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POLIZEI: «Orakel» soll Einbruch vereiteln

Dank einer neuen Software soll die Zahl der Einbrüche deutlich abnehmen. Die Luzerner Polizei ist zwar interessiert, aber skeptisch.
Ismail Osman
Mit einer Software soll die Polizei besser vorhersehen, in welchen Gebieten eingebrochen wird. Der Kanton Luzern wartet mit einer möglichen Einführung der Software noch zu. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Mit einer Software soll die Polizei besser vorhersehen, in welchen Gebieten eingebrochen wird. Der Kanton Luzern wartet mit einer möglichen Einführung der Software noch zu. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Ismail Osman

Bei wem wird als Nächstes eingebrochen? Wenn man das nur im Voraus wüsste ... Eine im Handel verfügbare Software will angeblich genau diese Frage beantworten können und so die Arbeit der Polizei – auch jener Luzerns – künftig grundlegend verändern.

PreCobs heisst das in Deutschland entwickelte Programm (siehe Kasten). Nach Analyse von Ort, Zeit, Tathergang und Beute errechnet dieses eine Prognose, wo in den nächsten Tagen Einbrecher am Werk sein könnten. Entsprechend kann die Polizei das als gefährdet eruierte Gebiet verstärkt patrouillieren. «Probabilistische Methoden» oder «predictive Policing» lauten die Schlagwörter für diese Art der Verbrechensbekämpfung.

In der Stadt Zürich ist PreCobs seit vergangenem November fix im Einsatz. In einer Testphase sank die Zahl der Einbrüche angeblich um rund 30 Prozent. Mittlerweile hat auch der Kanton Baselland das Programm eingeführt. Dank einer parlamentarischen Anfrage von Martin Krummenacher (SP, Willisau) wird das Thema nun auch im Luzerner Kantonsrat aufgegriffen.

Luzerner Polizei: Ja, aber

Konkret will Krummenacher wissen, wie die Luzerner Polizei solchen Methoden der Einbruchsprävention gegenübersteht. Dort ist man überzeugt, dass solche Programme in Zukunft immer mehr Einfluss auf die Polizeiarbeit nehmen wird, wie der Regierungsrat in seiner Antwort schreibt. Vollends überzeugt ist man anscheinend aber noch nicht. So sei zu berücksichtigen, dass gerade mit Blick auf Zürich, Baselland und Aargau die Langzeiterfahrung noch fehle. So sei der Rückgang der Einbruchszahlen in diesen Kantonen zum Teil zwar signifikant. Aus Sicht der Regierung sei allerdings «noch nicht geklärt, ob es sich um statistische Schwankungen handelt oder um einen nachhaltigen Trend». Was weiter gegen die baldige Einführung des Programmes spricht, sind die Kosten. Die Investitionskosten betrügen rund 50 000 Franken, hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 40 000 Franken. Anscheinend zu viel für Luzern: «In der aktuellen Finanzlage würde es eine Herausforderung bedeuten, diese finanziellen Mittel bereitzustellen», schreibt die Regierung in ihrer Antwort. Völlig abgeschrieben hat man das Projekt aber trotzdem nicht. So traf sich noch im März eine Delegation der Luzerner Polizei mit Vertretern der Kantonspolizei Aargau.

Testphase verlängert

Eine sechsmonatige Testphase wurde dort kürzlich um weitere sechs Monate verlängert, wie Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, auf Anfrage mitteilt. Die Pilotphase sei verlängert worden, weil man sich tiefere Erkenntnisse über den Nutzen des Programmes erhoffe – insbesondere auch in Bezug auf ländliche Gegenden. «In dichter besiedelten Gebieten wie Baden oder Wettingen ist die Ausgangslage eine ganz andere als etwa im Freiamt.» In den ländlichen Gebieten, wo die Zahl der Einbrüche eine viel tiefere ist, würde auch die nötige Menge an Daten nicht so schnell gegeben sein wie etwa in einer Stadt Zürich. Dieses Problem dürfte auch auf den Kanton Luzern zutreffen.

Einführung via Konkordat?

Am ehesten sieht die Luzerner Regierung die Einführung von PreCobs via Zentralschweizer Polizeikonkordat. Dies mache auch für die Luzerner Polizei am meisten Sinn, schreibt die Regierung: «Die Einführung von PreCobs wird in diesem Kontext geprüft werden.» Primär aus koordinationstechnischen Überlegungen, wie Erwin Rast von der Dienststelle Justiz und Sicherheit erläutert. Dass so auch die Kostenfrage entschärft wird, bestreitet Rast allerdings nicht. Einen Zeithorizont für die Prüfung auf Konkordatsebene gebe es nicht, so Rast. «Man ist diesbezüglich weiterhin im Prozess der Meinungsbildung.»

Muster erkennen

io. Das Programm PreCobs (Pre Crime Observation System) wurde von dem im deutschen Oberhausen angesiedelten Institut für musterbasierte Prognosetechnik entwickelt. Um zu prognostizieren, wo sich in unmittelbarer Zukunft ein Einbruch ereignen könnte, greift das Programm auf den Datenpool der Polizei zu. Durch Auswertung vergangener Einbrüche sollen Muster erkannt werden können.

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