglich ist, in dieser Konstellation der Geschäftsleitung weiterzuarbeiten?

Achermann: Ja, ich bin zuversichtlich. Man muss Probleme angehen und ausdiskutieren. Dies ist in den letzten Monaten bereits geschehen. Die Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit sind geschaffen.

Haben Sie vor, als Kommandant ad interim auch personelle Entscheide zu fällen, wenn es sein muss?

Achermann: Grundsätzlich bin ich ein interimistischer Kommandant, somit habe ich gar nicht die Kompetenz für weitreichende personelle Entscheide. Aber wenn ein Problem gelöst sein muss, wende ich mich mit meinen Erkenntnissen und Überlegungen an meine Vorgesetzte.

Was für Aufgaben gab die Regierung Ihnen für die neue Position mit?

Achermann: Das Hauptanliegen der Regierung ist, dass die Polizei ihr Tagesgeschäft in Ruhe erledigen kann. Meine Aufgabe ist es, dem Korps und der Geschäftsleitung Halt zu geben.

Sie haben im Militär als Oberst bereits Führungserfahrung gesammelt, ausserdem standen Sie als Leiter Zentrale Dienste der Luzerner Oberstaatsanwaltschaft zehn Mitarbeitern vor. In Ihrer neuen Aufgabe werden Sie ein Korps von 840 Leuten führen. Trauen Sie sich diese Aufgabe zu?

Achermann: Ja. Die Erfahrungen im Militär waren sehr wertvoll. Man beginnt als direkter Vorgesetzter in einer kleinen Gruppe und hört beispielsweise als Regimentskommandant auf. So habe ich gelernt, von der operativen zur strategischen Denkweise zu wechseln.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Zeit als Kommandant ad interim?

Achermann: Ich möchte ganz kurzfristig eine Beruhigung herstellen und Vertrauen schaffen. Weiter will ich die Verunsicherung – insbesondere im Kader – beheben. Wir sind auf gutem Weg. Ich bin ausserdem bekannt dafür, dass ich auf die Leute zugehe und sie ernst nehme.

Wie werden Sie das den Polizisten am Anfang signalisieren?

Achermann: Nach einem ersten Schreiben an alle Mitarbeitenden kann ich mich demnächst beim Korps-Rapport an alle wenden. Weiter habe ich im Sinn, in den nächsten Wochen an die Abteilungsrapporte zu gehen.

Haben Sie vor, eine Verlagerung der Schwerpunkte vorzunehmen?

Achermann: Mir ist ganz wichtig, dass ich den Fokus primär nach innen richten kann. Das deckt sich auch mit dem Auftrag der Regierung, eine Beruhigung bei der Luzerner Polizei zu ermöglichen.

Bedeutet die Führung nach innen zu richten, dass Sie gegenüber der Öffentlichkeit eher zurückhaltend kommunizieren werden?

Achermann: Im Sinne unseres Auftrags von Information und Prävention werden wir aktiv informieren. Aber es darf nie Selbstzweck werden. Ich möchte mich nicht als Person inszenieren und stehe ohnehin nicht so gerne im Rampenlicht.

Wie wird die Zusammenarbeit mit Regierungsrätin Yvonne Schärli und dem Verband Luzerner Polizei aussehen?

Achermann: Mit der Regierungsrätin finden wie bisher regelmässige Dienststellen-Rapporte statt. Mit dem Verband treffe ich mich nächste Woche, dann werden wir die Zusammenarbeit besprechen. Der Verband ist sicherlich ein wichtiger Partner.

Die Whistle-Blowing-Stelle, die für sechs Monate einberufen wurde, wird Anfang Jahr auslaufen. Haben Sie vor, diese weiterzuführen?

Achermann: Das zu entscheiden ist Sache des Departements.

Wenn Sie selbst entscheiden können, werden Sie die Stelle abschaffen?

Achermann: Ich erhoffe mir, dass Mitarbeiter mit Schwierigkeiten zu mir kommen. Meine Tür ist immer offen. Weiter wurden im Kantonsrat bereits mehrere Vorstösse für eine Meldestelle für das Verwaltungspersonal eingereicht.

Ihre Zeit als Kommandant ad interim wird relativ knapp sein. Reicht das, um effektiv etwas auszurichten oder halten Sie salopp gesagt einfach die Stellung, bis die richtige Person gefunden ist?

Achermann: Wenn ich Ruhe in das Korps bringen kann, habe ich schon viel ausgerichtet. Viel mehr braucht es im Moment gar nicht als Ziel.

Können Sie sich vorstellen, das Amt nachher als Kommandant weiterzuführen?

Achermann: Die Stellenausschreibung ist ein ordentliches und öffentliches Verfahren. Der Regierungsrat wird die am besten geeignete Person wählen. Nachdem ich jetzt diesen ersten Schritt gemacht habe, kann ich mir vorstellen, später auch einen zweiten Schritt zu gehen. Aber zuerst werde ich mich in diese Interims-Aufgabe eingeben und diesen Job nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen.

Was muss ein Kommandant aus Ihrer Sicht für Fähigkeiten mitbringen?

Achermann: Er muss sicher integer sein, den Leuten Vertrauen und Sicherheit geben. Menschen, die Sicherheit produzieren, müssen im Hintergrund auch Sicherheit haben. Polizisten haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, das man selbst leidenschaftlich leben sollte.

Ihr Vorgänger Beat Hensler war einem grossen Druck ausgesetzt. Belastet Sie das?

Achermann: Ich bin nicht der Typ, der sich zu fest beeinflussen lässt. Ich bin in dem Sinne auch nicht ängstlich und scheue die Konfrontation nicht. Mit Druck umzugehen, das gehört bei der Strafverfolgung zum Job, daran bin ich gewöhnt.

Wie reagierte Ihre Frau auf die Neuigkeiten?

Achermann: Zuerst erschrak sie schon etwas, aber als ehemalige Polizistin hatte sie natürlich auch Freude.

Die Belastung des Korps war im Vorfeld zur Krise immer wieder ein Thema. Wie gut ist die Luzerner Polizei aus Ihrer Sicht aufgestellt?

Achermann: Auf jeden Fall ist das Personal sehr knapp. Die 24-Stunden-Gessellschaft hat nicht nur die Polizei, sondern einen grossen Teil der Verwaltung an den Anschlag gebracht. Ich bin seit längerem ein Verfechter davon, diesen Trend zurückzufahren.

Möchten Sie zum Abschluss ein Wort an Polizei und Bevölkerung richten?

Achermann: Der sehr gute Ruf der Luzerner Polizei hat in den letzten Monaten gelitten. Ich will dazu beitragen, dass die Polizei ihren guten Ruf wieder festigen kann.

Kandidierte schon vor elf Jahren

Person sra. Adi Achermann, der Mitte Dezember sein Amt als interimistischer Kommandant bei der Luzerner Polizei aufnehmen wird, ist in seiner neuen Stelle bereits stark eingebunden. Seine bisherige Position als Leiter Zentrale Dienste der Oberstaatsanwaltschaft wird er aufgeben, genauso wie seine Ämter als Stabschef des Gemeindeführungsstabs und Parteipräsident der CVP Rothenburg. Der 49-Jährige ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 11 und 13 Jahren. Sein Bruder arbeitet bei der Luzerner Polizei. Adi Achermann bewarb sich bereits vor elf Jahren für die Position als Kommandant bei der Luzerner Polizei, unterlag zu diesem Zeitpunkt aber seinem Vorgänger Beat Hensler.

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