POSEIDON: Wandbild bald im Tribschen?

Das Wandbild von Hans Erni könnte auf dem Frigorex-Areal eine neue Bleibe finden. Liegenschaftsbesitzer Jost Schumacher bekundet Interesse.

Benno Mattli
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So soll die Frigorex-Überbauung dereinst aussehen. Das Wandbild von Erni käme an das hintere, bestehende Gebäude. (Bild: Visualisierung PD)

So soll die Frigorex-Überbauung dereinst aussehen. Das Wandbild von Erni käme an das hintere, bestehende Gebäude. (Bild: Visualisierung PD)

So soll die Frigorex-Überbauung dereinst aussehen. Das Wandbild von Erni käme an das hintere, bestehende Gebäude. (Bild: Visualisierung PD)

So soll die Frigorex-Überbauung dereinst aussehen. Das Wandbild von Erni käme an das hintere, bestehende Gebäude. (Bild: Visualisierung PD)

Es misst 15 mal 8 Meter, ist 5 Tonnen schwer und besteht aus 120 Aluminiumplatten: das Wandbild «Poseidon» des Luzerner Künstlers Hans Erni (105). Ab 1968 hing es im städtischen Hallenbad in Luzern. Seit dessen Schliessung lagert das Kunstwerk an einem geheimen Ort in grossen Kisten.

Wie wir in der aktuellen Ausgabe der «Zentralschweiz am Sonntag» publik gemacht haben, hat der Stadtrat nun entschieden, das Wandbild zu verschenken. An wen, liess Rosie Bitterli, die Kulturchefin der Stadt, in unserem Artikel allerdings offen. Sie verriet lediglich: «Es bleibt in Luzern! Noch kann ich den Namen des neuen Besitzers nicht verraten, doch die riesige Fassade, an welcher das Gemälde künftig hängen wird, ist bereits im Bau.» Und weiter sagte sie: «Einen ersten Entwurf des Schenkungsvertrages haben wir dem zukünftigen Besitzer bereits geschickt.» Die einzige Auflage, die dieser erfüllen müsse, sei, dass das Kunstwerk für immer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde.

Recherchen unserer Zeitung zeigen nun: Das Wandbild, das sich im Besitz der Stadt Luzern befindet, könnte im Tribschenquartier eine neue Heimat finden, genauer: auf dem Frigorex-Areal, wo früher das Kulturlokal «La Fourmi» und der Club «Vasco da Gama» beheimatet waren. Dort plant der bekannte Luzerner Anwalt und Liegenschaftsbesitzer Jost Schumacher, der auch die Kopien der Kapellbrückenbilder hat anfertigen lassen, zwei Wohnblöcke mit 62 Mietwohnungen und Gewerbefläche.

Kosten von 400 000 Franken

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Schumacher, dass er Interesse habe und derzeit in Verhandlungen mit der Stadt Luzern stehe. «Allerdings», so Schumacher, «kann von einem Geschenk nicht die Rede sein.» Denn ein Gutachten, das er in Auftrag gegeben habe, habe ergeben, dass das Wandbild in einem «ganz schlechten Zustand» sei. Das Wiederherstellen des Kunstwerkes würde eine monatelange Arbeit eines Metallbauers und eines Restaurators bedingen. «Das ganze Aufpolieren, ‹Zwägmache› und Aufhängen des Wandbildes würde, so hat das Gutachten ergeben, um die 400 000 Franken kosten.» Laut Schumacher ist deshalb offen, wie es nun weitergeht. «Ich versuche diesbezüglich zusammen mit der Stadt eine Lösung zu finden.»

Das Wandbild käme übrigens nicht an einem der beiden Wohnblöcke, die derzeit entstehen, zu hängen, sondern am bestehenden Gebäude der Elektro-Material AG, die dort Elektromaterial lagert (siehe Visualisierung).

Stadt schweigt

Rosie Bitterli, die Kulturchefin der Stadt, wollte gestern auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellung nehmen. Sie verwies an Stadträtin Ursula Stämmer-Horst. Doch auch die Bildungsdirektorin wollte nichts sagen.

Verschwiegen gibt sich auch Karl Bühlmann, Präsident ad interim der Hans-Erni-Stiftung. Diese verfügt über mehr als 300 Bilder, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken des Künstlers. Der Stiftung sind auch die Finanzierung und die 1979 erfolgte Eröffnung des Hans-Erni-Museums auf dem Gelände des Verkehrshauses der Schweiz zu verdanken.

Stadt hat 117 000 Franken bezahlt

Das Wandbild «Poseidon» war sozusagen Hans Ernis Rehabilitation. Vor diesem Werk war Erni in der Schweiz 20 Jahre lang als Kommunist geächtet worden, weil er sich aktiv für den Weltfrieden und die Völkerverständigung einsetzte.

Ende der 1960er-Jahre war das Bild wieder der erste offizielle Auftrag. Die Stadt Luzern hat damals 117 000 Franken für das Bild bezahlt – das Honorar für Hans Erni nicht miteinberechnet. Wie viel Erni selber für die Arbeit erhalten hat, kann heute nicht mehr eruiert werden.

Hans Ernis Wandbild «Poseidon» soll die heute eher trostlose Rückwand des ehemaligen Frigorex-Gebäudes (heute EM) schmücken. Daneben entsteht die Frigorex-Überbauung (links). (Bild Corinne Glanzmann)

Hans Ernis Wandbild «Poseidon» soll die heute eher trostlose Rückwand des ehemaligen Frigorex-Gebäudes (heute EM) schmücken. Daneben entsteht die Frigorex-Überbauung (links). (Bild Corinne Glanzmann)