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POST: Luzerner Poststempel droht das Aus

Briefe aus der Region Luzern werden neuerdings nicht mehr in der Postfiliale, sondern in Härkingen gestempelt. Der Pilotversuch verärgert Sammler.
«6000 Luzern» – diesen Stempel gibts am Postschalter nur noch auf Wunsch. (Neue LZ/Dominik Wunderli) Fotografiert am 20.05.2016 Themenbilder Briefe Post Briefmarke (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

«6000 Luzern» – diesen Stempel gibts am Postschalter nur noch auf Wunsch. (Neue LZ/Dominik Wunderli) Fotografiert am 20.05.2016 Themenbilder Briefe Post Briefmarke (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Simon Bordier

Wer hat mir denn diesen Brief geschickt? Diese Frage stellt sich beim Leeren des Briefkastens immer wieder. Einen Hinweis gab bisher der Poststempel mit Ort und Datum der Postfiliale. Doch heute ist auf den Stempel kaum mehr Verlass. Denn auf vielen Couverts steht schlicht: Härkingen. Dort wo sich die Autobahnen A 1 und A 2 kreuzen, befindet sich nämlich eines von drei Briefzentren der Post. Praktisch alle Briefe, die man im Raum Luzern oder Bern in einen Briefkasten wirft, werden ins Briefzentrum gebracht, dort automatisch sortiert und gestempelt.

Stempel gibts nur noch auf Wunsch

Einen Ortsstempel erhält nur, wer den Brief am Postschalter abgibt. Doch auch diese Praxis könnte bald der Vergangenheit angehören. In einzelnen Filialen werden schon heute Briefe ungestempelt an ein Zentrum weitergeleitet. Und seit März läuft nun ein Pilotprojekt, wonach sämtliche abgegebene Briefe flugs nach Härkingen spediert werden – ausser, der Kunde wünscht es anders. Das Projekt umfasst alle Gebiete, deren Postleitzahl mit 60 beginnen: die Region Luzern, den Kanton Obwalden und Hasliberg im Kanton Bern.

«Wir möchten testen, ob wir die bereits sehr hohe Qualität beim Briefversand weiter erhöhen können», erklärt Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post. Heute kommen gemäss Post 97 bis 98 Prozent der Briefe pünktlich an. «In der automatischen Sortieranlage passieren möglicherweise weniger Fehler, als wenn die Briefe in vielen verschiedenen Filialen – vielleicht gar unter Zeitdruck – von Hand gestempelt und vorsortiert werden», erklärt Flüeler. Die heutigen Hightech-Sortiermaschinen seien weniger fehleranfällig – und schneller.

Die Nachricht kommt nicht überall gut an. «Ich bedaure, dass die Marke Luzern auf Briefen immer mehr verloren geht», meint der frühere Luzerner CVP-Grosstadtrat Louis Baume (68). Wenig erfreut zeigt man sich auch beim Auktions- und Philateliegeschäft Rölli in Luzern. «Auch heute werden Poststempel gesammelt, wenn auch nicht mehr in dem Umfang wie früher», erklärt Christian Holling, der Kommunikationsbeauftragte der Philatelie. Vor allem Sammler thematischer Gebiete seien darauf angewiesen, dass zum Beispiel Ortswerbestempel benutzt würden oder Stempel, die das gleiche Sujet wie die Briefmarke haben.

Leidet die Sammellust?

Durch das Pilotprojekt der Post werde die Sammellust wohl weiter minimiert, bedauert Holling: «Wenn die Individualität der Handabstempelung verschwindet, droht der Bereich für die Philatelie verloren zu gehen. Denn warum soll man schöne Briefmarken kaufen, wenn am Ende ein einheitlicher Stempel auf dem Brief ist?» Dies sei ein weiterer Schritt in einer aus philatelistischer Sicht «sehr problematischen» Entwicklung: «Die Post würde am liebsten im alltäglichen Gebrauch ganz auf die Briefmarken verzichten, da diese nicht mehr in den automatisierten internen Ablauf passen», sagt Holling. Er vertraue darauf, dass man seine Briefe auf Wunsch auch weiter in jeder Filiale stempeln lassen kann: «Dies ist eine Grundlage der Philatelie.»

Das Pilotprojekt der Post läuft bis Ende Jahr. «Wir entscheiden anschliessend, ob das neue System in der ganzen Schweiz eingeführt werden kann», sagt Mediensprecher Oliver Flüeler. Der Stempel werde während der Pilotphase nicht aus den Filialen verschwinden, versichert er: «Gerade durch unsere Sensibilität gegenüber unserer Philateliekunden lassen wir selbstverständlich die Möglichkeit offen, Briefe auf Wunsch in der Filiale mit einem speziellen Sujet stempeln zu lassen.» Und wird dies auch nach der Pilotphase so bleiben? Das lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, meint Flüeler. Man warte die Ergebnisse des Projekts ab. «Wir haben uns für einen Pilotversuch entschieden, weil wir die Anliegen der Kunden und Mitarbeitenden ergebnisoffen aufnehmen wollen.»

Post: «Kunden sollen Wahl haben»

Flüeler vergleicht die Entwicklung beim Stempel mit jener der Briefmarken: «Neben klassischen Briefmarken sind heute Barcodes und SMS-Briefmarken immer mehr im Kommen.» Dies bedeute aber nicht, dass die klassische Briefmarke verschwinde. «Durch die neuen technischen Möglichkeiten nimmt die Vielfalt zu. Wir möchten den Kunden die Wahl lassen», sagt Flüeler. Dies gelte auch im Fall der Poststempel: «An Weihnachten konnte man in den vergangenen Jahren zum Beispiel in Bethlehem bei Bern seine Weihnachtskarten mit einem eigens angefertigten Weihnachtsstempel versehen lassen.»

Seitens der Gewerkschaft Syndicom, welche die Interessen von Postangestellten vertritt, zeigt man sich gegenüber dem Automatisierungsprozess aufgeschlossen: «Wenn die gewonnenen Effizienzsteigerungen zu einer steigenden Rentabilität und zur Sicherung der Postfiliale führen, dann begrüssen wir das grundsätzlich», sagt Syndicom-Sprecher Christian Capacoel. Entscheidend sei, dass damit nicht ein Personalabbau einhergehe. Auch dürfe der Druck auf die betroffenen Mitarbeiter nicht zunehmen.

Der Pilotversuch wird laut Flüeler mit dem bestehenden Personal durchgeführt. Wie sich eine definitive Einführung auf den Stellenbestand auswirken könnte, sei zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen.

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