POSTFILIALEN: Betroffene wollen erst abwarten

Im Kanton Luzern droht 38 Poststellen die Schliessung. Politiker nehmen dies mit Gelassenheit und wollen erst dann aktiv werden, wenn entscheidende Gespräche mit dem Gelben Riesen stattfinden.

Roger Rüegger
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38 der 51 Poststellen im Kanton Luzern droht die Schliessung. (Bild: Dominic Favre/Keystone)

38 der 51 Poststellen im Kanton Luzern droht die Schliessung. (Bild: Dominic Favre/Keystone)

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Die Post will in den nächsten vier Jahren über 600 Filialen schliessen und durch Stellen etwa in Läden oder Gemeindehäusern ersetzen. Im Kanton Luzern sind 38 von insgesamt 51 Filialen gefährdet oder bereits im Schliessungsprozess (Ausgabe von gestern). Die Post hat bisher nicht bekannt gegeben, an welchen Filialen sie künftig festhalten wird.

Garantiert erhalten bleiben sollen Poststellen in Kantons- oder Bezirkshauptorten sowie in Gemeinden mit mindestens 20000 Einwohnern. Gemäss der «Gefährdungskarte Poststellen Schweiz», die aufgrund von Daten der Gewerkschaft Syndicom zusammengestellt wurde, sind aber auch Poststellen in regionalen Zentren gefährdet.

«Wir lassen uns nicht so leicht erschrecken»

So zum Beispiel die Filiale in Wolhusen. Treten die von der Syndicom angedrohten Schliessungen ein, lägen die nächsten Poststellen entweder in Willisau oder in Schüpfheim. Gemeindepräsident Peter Bigler (FDP) gibt sich auf Anfrage jedoch gelassen. «Jaja, die Post. Es ist ja bekannt, dass Poststellen geschlossen werden. Ich bin deshalb nicht überrascht, und wir lassen uns auch nicht so leicht erschrecken.» Gespräche zwischen der Post und dem Gemeinderat hätten bisher keine stattgefunden, so Bigler. Das Thema werde nun im Rat besprochen, und zu gegebener Zeit werde man nachfragen, ob und wie Wolhusen von Sparmassnahmen betroffen sei. Peter Bigler hat die Karte in unserer Zeitung gesehen. Er meint dazu: «Die Post muss am Schluss nur aufpassen, dass sie sich vor lauter Abbaumassnahmen nicht selbst auflöst.»

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete beobachtet die Pläne der Post genau. «Die Karte ist zwar spekulativ, und die Schliessungen der meisten Filialen sind noch keine beschlossene Sache. Aber wir werden uns dafür einsetzen, dass die Post beim Abbau keinen Kahlschlag verursacht», sagt Direktor Thomas Egger. Die Post solle Abstand halten von weiteren Umstrukturierungen, bis das eidgenössische Parlament die Evaluation des Postgesetzes behandelt und über die weitere Ausrichtung der Post entschieden hat. Die Vorlage kommt laut Egger noch in diesem Frühjahr ins Parlament.

Der Verband Luzerner Gemeinden sieht die Umstrukturierung der Post etwas differenzierter. «Wir bedauern zwar die Schliessung von autonomen, vollausgerüsteten und bedienten Poststellen, aber im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung müssen wir für neue Angebote offen sein», sagt Fabian Peter, Leiter im Bereich Bau, Umwelt, Wirtschaft. Im Vordergrund stehe ein guter Service public. Es sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht immer eine voll ausgerüstete Poststelle möglich und notwendig. «Wir können und wollen uns daher auch nicht für den Erhalt einzelner Poststellen einsetzen und können dem Alarmismus der Gewerkschaften wenig abgewinnen.» Wichtig sei aber, dass zwischen Post, Kanton und Gemeinden ein transparenter und ehrlicher Prozess stattfinde und die Post in den Gesprächen mit den Gemeinden auf Augenhöhe begegne. Der Gelbe Riese müsse bedürfnisgerechte Angebote ausarbeiten und echte Alternativen anbieten, damit der Service public bestmöglich erfüllt werden könne.

Politiker fordern Regierung auf, sich zu wehren

Der drohende Filialabbau ist auch in der kantonalen Politik ein Thema. So hat der Luzerner Kantonsrat David Roth (SP) den Regierungsrat mittels Postulat aufgefordert, sich gegen Poststellenschliessungen zur Wehr zu setzen, falls sie zu einem Abbau des Service public in den Gemeinden führen.

Die Regierung antwortete, dass der Einbezug der Gemeinden gesetzlich verankert und etabliert sei. Massgebend bleibe in erster Linie dieser Prozess zwischen der Post und den betroffenen Gemeinden. Im Rahmen seiner Möglichkeiten werde sich der Kanton Luzern für die Beibehaltung eines angemessenen Service public insbesondere in den ländlichen Regionen einsetzen.