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Polnischer Präsident Duda in Luzern: Holocaust-Retter erhält Grabstein auf Friedhof Friedental

Am Dienstag wurde die neue Grabstätte von Konstanty Rokicki geehrt, einem lange vergessenen polnischen Kriegshelden. Prominentester Gast: Staatspräsident Andrzej Duda. Er erinnerte an weitere Polen, die ihr Leben riskierten.
Natalie Ehrenzweig
Der polnische Präsident Andrzej Duda ehrte am Dienstag den Holocaust-Retter Konstanty Rokicki. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Der polnische Präsident Andrzej Duda ehrte am Dienstag den Holocaust-Retter Konstanty Rokicki. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Lange war die Geschichte von Konstanty Rokicki in Vergessenheit geraten. Erst vor einigen Jahren wurde Markus Blechner, Honorarkonsul von Polen, zufällig auf die Dokumente aufmerksam. «Mit der Unterstützung des neuen Botschafters Jakub Kumoch wurde die Geschichte aufgearbeitet. Wir haben sehr viele Dokumente in den Archiven gefunden», sagte er. Nun wurde nicht nur Konstanty Rokickis Geschichte erzählt, am Dienstag wurde auch sein Grab geehrt.

Die Stadt Luzern hat schon seit dem Frühling der polnischen Botschaft geholfen, das Grab zu lokalisieren, zum Beispiel mit alten Luftaufnahmen. «Obwohl bei den speziellen Grabungen keine Überreste per DNA-Vergleich Rokicki zugeordnet werden konnten, sind wir zu praktisch 100 Prozent sicher, dass sein Grab ungefähr dort lag, wo jetzt die Grabstätte ist», erläuterte Thomas Scherer, Verantwortlicher Aussenbeziehungen und Projekte bei der Stadt Luzern. An jener Stelle wurde nun ein Grabstein errichtet, der an den Verstorbenen und seine Taten erinnert.

Hohes Medieninteresse, viele Botschaftsvertreter

Seit dem Pass-Schwindel sind 75 Jahre vergangen, seit dem Tod Rokickis 60 Jahre. Dass das Gedenken an den Kriegshelden am Dienstag aber Relevanz hatte, zeigte sich nicht nur an der Anzahl Medienvertreter aus Polen, der Schweiz und Israel. Polens Präsident Andrzej Duda erinnerte in seiner Ansprache vor etwa hundert Botschaftsvertretern, Geistlichen, aber vor allem auch Überlebenden, an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und betont, dass die polnischen Diplomaten mit ihrem damals illegalen Tun ihr Leben riskierten. Selbstlos seien sie gewesen, die meisten von ihnen arm gestorben. «Die Moral war wichtiger als das eigene Leben», so ein Geistlicher.

Über 1000 Pässe ausgestellt

Zwischen 1941 und 1943 stellte Konstanty Rokicki (1899–1958) zusammen mit seiner sogenannten Berner Gruppe, zu der mehrere polnische Diplomaten und Mitglieder jüdischer Organisationen gehörten, über 1000 Pässe für mindestens 2100 Personen aus. Mit den illegalen Paraguay-Pässen bewahrten sie die Juden vor dem Abtransport in ein Konzentrationslager. Nachdem er seinen Dienst 1945 verliess, blieb er in der Schweiz und verstarb 1958, nach einigen Jahren der Krankheit, in Luzern. (nez)

Nun hat Konstanty Rokicki ein würdiges Grab erhalten, um das sich in Zukunft die polnische Botschaft kümmern wird. «Das wurde auch Zeit, dass sie geehrt wurden», sagt der in Zürich lebende Uri F. Strauss (78), während er seinen Pass in den Händen hält. Einer der Pässe, die Konstanty Rokicki ausgestellt hat und der Uri F. Strauss und seiner Familie das Leben rettete. Heute hat Polen eine rechtskonservative Regierung. Fühlt sich Uri F. Strauss mit seiner Geschichte ausgenützt? «Ich finde nicht, dass die jetzige polnische Regierung uns instrumentalisiert. Sie arbeiten die Geschichte auf.»

Dieser Überzeugung ist auch Markus Blechner: «Wir müssen uns mit dem Guten und dem Schlechten dieser Zeit beschäftigen». Enttäuscht, dass Andrzej Duda in seiner Rede keinen Bogen zur aktuellen politischen Situation geschlagen hat, war Blechner nicht: «In seinem Vortrag ‹The Future of Europe – Foundations of Unity of the States of Europe›, den er am Dienstagabend im Europa Institut in Zürich halten wird, wird er auf diese Themen eingehen und sich auch den Fragen der Studenten stellen.»

Das Grab von Konstanty Rokicki. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 9. Oktober 2018))

Das Grab von Konstanty Rokicki. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 9. Oktober 2018))

Der polnisch Soldat bringt den Blumenkranz zum Grab. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Der polnisch Soldat bringt den Blumenkranz zum Grab. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Grosses Medieninteresse am Dienstag auf dem Friedhof Friedental. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Grosses Medieninteresse am Dienstag auf dem Friedhof Friedental. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Polnische Wachen stehen am Grabstein von Konstanty Rokicki. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Polnische Wachen stehen am Grabstein von Konstanty Rokicki. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Der polnische Präsident Andrzej Duda mit Gattin Agata Kornhauser-Duda auf dem Weg zum Grab. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

Der polnische Präsident Andrzej Duda mit Gattin Agata Kornhauser-Duda auf dem Weg zum Grab. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 9. Oktober 2018))

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