Selbst Nicht-Allergiker leiden: Starke Pollenbelastung beschert dem Luzerner Kantonsspital viele Telefonanfragen 

Aufgrund der langen Schönwetterperiode leiden derzeit viele Allergiker. Auch Nicht-Allergiker können nun Symptome entwickeln. Unsere zwölf Tipps helfen, die Beschwerden zu lindern.

Susanne Balli
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Pollenallergiker sind seit Wochen besonders geplagt. Aufgrund der langen Schönwetterperiode ist die Pollenbelastung in der Luft sehr hoch. Laut aktuellem Pollenbericht von Meteo Schweiz gibt es starke Belastungswerte auf beiden Seiten der Alpen. Vor allem Birken-, Eichen- und Buchen-, in den Städten auch Plantanenpollen sind in grossen Mengen vorhanden.

«Derzeit haben viele Personen sehr starke Beschwerden», sagt Gerhard Müllner, Chefarzt für Allergologie am Luzerner Kantonsspital (Luks). Besonders die Birkenpollen und bereits blühende Gräser würden bei Allergikern massive Beschwerden auslösen. Die sichtbaren gelben Pollen hingegen, die sich derzeit draussen wie ein Film über alles legen, stammen laut Müllner meist von Föhren und lösen selten allergische Reaktionen aus.

Wenn die blühende Landschaft zur Plage wird: Pollenallergiker leiden derzeit besonders.

Wenn die blühende Landschaft zur Plage wird: Pollenallergiker leiden derzeit besonders.

Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone

Verunsicherung bei Pollenallergikern

Trotz hoher Pollenbelastung verzeichnet die Allergologie am Luks aktuell nicht besonders viele Patienten, die in der Sprechstunde vorstellig werden. «Normalerweise werden wir bei solch anhaltend schönem Wetter überrannt. Aufgrund von Bedenken wegen des Coronavirus vermeiden es aber viele, uns aufzusuchen. Wir erhalten aber sehr viele telefonische und schriftliche Anfragen», sagt Müllner. Der Chef-Allergologe stellt aufgrund des Coronavirus eine gewisse Verunsicherung bei Pollenallergikern fest. «Pollenallergiker haben kein erhöhtes Risiko. Die Medikamente gegen Pollenallergien sind wirksam und erhöhen die Anfälligkeit für eine Covid-19-Infektion nicht», betont er. Dies gelte auch für saisonales, durch Pollen ausgelöstes Asthma.

Das Risiko eines pollenbedingten Asthmaanfalls ist laut Müllner kurz vor Regen und innerhalb der ersten halben Stunde eines Regenschauers am höchsten. «Die Pollen platzen bei Regen auf, und die Konzentration der Allergene ist dann in der Luft besonders hoch. Sie gelangen leicht in die peripheren Luftwege und können einen Asthmaanfall auslösen», sagt er. Dann heisse es, rasch nach drinnen zu gehen, die Fenster zu schliessen und zu inhalieren.

Müllner rät Pollengeplagten eine symptomorientierte Behandlung. «Wer starke Asthmabeschwerden hat, muss inhalieren.» Medikamente wie lokale Steroide, etwa Nasensprays sowie Antihistaminika und Augentropfen ohne Kortison würden starke allergische Beschwerden mildern und seien bezüglich Anwendung bedenkenlos. Als langfristige Lösung könne dann eine Desensibilisierung als ursächliche Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Aggressivere Pollen reizen die Schleimhäute

Jene Patienten, die von ihrer Pollenallergie Kenntnis haben, kennen laut Müllner die typischen Symptome. Allerdings seien durch die derzeit hohe Pollenbelastung zum Teil auch Nicht-Allergiker betroffen. Manche Pollen sind in den letzten Jahren aggressiver geworden und reizen auch unspezifisch die Schleimhäute. Müllner sagt: 

«Darum kommen auch Leute mit klassischen allergischen Symptomen zu uns, die normalerweise nicht allergisch reagieren und bei denen auch keine Allergie nachgewiesen werden kann.»

Wie aber können allergische Reaktionen von Covid-19-Symptomen unterschieden werden? Laut Müllner gehören eine fliessende, juckende Nase mit klarem Sekret, juckende, gerötete und tränende Augen sowie häufiges Niesen zu den Symptomen einer Pollenallergie. Husten könne Ausdruck von Asthma Bronchiale sein, falls die Pollenallergie eine Etage tiefer rutscht. Allergiker, die kein Fieber hätten und nicht in Kontakt mit Coronainfizierten gestanden seien, müssten sich normalerweise keine Sorgen machen.

Medikamente gegen Allergien sind Bestseller

«Viele sind derzeit durch die Pollenallergie sehr geplagt», sagt auch Doris Vollenweider, Gesundheitscoach in Dr. Schmid’s See Apotheke in Luzern. Das zeige sich bei den verkauften Medikamenten: Top eins sind derzeit Medikamente gegen Pollenallergien aus der Schul- und Komplementärmedizin. «Trotz der aktuellen Situation kommen unsere Kunden in die Apotheke. Wir sind für alle Kunden da und beraten sie weiterhin gerne individuell», sagt Vollenweider. Möglich seien zudem telefonische Beratungen, und für Risikopatienten sei Hauslieferung möglich. Auf Wunsch werden Allergiechecks durchgeführt – mit den nötigen Schutzmassnahmen.

Willy Meyer, Inhaber der Toppharm Apotheke Meyer in Sursee, kann ebenfalls bestätigen, dass derzeit viele Allergiker überdurchschnittlich unter der aktuellen Pollenbelastung leiden. «Dieses Jahr hat das mit den Pollen auch sehr früh angefangen, bedingt durch den milden Winter.»

Nun könnte sich die Situation für Allergiker etwas bessern. In den kommenden Tagen soll es immer wieder lokale Regenschauer geben. Regen kann die Pollenkonzentration in der Luft vermindern.

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