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PORTRÄT: Von Rain in den Orient – und dort zum Eisenbahnchef

Jakob Müller (1857–1922) verliess das Seetal und wurde oberster Manager der Orientbahn. Das neue Buch «Der Türken-Müller» über ihn zeigt: Er liess sich nicht beirren – weder vom Zusammenbruch des Osmanischen Reichs noch durch die Balkankriege.
Trains Of Turkey (website), Nohab
Familienbild um 1910 mit Jakob Müller (rechts), Frau Rosy (links) und den Kindern Edgar, Jakob, Rosy und Julie. (Bild: Privatsammlung Dr. Jacques Müller, Zumikon)

Familienbild um 1910 mit Jakob Müller (rechts), Frau Rosy (links) und den Kindern Edgar, Jakob, Rosy und Julie. (Bild: Privatsammlung Dr. Jacques Müller, Zumikon)

Der Nachruf über Jakob Müller vom Januar 1923 im «Luzerner Tagblatt» klingt übertrieben, ist er aber nicht: «In erstaunlich raschem Tempo stieg er dann zu den höchsten Ehren und Ämtern empor, bis die Stelle eines Generaldirektors der Orientbahnen als Auszeichnung seiner Gewissenhaftigkeit, Tüchtigkeit, Arbeitsfreude, Treue und Ehrlichkeit seine Laufbahn krönte.» Akribisch recherchierte der Publizist Karl Lüönd, der auch Kolumnist unserer Zeitung ist, in Archiven über einen Luzerner, der in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Mann war. Dabei stützte sich Lüönd auch auf Erzählungen und Dokumente seines Auftraggebers Jacques Müller, dem Enkel des Protagonisten.

Doch von Anfang an: Jakob Müller kommt am 29. November 1857 in Rain zur Welt, besucht die Primar- und die Sekundarschule im benachbarten Eschenbach und dann für zwei oder drei Jahre das Gymnasium, wohl in Luzern. Es war eine Zeit, in der viele Schweizer ihr Glück in Amerika versuchten. Es war aber auch die Hochzeit der Eisenbahnen, 1880 war nach sieben Jahren der Durchstich des Gotthardtunnels.

Höheres Gehalt als Bank-Vizedirektor

Das Verkehrsmittel faszinierte Jakob Müller. Er trat 1875 bei der Nordostbahn ein, vermutlich in eine betriebliche Anlehre. Zwei Jahre später folgte er dem Ruf aus dem Orient nach guten Fachkräften und nahm in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, eine Stelle als Stationsgehilfe an.

Es folgte ein rascher Aufstieg: Im Alter von 42 Jahren war Müller bereits Subdirektor der Betriebsgesellschaft der Orientalischen Eisenbahnen, kurz Orientbahn genannt. Sein Jahresgehalt von 32 000 Francs war fürstlich; der Vizedirektor einer schweizerischen Grossbank verdiente maximal 20 000 Francs.

Das Salär musste sich Müller hart verdienen. Das Osmanische Reich brach immer schneller zusammen. Müller fand immer diplomatische Wege, um auf ausstehende Rechnungen des Reichs zu pochen. Auf dem Balkan brodelte es: Neben Griechenland forderten auch Bulgarien und Serbien ihre Unabhängigkeit. Müllers Ziel war stets, die Orientbahn am Laufen zu halten. Selbst wenn die Züge für Truppen- und Materialtransporte benutzt wurden. Oder als Serbien die Bahn innerhalb der Landesgrenzen selbst betreiben wollte.

Säuberlich und nüchtern rapportierte Müller nicht nur betriebliche Neuigkeiten, sondern auch politische und sicherheitsrelevante. Empfänger war der Verwaltungsrat der Orientbahnen. Am 17. Oktober 1912 notierte Müller etwa: «Der Streckenwärter Suleiman Zimber traf um 6.20 Uhr bei km 276,920 ein, wo er auf der Ballastbettung zwei Soldaten sitzen sah, mit denen er, da sie erst am vorhergehenden Tage eingetroffenen waren, ins Gespräch trat. Im gleichen Moment bemerkte er in einem Schienenstoss etwas Weisses und gleich darauf auch Drahtenden, welche von der Stosslinke aus über die Schienenenden gebogen waren, was ihn davon überzeugte, dass eine Bombe im Geleise liegen müsse.»

Der Streckenwärter habe darauf Alarm geschlagen und einen herannahenden Zug angehalten. Offiziere des Überwachungsbataillons entfernten darauf die zwei Bomben, jede war drei Kilogramm schwer. Jakob Müllers Management-Geschick und seine diplomatische Art, später auch als Direktor der Orientbahn, kamen an. In seiner vierzigjährigen Laufbahn wurde er von sieben Regierungen mit insgesamt sechszehn Orden und Ehrenzeichen bedacht – vom osmanischen Sultan Abdülhamid II. über Bulgarien und Serbien bis zum deutschen Kaiser Wilhelm II.

Sprachkenntnisse halfen bei Verhandlungen

Auch Müllers Vorgesetzte waren voll des Lobes. Zumal die Orientbahn trotz der Kriegswirren – und auch dank des Seetalers – stets rentierte. Hilfreich waren sicher auch seine Sprachkenntnisse: Müller beherrschte Deutsch, Französisch, etwas Englisch, Griechisch und Türkisch. Am 26. November 1917, drei Tage nach seinem 60. Geburtstag, gab Jakob Müller seinen Rücktritt bekannt. In Rain mittlerweile als «Türken-Müller» bekannt, zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo er fünf Jahre später an Lungenkrebs starb.

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitug.ch

Hinweis

Am Freitag, 22. Juni, findet um 18 Uhr im Verkehrshaus Luzern die Vernissage zum Buch «Der Türken-Müller» statt. Eine Anmeldung unter www.pioniere.ch ist erforderlich. Schon jetzt – ebenfalls unter vorhin genannter Internetadresse – kann das Buch bestellt werden (Preis: 29 Franken, Umfang: 96 Seiten). Ab 23. Juni ist es auch im Handel erhältlich.

Links: Familienbild um 1910 mit Jakob Müller (rechts), Frau Rosy (links) und den Kindern Edgar, Jakob, Rosy und Julie. Rechts: Eisenbahnbau war weitgehend Handarbeit; ein Bauzug der Bagdadbahn um 1930. (Bilder: Privatsammlung Dr. Jacques Müller, Zumikon/Trains of Turkey (Website), Nohab)

Links: Familienbild um 1910 mit Jakob Müller (rechts), Frau Rosy (links) und den Kindern Edgar, Jakob, Rosy und Julie. Rechts: Eisenbahnbau war weitgehend Handarbeit; ein Bauzug der Bagdadbahn um 1930. (Bilder: Privatsammlung Dr. Jacques Müller, Zumikon/Trains of Turkey (Website), Nohab)

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